AfD erzielt Rekordergebnis in baden-württembergischem Wahllokal
Wenn von rechten Hochburgen in Deutschland die Rede ist, dominieren meist ostdeutsche Regionen die Diskussion. Die jüngste Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigt jedoch ein anderes Bild: Auch im Südwesten der Republik gibt es inzwischen zahlreiche Gebiete, in denen eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei der Alternative für Deutschland macht. In einem Wahllokal in Hügelsheim im Landkreis Rastatt erreichte die Partei jetzt sogar ein bemerkenswertes Ergebnis von 74 Prozent der Zweitstimmen.
Hügelsheim: Ein Dorf mit besonderer Struktur
Hügelsheim ist ein typisches Spargeldorf mit etwa 5.000 Einwohnern, das direkt am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden an der deutsch-französischen Grenze liegt. Besonders auffällig ist die demografische Vielfalt des Ortes, in dem Menschen aus mehr als 63 verschiedenen Nationen leben. Die Gemeinde besteht aus zwei räumlich getrennten Ortsteilen: dem historischen Dorfkern und der ehemaligen Kasernensiedlung, die auf dem Luftbild deutlich zu erkennen ist.
In der ehemaligen Kasernensiedlung leben viele Spätaussiedler aus Russland, die Mitte der 1990er-Jahre nach Deutschland kamen. Berichten zufolge beziehen zahlreiche Bewohner ihre Informationen aus dem russischen Fernsehen und legen besonderen Wert auf bundespolitische Themen wie Wirtschaftslage, Migrationspolitik und innere Sicherheit.
Wahlergebnis mit klarer Tendenz
Im Wahllokal in der Alberta-Straße in Hügelsheim machten 320 von insgesamt 434 Wählern ihr Kreuz bei der AfD – das entspricht fast drei Viertel aller abgegebenen Stimmen. Die anderen Parteien blieben deutlich abgeschlagen: Die CDU erhielt lediglich 28 Stimmen, gefolgt von den Grünen mit 24, der Linken mit 16, der SPD mit 10 und der FDP mit nur 6 Stimmen.
Dieses Ergebnis ist kein Einzelfall in Baden-Württemberg. Auch im Wahllokal „Memminger Wanne“ in der Gemeinde Giengen an der Brenz im Wahlkreis Heidenheim wählten 68 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die AfD. Insgesamt erreichte die Partei in 13 Wahllokalen Ergebnisse von über 60 Prozent, wobei die Hälfte dieser Lokale in Pforzheim liegt.
Breite Verankerung im ganzen Land
Die AfD verbuchte in 38 Wahllokalen mindestens 50 Prozent der Stimmen und in 218 Wahllokalen immerhin noch mindestens 40 Prozent. Selbst bei 17 Briefwahlbezirken votierten über 30 Prozent der Wähler für die rechtspopulistische Partei. Diese Zahlen zeigen eine bemerkenswerte Verankerung der AfD in verschiedenen Regionen Baden-Württembergs.
Der Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen führt mit 27 Prozent AfD-Stimmen bei insgesamt 82.300 abgegebenen Zweitstimmen die Statistik an. Bei den Gemeindeergebnissen – inklusive aller Wahllokale und der Briefwahl – ist Reichenbach am Heuberg im Landkreis Tuttlingen mit 38 Prozent Spitzenreiter, gefolgt von Bubsheim mit 36 Prozent und Ruppertshofen mit 35 Prozent.
Städtische Gebiete ebenfalls betroffen
Insgesamt erreichte die AfD in 67 Gemeinden Baden-Württembergs über 30 Prozent der Stimmen. Dabei handelt es sich nicht nur um kleine ländliche Gemeinden, sondern auch um Kleinstädte wie Trossingen mit 18.000 Einwohnern und 33 Prozent AfD-Anteil oder Städte wie Eppingen mit 23.000 Einwohnern und 30 Prozent AfD-Stimmen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch der jüngste Skandal um Filz und Vetternwirtschaft innerhalb der Partei ihrem Wahlerfolg bisher nicht geschadet hat.
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigt somit deutlich, dass die AfD nicht nur in ostdeutschen Regionen, sondern auch im wirtschaftsstarken Südwesten Deutschlands eine zunehmend feste Verankerung in der Wählerschaft gefunden hat. Die hohen Ergebnisse in verschiedenen Gemeinden und Städten lassen auf eine breite Akzeptanz der Partei in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen schließen.



