Grünen-Sensation im Ländle: So lief Özdemirs irre Aufholjagd
Cem Özdemir (60, Grüne) legte im Wahlkampf ein atemberaubendes Tempo hin. Vor fünf Monaten lagen die Grünen in Umfragen fast aussichtslos hinter der CDU! 14 Punkte trennten beide Parteien im Oktober – in der Politik eine Marathonstrecke. Doch Cem Özdemir schaffte diesen Marathon: eine irre Aufholjagd des Grünen-Spitzenkandidaten.
Erfahrung als Trumpf
Özdemir wurde 1994 erstmals in den Bundestag gewählt, war Grünen-Chef und Bundesminister für Landwirtschaft. Er ist ein Politprofi. Entsprechend grenzte er sich im Wahlkampf weitestmöglich von seiner Bundespartei ab, machte sein Özdemir-Ding. Diese eigenständige Positionierung überzeugte viele Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg.
Alte Freunde und starkes Team
Özdemir setzte im Wahlkampf auf ein enges eingespieltes Team. Bester Schachzug: den in Baden-Württemberg sehr beliebten Ex-Grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (53) in den Wahlkampf einzubinden. Diese strategische Entscheidung stärkte die regionale Verankerung der Grünen und brachte zusätzliche Sympathien.
Glamour und positive Bilder
Özdemir heiratete mitten im Wahlkampf seine Lebensgefährtin, die Juristin Flavia Zaka (40). Ein Wohlfühl-Termin mit positiven Nachrichten und Bildern. Gut fürs Image. Entsprechend sauer waren politische Gegner über diese geschickte mediale Inszenierung, die Özdemirs persönliche Seite in den Vordergrund rückte.
Augenzwinkern und Social-Media-Strategie
Özdemir zapfte im Wahlkampf Bier. Daraus machte sein Social-Media-Team das „Özdebier“. Diese lockere, volksnahe Aktion sorgte für Aufmerksamkeit und zeigte Özdemir von einer ungezwungenen Seite, die bei vielen Bürgern gut ankam.
Umstrittene Wahlkampfmethoden
Der wohl umstrittenste Wahlkampf-Schlager kam von Özdemirs Parteifreundin Zoe Mayer (30). Sie kramte ein acht Jahre altes Video des CDU-Spitzenkandidaten Hagel (37) hervor, in dem er nach dem Besuch einer Realschule über das Aussehen einer Schülerin schwärmte. Özdemir betonte zwar, er habe damit nichts zu tun. Unglaubwürdig, laut Experten! Und die Grüne Jugend schlachtete das Video bis gestern massiv aus.
Diese kontroversen Methoden zeigen, wie hart umkämpft die Wahl in Baden-Württemberg war. Trotz aller Widrigkeiten gelang Özdemir mit seiner durchdachten Strategie das scheinbar Unmögliche: den Rückstand von 14 Punkten aufzuholen und die Grünen in eine starke Position zu bringen.



