Berlin: Gegner und Befürworter demonstrieren während Besuch von Syriens Übergangspräsident
Berlin: Demos bei Besuch von Syriens Übergangspräsident

Berlin im Ausnahmezustand: Syrischer Übergangspräsident löst kontroverse Proteste aus

Der Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in der deutschen Hauptstadt hat am Wochenende zu einem bemerkenswerten Sicherheitsaufgebot und kontroversen Demonstrationen geführt. Während al-Scharaa politische Gespräche auf höchster Ebene führte, gingen sowohl Gegner als auch Unterstützer des umstrittenen Politikers in verschiedenen Teilen Berlins auf die Straße.

Gespaltene Reaktionen in der Bevölkerung

Die Protestaktionen zeigten ein deutliches Bild der gespaltenen Meinungen zu dem syrischen Politiker. Am Großen Stern versammelten sich am Morgen lediglich ein halbes Dutzend Personen zu einer ersten Kundgebung gegen den Besuch. Deutlich sichtbarer war die Opposition vor dem Auswärtigen Amt, wo etwa fünfzehn Demonstranten ihre Ablehnung kundtaten. Sie warfen al-Scharaa insbesondere seine islamistische Vergangenheit und Gewalt gegen Minderheiten in Syrien vor.

Im Kontrast dazu zeigte sich auf dem Washington-Platz am Hauptbahnhof eine deutlich größere Unterstützung für den Übergangspräsidenten. Nach Polizeiangaben versammelten sich dort rund 150 Menschen, um ihre Solidarität mit al-Scharaa zu bekunden. Die unterschiedlich starken Teilnehmerzahlen bei den jeweiligen Kundgebungen verdeutlichen die komplexe öffentliche Wahrnehmung des syrischen Politikers.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Massive Sicherheitsvorkehrungen der Polizei

Die Berliner Polizei sicherte den Besuch mit einem außergewöhnlich großen Aufgebot ab, das zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führte. Am Schloss Bellevue, wo Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den syrischen Gast am Morgen empfing, war mindestens ein Scharfschütze postiert. Zahlreiche Straßenzüge im Regierungsviertel wurden vollständig gesperrt, was auf den Umleitungsstrecken zu langen Staus führte.

Die Verkehrseinschränkungen betrafen auch den öffentlichen Nahverkehr: Mehrere Buslinien mussten umgeleitet werden, was zusätzliche Unannehmlichkeiten für Pendler und Anwohner verursachte. Vor dem Bundeskanzleramt und dem Hotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz, wo al-Scharaa übernachtete, galten zeitlich begrenzte Versammlungsverbote und permanente Absperrungen.

Politische Gespräche auf höchster Ebene

Nach seinen Treffen mit Bundespräsident Steinmeier und Vertretern des Auswärtigen Amts wurde al-Scharaa im Bundeskanzleramt erwartet. Auf seinem offiziellen Programm stand dort ein Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz, das den Höhepunkt seines politischen Besuchs darstellte.

Der syrische Übergangspräsident führt die Islamistenmiliz HTS an, die Ende 2024 nach fast vierzehn Jahren Bürgerkrieg den langjährigen Machthaber Baschar al-Assad gestürzt hatte. Seit seiner Ernennung zum Übergangspräsidenten steuert al-Scharaa das Land in Richtung einer politischen Öffnung und Annäherung an westliche Staaten.

Al-Scharaa war bereits am Sonntag in Berlin eingetroffen. In sozialen Medien kursieren Videos, die zeigen sollen, wie er in seinem Hotel von syrischen Anhängern bejubelt wurde. Auch Aufnahmen der syrischen Nachrichtenagentur Sana dokumentieren seinen Empfang, bei dem ihm das Publikum enthusiastisch zujubelte.

Die unterschiedlichen Reaktionen auf seinen Besuch spiegeln die kontroverse Rolle wider, die al-Scharaa in der internationalen Politik einnimmt, während Deutschland versucht, diplomatische Beziehungen zu dem krisengeschüttelten Land neu zu gestalten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration