Demografischer Wandel bei Bayerns Sparkassen: Ruhestandswelle schafft Karrierechancen
Bayerns Sparkassen: Ruhestandswelle schafft Karrierechancen

Demografischer Wandel bei Bayerns Sparkassen: Ruhestandswelle schafft Karrierechancen

Die jahrelange Phase des Personalabbaus bei den bayerischen Sparkassen ist definitiv beendet. Nach einer langen Zeit der Stellenreduzierung suchen die kommunalen Regionalbanken im Freistaat nun wieder aktiv neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und das nicht nur für einfache Positionen, sondern insbesondere für Führungsaufgaben. Der Grund für diese Kehrtwende ist der demografische Wandel, der in den kommenden Jahren zu einer massiven Ruhestandswelle führen wird.

Hoher Anteil älterer Führungskräfte

Die Zahlen des Sparkassenverbands sind eindeutig: Aktuell sind 27 Prozent der gesamten Belegschaft und sogar 32 Prozent aller Führungskräfte in Bayerns Sparkassen über 55 Jahre alt. Diese Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren schrittweise aus dem Arbeitsleben ausscheiden und damit zahlreiche Positionen freimachen. „Wir bauen jetzt genügend Mitstreiter auf, weil wir wissen, dass wir in den nächsten Jahren durch die hohe Zahl an Renteneintritten zwangsläufig wieder schrumpfen“, erklärt Verbandspräsident Matthias Dießl die aktuelle Personalstrategie.

Die Gesamtbelegschaft der 55 Sparkassen in Bayern ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge leicht gestiegen und lag zum Stichtag 31. Dezember bei 34.039 Beschäftigten. Dies markiert einen deutlichen Wendepunkt gegenüber den Vorjahren, in denen – wie in der gesamten Bankenbranche – massiv Personal abgebaut wurde, vor allem aufgrund von Filialschließungen. Ende 2015 zählten die damals noch 71 Sparkassen im Freistaat knapp 42.500 Mitarbeiter, was etwa einem Fünftel mehr entspricht als heute.

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Riesenchancen für die Generation Z

Ein voraussichtlicher Effekt dieser Entwicklung: Die Generation Z dürfte wegen des hohen Anteils frei werdender Führungspositionen deutlich bessere Karrierechancen haben als frühere Generationen. Während die Babyboomer in den 1970er und 1980er Jahren auf einen von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Arbeitsmarkt drängten, sieht die Situation heute grundlegend anders aus. „Jetzt kommen Jahre mit Riesenchancen für alle, die bei uns Verantwortung übernehmen möchten“, betont Dießl die positiven Aussichten für den Sparkassen-Nachwuchs.

Solide Geschäftslage trotz Konjunkturflaute

Die Geschäftslage der kommunalen Geldinstitute bleibt erfreulich, auch wenn sich die schwache Konjunktur in den Bilanzen widerspiegelt. Nach vorläufigen Zahlen lagen die Nettogewinne bei 557 Millionen Euro – das sind über 100 Millionen mehr als im Jahr 2024. Die Haupteinnahmequelle der Sparkassen sind nach wie vor die Kreditzinsen. Die Gesamtsumme des an die Kundschaft verliehenen Gelds wuchs um 1,9 Prozent auf 175,1 Milliarden Euro, während die Darlehens-Neuvergabe sogar um über ein Fünftel zulegte.

Sowohl Unternehmen und Selbstständige (+17 Prozent) als auch Privatkunden (+26,2 Prozent) beantragten erheblich mehr Darlehen als im Vorjahr. Letztere liehen sich vor allem Immobilienkredite, von denen ein großer Teil jedoch nicht in den Neubau floss, sondern in den Kauf bestehender Häuser und Sanierungen.

Wachsendes Kundenvermögen und Risikovorsorge

Trotz der wirtschaftlichen Dauerkrise in Deutschland sind viele Sparkassenkunden wohlhabender geworden: Das Einlagevolumen – die Gesamtsumme des von den Kunden deponierten Gelds – wuchs um 6,2 Milliarden Euro beziehungsweise drei Prozent auf knapp 210 Milliarden Euro. Auch der Anstieg der Börsenkurse im vergangenen Jahr hatte eine erfreuliche Folge: Das Wertpapiergeschäft legte um knapp 19 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro zu.

Gleichzeitig erhöhten die Kommunalbanken ihre Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite auf 315 Millionen Euro. Der Sparkassenverband erwartet einen weiteren Anstieg im laufenden Jahr. Die Quote der von den Kunden wegen Zahlungsschwierigkeiten tatsächlich nicht mehr bedienter Kredite lag 2025 jedoch weiter unter zwei Prozent. „Es gibt keine Insolvenzwelle bei bayerischen Sparkassenkunden“, stellt Verbands-Vizechef Stefan Proßer klar.

Die demografische Entwicklung zwingt Bayerns Sparkassen zum Umdenken: Statt Stellenabbau steht nun die Nachwuchssuche im Fokus, um den bevorstehenden Generationenwechsel zu bewältigen und die Zukunft der kommunalen Banken zu sichern.

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