Berliner Grüne präsentieren Wahlprogramm: Mehr Klimaschutz, bezahlbare Mieten und Verkehrswende
Grüne Wahlprogramm: Berlin soll bunter, sicherer und bezahlbarer werden

Berliner Grüne präsentieren umfassendes Wahlprogramm für die Hauptstadt

Sieben Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 haben die Berliner Grünen ihr umfangreiches Wahlprogramm vorgestellt. Unter der Führung von Spitzenkandidat Werner Graf und Spitzenfrau Berttina Jarasch versammelten sich rund 180 Delegierte zu einem zweitägigen Parteitag, um den etwa 130 Seiten starken Programmentwurf endgültig zu beschließen. Dieser war in den vergangenen Monaten unter Beteiligung zahlreicher Parteimitglieder entstanden und hatte vor dem Parteitag bereits 1.200 Änderungsanträge ausgelöst, die intensiv diskutiert wurden.

Präambel: Gegen das Grauwerden Berlins

In der Präambel ihres Programmentwurfs kritisieren die Grünen deutlich die aktuelle Entwicklung der Hauptstadt: „Berlin wird gerade immer grauer, härter und dreckiger“. Diese negative Entwicklung führen sie auf die von ihnen so bezeichnete „Rückschrittskoalition“ aus CDU und SPD zurück. Seit 2023 in der Opposition, positionieren sich die Grünen als Alternative mit dem klaren Ziel: „Wir wollen es weiter schillernd, pulsierend, vielfältig und lebenswert in allen Bezirken“. Die Schwerpunkte liegen dabei auf mehr Klimaschutz, bezahlbaren Mieten und einer konsequenten Verkehrswende weg von fossilen Energien.

Wohnen: Bezahlbare Mieten und klare Vorgaben

Im Bereich Wohnen plant die Partei ein ambitioniertes „Bezahlbare-Mieten-Gesetz“. Dieses soll Vermietern mit mehr als 50 Wohnungen vorschreiben, einen bestimmten Anteil ihrer Immobilien zu sozialverträglichen Preisen anzubieten. Zusätzlich sollen diese Vermieter verpflichtet werden, regelmäßig Geld für Instandhaltungsmaßnahmen zurückzulegen und in die Gebäudesubstanz zu investieren. Die Grünen lehnen eine Randbebauung des Tempelhofer Felds entschieden ab und setzen stattdessen auf ein Förderprogramm zur Umnutzung von Büroflächen in dringend benötigte Wohnungen. Den erfolgreichen Volksentscheid von 2021 zur Enteignung großer Wohnungskonzerne wollen sie „weiter vorantreiben“, wobei die konkrete Umsetzungsgeschwindigkeit noch offen bleibt.

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Klimaschutz: Solarausbau und innovative Wärmenutzung

Beim Klimaschutz fordern die Grünen deutlich mehr Tempo. Ein verbindlicher Zeitplan für die konsequente Umsetzung der Solarpflicht auf öffentlichen Gebäuden steht ebenso auf der Agenda wie die verstärkte Nutzung von Abwärme aus Industrie, Gewerbe und Rechenzentren. Innovative Ansätze wie die Gewinnung von Wärme aus Abwasser, Flüssen und Geothermie sollen systematisch ausgebaut werden. Zur Verbesserung der Luftqualität planen die Grünen eine Partikelfilterpflicht für Holzheizungen und höhere Abgasstandards für Baumaschinen. Besonders kontrovers: Ein Verbot privaten Feuerwerks und ein ganzjähriges Verkaufsverbot für pyrotechnische Artikel sollen Mensch, Tier und Umwelt schützen. An Silvester sollen stattdessen zentral organisierte Lasershows für festliche Stimmung sorgen.

Verkehr: Sicherheit, Mobilität und Inklusion

Die Verkehrspolitik der Grünen setzt auf einen massiven Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) verbunden mit deutlich mehr Sicherheit für Fahrgäste. Konkret planen sie Abteile für FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen) in U-Bahnen als Schutz vor Übergriffen und Belästigungen. Die Präsenz von Sicherheitsteams aus Polizei und BVG-Mitarbeitenden soll ebenfalls ausgebaut werden. Ein neues „Klimaticket“ soll Berliner Schülern, Jugendlichen im Freiwilligendienst und einkommensschwachen Menschen mehr Mobilität ermöglichen. Dieses Ticket soll bundesweit gelten, für Schüler und junge Freiwillige kostenlos sein und für Sozialleistungsbeziehende nur 9 Euro monatlich kosten – eine deutliche Reduzierung gegenüber den aktuellen 27,50 Euro. Weitere Maßnahmen umfassen den Ausbau von Radwegen und längere Grünphasen an Ampeln für Fußgänger.

Das Wahlprogramm der Berliner Grünen zeigt deutlich: Die Partei will die Hauptstadt nicht nur ökologischer, sondern auch sozial gerechter und lebenswerter gestalten. Ob diese Visionen bei den Wählern Anklang finden, wird sich am 20. September 2026 zeigen.

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