Ende einer Ära: Letztes deutsches Gletscher-Skigebiet schließt für immer
An der Zugspitze geht eine Epoche zu Ende: Das letzte auf einem Gletscher gebaute Skigebiet Deutschlands wird endgültig geschlossen. Weil der Nördliche Schneeferner massiv schmilzt, ist Wintersport dort inzwischen zu gefährlich geworden. Eine kleine Sprengladung soll am Freitag den letzten Lift zum Einsturz bringen - genau einen Tag vor dem Welttag des Gletschers am 21. März.
Lift steht nur auf schmelzendem Eis
Der Plattlift auf dem Nördlichen Schneeferner, der 1967 eröffnet wurde, verliert seine Existenzgrundlage. Die Stützen des Schlepplifts stehen ausschließlich auf Eis, ohne Fundament im festen Boden. Nur die Seile halten sie aufrecht. Weil sich das vermeintlich ewige Eis an Deutschlands höchstem Berg so stark zurückzieht, wurde die Situation untragbar.
Die Piste, die früher als leichte blaue Abfahrt galt, verwandelte sich zuletzt in ein schwieriges schwarzes Gelände. Mit dem Absenken des Bodens hingen die Seile bis zu acht Meter zu hoch. In den letzten zwei Wintern war dort bereits kein Skifahren mehr möglich.
Sieben bis acht Meter Höhenverlust
Der Geograf Wilfried Hagg von der Hochschule München erklärt das Ausmaß: "Im Bereich der Lifttrasse hat der Gletscher sieben bis acht Meter an Höhe eingebüßt." Zusammen mit dem Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften hat er neue Daten zu den vier letzten bayerischen Gletschern veröffentlicht. Der Schlepplift sei durch diese massive Absenkung der Eisoberfläche nicht mehr haltbar.
Hagg betont: "Damit verliert Deutschland sein einziges Gletscher-Skigebiet." Der Plattlift ist bereits der dritte und letzte Lift im Gletscherbereich der Zugspitze, der verschwindet. Zuvor wurden bereits der Gletschersee-Schlepplift und ein Doppel-Sessellift beim ehemals fünften bayerischen Gletscher, dem Südlichen Schneeferner, abgebaut.
Deutschlands Gletscher schmelzen in Rekordtempo
Die Zahlen sind alarmierend: Deutschlands letzte Gletscher büßten innerhalb von nur zwei Jahren von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche ein. Insgesamt gingen eine Million Kubikmeter Eis verloren. Zugspitzbahn-Sprecherin Laura Schaper beschreibt die Situation: "Hier oben kann man den Gletscher beim Schmelzen zusehen. Das ist ein ernstes Thema."
Die Prognosen sind düster:
- Vom Blaueisgletscher und Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen existieren nur noch klägliche Reste
- Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Nördliche Schneeferner seinen Status als Gletscher verlieren
- Der Höllentalferner im Zugspitzgebiet, der eher schattig liegt, hat maximal noch zehn Jahre
- Deutschland wird voraussichtlich im Laufe der 2030er-Jahre keinen einzigen Gletscher mehr haben
Symbol für die Klimakrise
Die Schließung des letzten Gletscher-Skigebiets ist mehr als nur das Ende eines touristischen Angebots. Sie steht symbolisch für die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels in den Alpen. Während in den umliegenden Skigebieten Wintersport weiterhin möglich ist, markiert der Rückbau des Plattlifts einen unumkehrbaren Wendepunkt.
Die Bayerische Zugspitzbahn hatte immer wieder gehofft, den Lift doch noch betreiben zu können - etwa wenn viel Schnee das fehlende Eis ausgleichen würde. Doch zuletzt war der Lift nur noch in der Saison 2023/2024 in Betrieb. Die Realität des fortschreitenden Gletscherschwunds ließ keine andere Entscheidung zu.
Die Sprengung des letzten Gletscherlifts an der Zugspitze wird somit zu einem sichtbaren Zeichen für eine verschwindende Welt - und eine Mahnung, die Klimakrise ernst zu nehmen.



