FSME-Alarm in Bayern: Fast der gesamte Freistaat zum Risikogebiet erklärt
FSME: Fast ganz Bayern ist Risikogebiet

FSME-Alarm in Bayern: Fast der gesamte Freistaat zum Risikogebiet erklärt

Fast der gesamte Freistaat Bayern wurde vom Robert Koch-Institut (RKI) zum FSME-Risikogebiet erklärt. Aktuell sind 95 von insgesamt 96 Landkreisen und kreisfreien Städten in Bayern als Risikogebiete für die Hirnhautentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) eingestuft. Lediglich die Stadt Schweinfurt wurde nicht zum Risikogebiet erklärt. Damit ist nahezu der gesamte Freistaat von der durch Zecken übertragenen Viruserkrankung betroffen.

Besorgniserregende Fallzahlen in Süddeutschland

Jedes Jahr gibt das RKI auf Basis der FSME-Fälle vom Vorjahr die Einstufung als Risikogebiete bekannt. Wenn eine bestimmte Zahl von Erkrankungen bezogen auf die Bevölkerungszahl überschritten wird, wird das Gebiet zur Risikozone erklärt. Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention werden rund 85 Prozent der bundesweiten FSME-Fälle aus Bayern und Baden-Württemberg gemeldet.

Im Jahr 2024 waren 686 FSME-Erkrankungen in Deutschland gemeldet worden – die zweithöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Im vergangenen Jahr wurden in Bayern 282 FSME-Erkrankungen registriert, was zwar weniger als 2024 mit 312 Fällen ist, aber dennoch den zweithöchsten Wert seit Einführung der Meldepflicht darstellt.

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FSME-Impfung dringend empfohlen

FSME ist eine Viruserkrankung, die durch Zeckenbisse übertragen wird. Besonders bei Erwachsenen können schwere Verläufe bleibende neurologische Schäden wie Kopfschmerzen oder sogar Lähmungen verursachen. Etwa jede 100. Erkrankung führt laut RKI zum Tod. Bis zu 30 Prozent aller Infektionen sind mit Beschwerden verbunden.

Die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) warb erneut für die Schutzimpfung gegen FSME: "Das Virus kann schwere Entzündungen von Gehirn und Hirnhäuten verursachen. Um sich für die diesjährige Zeckensaison wirksam zu schützen, sollten ungeimpfte Personen jetzt mit der Impfserie beginnen."

Bereits jetzt sind die Zecken aufgrund der milden Temperaturen unterwegs. Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Impfungen innerhalb eines Jahres notwendig. Nach dreifacher Impfung spricht das RKI von einem vollständigen Impfschutz bei 99 Prozent der Geimpften.

Besorgniserregende Impfquoten in Bayern

"Die Impfquoten in Bayern sind insgesamt noch zu niedrig", warnte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach. "So besitzen nur rund ein Fünftel der Erwachsenen einen aktuellen FSME-Impfschutz." Bei den Kindern ergibt sich ein etwas besseres Bild: Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung zum Schuljahr 2023/24 wiesen 42 Prozent der bayerischen Einschulungskinder eine abgeschlossene Grundimmunisierung auf.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Personen, die in Risikogebieten mit Zecken in Kontakt kommen könnten – also insbesondere auch für Menschen im Freistaat. Die Impfung ist in Risikogebieten und für alle, die in Risikogebiete reisen, eine Kassenleistung.

Unterschied zu Borreliose

Zecken können neben dem FSME-Virus auch Bakterien übertragen, die Lyme-Borreliose verursachen. Diese Erkrankung tritt häufiger auf als FSME. Gegen Borreliose schützt keine Impfung; sie kann aber mit Antibiotika gut therapiert werden. Borreliose ist meist erkennbar an einer ringförmigen Rötung um die Zeckenstichstelle.

Im Jahr 2025 wurden, dem Bayerischen Gesundheitsministerium zufolge, rund 5.500 Fälle von Borreliose in Bayern gemeldet und damit deutlich mehr als 2024 mit knapp 4.100 Fällen. Anders als bei Borreliose, bei der es mehrere Stunden dauern kann, bis die Bakterien in die Blutbahn gelangen, kann FSME bereits beim Einstich übertragen werden.

Symptome und Verlauf von FSME

Nicht alle Erkrankungen mit FSME zeigen Symptome – laut dem Bayerischen Rundfunk verlaufen rund 70 Prozent der Infektionen symptomfrei. Bei einer Infektion mit Symptomen verläuft FSME oft in zwei Phasen:

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  • Ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich treten zunächst grippeähnliche Symptome auf
  • Dazu zählen Gliederschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen
  • Gelegentlich auch Magen- und Darmbeschwerden
  • Oftmals klingen Symptome erstmal ab, bevor sie nach einer Pause erneut zunehmen
  • Dann können hohes Fieber, Lichtempfindlichkeit, starke Kopfschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen auftreten

Je nachdem, welche Bereiche des zentralen Nervensystems das Virus befällt, unterscheiden sich die Symptome. Auch Hirnhautentzündungen oder Entzündungen des Hirn- oder Rückenmarkgewebes sind möglich. Ärzte können nur die Symptome der FSME behandeln, weshalb sie zur Vorbeugung durch Impfung raten.

Schutzmaßnahmen gegen Zecken

Um sich vor Zeckenbissen zu schützen, empfehlen Experten folgende Maßnahmen:

  1. Den Körper nach Aufenthalt in der Natur gründlich absuchen
  2. Zeckenabweisende Mittel nutzen
  3. Lange Ärmel und Hosen tragen
  4. Helle Kleidung und festes Schuhwerk bevorzugen
  5. Hosenbeine in die Schuhe stecken
  6. Auf festen Wegen bleiben
  7. Hohes Gras, Gebüsch und Unterholz meiden

Die häufigste Zecke in Deutschland ist der Gemeine Holzbock. Zecken sind ab 5 Grad Celsius aktiv und finden sich überall, wo es Pflanzen gibt – also auch in städtischen Gebieten. Erkrankte sind nicht ansteckend für andere Menschen.