Eine neue Revue in der Komischen Oper stellt die DDR als gemütliche und heitere Ära der deutschen Geschichte dar. Das war sie ganz sicher nicht, schreibt Gunnar Schupelius in seiner Kolumne.
Die geplante DDR-Revue
Am 14. Juni bringt die Komische Oper eine „DDR-Revue“ auf die Bühne mit dem Titel „Mokka-Hits und Milchbar-Träume“. Axel Ranisch, der Erfinder und Regisseur, hatte im Sommer 2024 mit „Messeschlager Gisela“ im Zelt der Komischen Oper vor dem Roten Rathaus großen Erfolg. Damals hätten er und sein Team „so viel Bock gekriegt auf Musiktheater der DDR“, dass sie dachten: „Wir legen noch ’ne Schippe drauf.“
Die Opernleitung beschreibt das Stück als „Soundtrack zu vier Dekaden DDR-Geschichte“, der „von den hoffnungsfrohen Anfängen über die politische Erstarrung bis in die Wendeeuphorie mit anschließendem bösem Erwachen führt“.
Scharfe Kritik an der Darstellung
Diese Formulierungen seien eine Schönfärberei an der Grenze zur Lüge, so Schupelius. In den „hoffnungsfrohen Anfängen“ der DDR seien freie Wahlen und eine freie Presse verboten gewesen. Die SPD wurde mit der KPD zwangsvereint, alle anderen Parteien gleichgeschaltet. Den Bauern nahm man ihr Land weg, Menschen mit abweichender Meinung wurden brutal verfolgt und sogar in den sowjetischen Gulag geschickt. Bis 1989 wurden unschuldige Bürger als politische Gegner inhaftiert oder an der Grenze erschossen.
Die Regie der DDR-Revue nenne dies „politische Erstarrung“. Und welches „böse Erwachen“ sei nach dem Mauerfall gemeint? Dass SED und Staatssicherheit ihre Macht verloren oder dass die sozialistische Planwirtschaft zusammenbrach, die zu dauerndem Warenmangel, Armut und einer beispiellosen Umweltzerstörung geführt hatte?
Axel Ranisch als bekennender Ostberliner
Axel Ranisch bezeichnet sich gerne als „bekennenden Ostberliner“. Das könne er tun. Er wurde aber erst 1983 in Lichtenberg geboren und kenne die Grausamkeit des Regimes gar nicht. Er sollte vorsichtig sein, wenn er eine vermeintlich heitere Zeit besingen wolle. Das war die DDR nicht.
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