Brandenburg bleibt weiterhin ohne eigene Pharmazieausbildung
Die brandenburgische Landesregierung hat eine klare Absage an die Einrichtung eines Pharmaziestudiengangs an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTUCS) erteilt. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage des BSW-Landtagsabgeordneten Andreas Kutsche erklärte die Regierung, dass die haushälterischen Rahmenbedingungen und strukturellen Herausforderungen einen eigenständigen Studiengang derzeit nicht zulassen würden.
Politische Kritik an der Entscheidung
Der Fragesteller Andreas Kutsche bezeichnete die Entscheidung als kurzsichtig und wies darauf hin, dass Brandenburg damit das letzte Flächenland ohne eigene Ausbildungskapazitäten in der Pharmazie bleibe. Besonders kritisierte er das Verhalten der CDU, die im Wahlkampf noch für einen solchen Studiengang geworben habe und ihn nun kommentarlos fallen lasse. „Wer Fachkräfte nicht vor Ort ausbildet, verspielt sehenden Auges die Chance, sie langfristig zu binden“, so Kutsche. Angesichts des fortschreitenden Apothekensterbens handele es sich um ein politisches Versäumnis mit Ansage.
Apotheker warnen vor dramatischen Folgen
Die Sprecherin der Apothekerkammer Brandenburg, Ramona Reimann, äußerte deutliches Unverständnis über die Entscheidung der Landesregierung. „Ein eigener Pharmaziestudiengang ist kein optionales Projekt, sondern eine zwingende Voraussetzung, um den bereits heute spürbaren und sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel wirksam zu bekämpfen“, betonte Reimann. Die aktuelle Situation sei bereits äußerst kritisch:
- Rund 35 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker sind über 60 Jahre alt
- In etwa 120 von noch knapp 520 Apotheken arbeitet die Apothekenleitung als einzige approbierte Fachkraft
- Bis 2030 werden 338 Apothekerinnen und Apotheker das Rentenalter erreichen
- Im schlimmsten Fall könnten bis zu 700.000 Menschen ihre wohnortnahe Arzneimittelversorgung verlieren
Verbandssprecher fordert Landesverantwortung
Matthias Braband-Trabandt, Sprecher und stellvertretender Geschäftsführer des Brandenburger Apothekenverbands, zeigte sich verärgert über die Entscheidung. „Viele Apotheken im Land haben erhebliche Probleme, pharmazeutisches Personal für die Aufrechterhaltung des Apothekenbetriebes zu finden“, erklärte er. In einigen Fällen hätten Apotheken bereits schließen müssen, da sich weder Personal noch Nachfolger finden ließen. „Es ist eine Pflichtaufgabe des Landes Brandenburg, selbst für ausreichend qualifiziertes Personal zu sorgen“, forderte Braband-Trabandt.
Regierungsbegründung und politische Reaktionen
Die Landesregierung verwies in ihrer Antwort darauf, dass eine Auswertung der Stiftung für Hochschulzulassung ergeben habe, dass an verschiedenen Studienorten ungenutzte Studienplatzkapazitäten in der Pharmazie bestünden, auch an nahegelegenen Standorten in den östlichen Ländern. CDU-Fraktionschef Steeven Bretz kündigte an, trotz der Absage der Landesregierung am Thema dranzubleiben. „Wir haben diesen Studiengang gefordert und in den Koalitionsverhandlungen besprochen“, sagte Bretz. Allerdings müsse man zur Kenntnis nehmen, dass die finanziellen Aufwendungen für einen solchen Studiengang enorm seien, und man habe sich entschlossen, die Priorität auf die medizinische Versorgung zu legen. Das Thema Pharmazie wolle man jedoch weiter verfolgen.
Die Entscheidung der Landesregierung steht im Kontrast zu den dringenden Appellen aus der Apothekerschaft und von politischen Vertretern, die vor einem flächendeckenden Strukturbruch in der Arzneimittelversorgung warnen. Ohne entschlossenes Gegensteuern droht Brandenburg ein massiver Verlust an wohnortnaher Gesundheitsversorgung, der insbesondere ländliche Regionen hart treffen würde.



