Ataraxia Schwerin: Kulturschule feiert 35-jähriges Bestehen mit neuem Konzept
Ataraxia Schwerin: 35 Jahre und neues Konzept

Wenn in dem Haus am Südufer des Pfaffenteichs Trompeten erklingen, Kinder über eine Bühne wirbeln oder im Atelier an großen Leinwänden gearbeitet wird, geht es bei Ataraxia in Schwerin längst um mehr als nur Kunst. Die Kulturschule versteht sich heute als Ort der Begegnung – und genau das wollen die neuen Leiter Hans Jacob und Matthias Strauch künftig noch stärker ausbauen.

Kultur soll Menschen verbinden

Zum 35-jährigen Bestehen schlägt die traditionsreiche Einrichtung ein neues Kapitel auf: Aus der Musik- und Kunstschule ist die „Kulturschule Ataraxia“ geworden. Und hinter dem neuen Namen steckt viel mehr als nur ein frisches Schild. „Wir wollen Schwerin zusammenbringen“, sagt Hans Jacob. Seit diesem Jahr führt er gemeinsam mit Matthias Strauch die Schule. Nach mehreren Leitungswechseln in den vergangenen Jahren soll nun wieder für einen langen Zeitraum gedacht werden. „Wir hoffen, dass wir hier wieder längerfristig agieren und planen können“, sagt Matthias Strauch.

Mehr als nur Musik- und Kunstunterricht

Die Richtung ist klar: kulturelle Bildung nicht nur als Freizeitangebot, sondern als gesellschaftliche Aufgabe. Neben Musik, Tanz, Schauspiel und Kunst sollen künftig weitere Projekte entstehen – offen und nah an den Menschen. Die Ideen reichen von Werkstattangeboten bis hin zu Brettspielkursen an Schulen. Noch vieles davon ist Zukunftsmusik, doch die Grundidee steht bereits fest: Kultur soll verbinden. „Wenn man die Menschen einfach zusammenbringt, dann ist es irgendwann völlig egal, wo sie herkommen“, sagt Hans Jacob. Gerade in einer Stadt wie Schwerin, die Spitzenreiter der Segregation ist, könne das entscheidend sein. Kulturelle Bildung könne helfen, Vorurteile abzubauen. Und am Ende hätten die meisten Kinder und Jugendlichen doch irgendwo alle dieselben Probleme.

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Kultureller Zugang: Hürden abbauen, Talente entdecken

Wie das aussehen kann, erlebt die Schule bereits in ihren Kooperationen mit Kitas und Schulen. Dort geht es nicht nur darum, Talente zu entdecken, sondern Kindern überhaupt erst den Zugang zu kultureller Bildung zu eröffnen. Oft beginne die Arbeit schon bei ganz grundlegenden Dingen. Manche Familien wüssten gar nicht, wie eine Musikschule funktioniere oder dass Kinder nachmittags freiwillig Unterricht besuchen können, so Hans Jacob. Teilweise müssten Gespräche übersetzt werden, weil Eltern kaum Deutsch sprechen. Trotzdem lohne sich der Aufwand. Aus einem Schulprojekt mit 15 Kindern seien zuletzt vier dauerhaft an die Kulturschule gekommen. Die Einrichtung stößt also nicht an mangelndes Interesse – sondern eher an räumliche Grenzen. Rund 1600 Kinder und Jugendliche nehmen jährlich an Angeboten teil, viele Kurse haben Wartelisten. An die 70 Lehrkräfte arbeiten an den beiden Standorten im Haus in der Arsenalstraße und im Speicher.

Was Kinder fürs Leben lernen

Auch wenn es eine Schule für Musik und Kunst ist, gehe es in erster Linie aber nicht darum, möglichst viele Profimusiker oder Preisträger hervorzubringen. Viel wichtiger seien oft die Dinge, die nebenbei entstehen: Selbstbewusstsein, Teamgeist, Verlässlichkeit. „Wenn wir beispielsweise in der Brassband ein Stück spielen, bringt es nichts, wenn einer alleine gut ist“, sagt Hans Jacob, der auch der Leiter der bekannten Jugend-Brassband Potzblech ist. „Man schafft es nur gemeinsam.“ Auch Matthias Strauch erlebt immer wieder, wie prägend diese Zeit für viele junge Menschen wird. Erst kürzlich habe eine Mutter zum Abschied geschrieben, die musikalische Ausbildung ihrer Kinder sei weit mehr gewesen als Unterricht: Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und persönliche Entwicklung seien geblieben. „Das ist eigentlich das Schönste, was man hören kann“, so Matthias Strauch.

Großes Jubiläumsfest am Pfaffenteich

Dass die Schule heute so breit aufgestellt ist, zeigt sich auch beim Jubiläum am 6. Juni. Zwischen 11 und 17 Uhr verwandelt sich das Gelände am Pfaffenteich in eine große Bühne der kulturellen Bildung. Ensembles wie Potzblech, das Jugendsinfonieorchester, Big Bands und Rockbands treten auf, Instrumente können ausprobiert werden und Tanz- und Kunstangebote laden zum Mitmachen ein.

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