Armin Mueller-Stahl: Goldenen Ochsen für Lebenswerk beim Filmkunstfest MV
Armin Mueller-Stahl erhält Goldenen Ochsen in Schwerin

Am Sonnabendabend war vieles anders beim 35. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Die Preisverleihung begann verspätet – und zunächst ohne den Hauptgeehrtes. Armin Mueller-Stahl, der für sein Lebenswerk mit dem „Goldenen Ochsen“ ausgezeichnet werden sollte, ließ sich Zeit. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) klärte die Verwirrung auf: Sie habe gemeinsam mit Kulturministerin Bettina Martin (SPD) und dem künstlerischen Leiter Volker Kufahl ein längeres Gespräch mit dem 95-Jährigen geführt. „Als Landesmutter habe ich ihm geraten, noch einmal durchzuatmen und später zu kommen“, sagte Schwesig.

Großer Applaus für den Jahrhundertkünstler

Der Moment, als Mueller-Stahl mit seiner Frau Gabriele den Saal betrat, war perfekt gewählt. Gerade wurde der Nachwuchspreis für die beste schauspielerische Leistung verkündet, da erhob sich das Publikum geschlossen und spendete tosenden Applaus. Es sollte nicht der letzte an diesem Abend sein.

Schwesig erinnert an Anfänge in MV

Ministerpräsidentin Schwesig würdigte in ihrer Rede die Karriere des Schauspielers: „Ihre Karriere begann in Mecklenburg-Vorpommern. Der erste Film, in dem Sie 1956 mitspielten, wurde am Strand von Ahrenshoop gedreht.“ Von dort führte der Weg über Theater und Film bis nach Hollywood. Mueller-Stahl ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Schriftsteller und Maler – seine Werke sind derzeit im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus zu sehen.

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Björn Engholm hält Laudatio

Die Laudatio hielt der ehemalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, Björn Engholm. Er erinnerte daran, dass Mueller-Stahl in den 1960er-Jahren in einem Lübecker Kino erstmals aufgefallen war – im DEFA-Film „Fünf Patronenhülsen“. „Fünf Jahre in Folge war er der beliebteste Schauspieler der DDR“, so Engholm. Der Bruch mit dem Regime begann, als er sich gegen die Politisierung der Serie „Das unsichtbare Visier“ wehrte und gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierte. „Mir war ein Knick in der Karriere lieber als ein Knick im Rückgrat“, zitierte Engholm den Geehrten unter starkem Beifall.

Engholm betonte die multiästhetische Begabung Mueller-Stahls: „Wenn ein Mensch sich verbal und nonverbal, in Wort und Text, in Mimik und Gestik, in Tönen und Bildern ausdrücken kann, verweist das auf eine außergewöhnliche Begabung.“ Er stellte ihn in eine Reihe mit Leonardo da Vinci, Goethe, Cocteau, Barlach und Grass.

Mueller-Stahl: „Preis kommt zur rechten Zeit“

Der Geehrte bedankte sich mit Humor: „Ich wusste gar nicht, dass ich so bin, wie du mich beschrieben hast, lieber Björn. Du hast immer gute Sachen über mich gesagt, und ich habe mich bemüht, so zu werden, wie du mich beschrieben hast.“ Er habe schon viele Auszeichnungen erhalten, „aber immer zu früh – ich war mit meinem Lebenswerk noch nicht fertig. Dieser Goldene Ochse hat ein großes Zeitgefühl, er kommt zur rechten Zeit.“ Im Dezember werde er 96 Jahre alt. „Dann sollte man mit dem Lebenswerk zum Ende kommen. Na ja, etwas habe ich noch vor und hoffe, dass ich das noch erledigen kann.“

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