Massive Proteste gegen AfD-Landesparteitag in Prenzlau: „Faschismus ist keine Meinung“
Proteste gegen AfD-Parteitag: „Faschismus ist keine Meinung“

Lautstarker Widerstand gegen AfD-Parteitag in der Uckermark

Mit einem massiven Polizeiaufgebot, Absperrzäunen und lautstarken Protesten startete Prenzlau ins Wochenende. Grund für die angespannte Atmosphäre war der Landesparteitag der AfD Brandenburg in der Uckerseehalle. Bereits am Samstagmorgen hatten sich etwa 80 überwiegend schwarz gekleidete Demonstranten vor der Veranstaltungshalle positioniert, um den Delegierten der Partei ihren Unmut deutlich zu machen.

„Buhhh für die blöde AfD“ – Scharfe Kritik von Aktivistin Nina

Die Protestierenden, die größtenteils mit dem Zug angereist waren, lieferten ein beeindruckendes Bild des Widerstands. Mit Trillerpfeifen, dröhnender Musik aus Lautsprecherboxen und provokativen Plakaten machten sie ihrer Ablehnung Luft. Sprecherin Nina, die sich als Veranstaltungsleiterin vorstellte, ergriff am Mikrofon das Wort und rief zunächst zu einem lauten „Buhhh für die blöde AfD“ auf. Im weiteren Verlauf ihrer emotionalen Rede forderte sie zum Kampf gegen Faschisten auf und erklärte unter lautem Applaus: „Wenn ich an die AfD denke, muss ich an Scheiße denken. In der Uckerseehalle sitzen Faschisten.“

Die junge Aktivistin zeigte sich zutiefst besorgt über die bundesweiten Wahlerfolge der AfD und betonte, dass es in der Uckermark glücklicherweise Antifaschisten, Sozialarbeiter und Punks gebe, die sich diesem Treiben entgegenstellten. „Eins muss klar sein: Wo die Rechten auftauchen, sind wir schon da. Denn Faschismus ist keine Meinung, sondern der Aufruf zu Gewalt, deshalb sollten alle ihre Stimme dagegen erheben“, appellierte sie an die Anwesenden.

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Polizei sichert Parteitag ab – Keine Übergriffe gemeldet

Während vor der Halle die Stimmung kochte, marschierten die AfD-Abgeordneten scheinbar unbeeindruckt von den lauten Zwischenrufen in die Uckerseehalle ein. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, um die Sicherheit zu gewährleisten. Es kam zu Umarmungen und Luftküssen unter den Parteimitgliedern, einige ließen sich vor der blau plakatierten Halle fotografieren. Trotz der angespannten Situation blieb es friedlich – zu Übergriffen kam es nicht.

Landtagsabgeordneter Felix Teichner, der für die AfD bei der anstehenden Landratswahl antritt, zeigte sich unbeeindruckt von den „Nazi“-Rufen und den jüngsten Vandalismusvorfällen, bei denen etliche AfD-Plakate zerstört wurden. Gegenüber dem Uckermark Kurier erklärte der 35-jährige Kommunalpolitiker: „Er ziehe sich diesen Schuh nicht an, denn ein Faschist bin ich mit Sicherheit nicht. Unsere Partei steht nicht für den Führerstaat, Angriffskrieg und Völkermord, sondern für Demokratie und eine funktionierende Gesellschaft.“

Verfassungsschutz stuft AfD als rechtsextrem ein – Partei wehrt sich

Die Kontroverse um die AfD wird durch die Einstufung des Verfassungsschutzes verschärft. Seit 2025 wird die AfD Brandenburg als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Allerdings dringt die Brandenburger AfD-Landtagsfraktion nach der jüngsten Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichts auf ein Ende dieser Einstufung. Das Gericht hatte im Eilverfahren entschieden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD vorerst nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen und beobachten darf. Eine endgültige Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.

Vielfältige Protestaktionen in ganz Prenzlau

Die antifaschistische Kundgebung vor der Uckerseehalle war nur eine von mehreren Protestaktionen in Prenzlau. Parallel zum Antifa-Aufmarsch fanden in der Stadt gleich mehrere „Veranstaltungen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ statt. Bis 15 Uhr forderten Aktivisten auf dem Parkplatz vor dem Gymnasium mit Musik- und Redebeiträgen eine „lebenswerte Uckermark für alle“. Nur wenige hundert Meter weiter versammelten sich auf dem Rathausvorplatz mehrere Parteien und Initiativen unter dem Slogan „Unsere Alternative heißt Solidarität“.

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Die zivilgesellschaftliche Initiative „Lebenswerte Uckermark für alle“, die sich 2026 gegründet hat, positioniert sich klar für eine demokratische Uckermark, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Vielfalt und Respekt. In einer vorab veröffentlichten Mitteilung betonten die Organisatoren: „Sie steht für Dialog und Beteiligung, für die Würde jedes Menschen und richtet sich nicht gegen einzelne Wählende oder die Nachbarschaft.“ Trotz des beeindruckenden Polizeiaufgebots blieb die Beteiligung aus der einheimischen Bevölkerung zunächst verhalten.

Viele Protestteilnehmer waren mit dem Zug angereist und marschierten dann vom Bahnhof zur Uckerseehalle. Bis zum Nachmittag gab es keine Vorkommnisse oder Übergriffe. Landtagsabgeordneter Teichner bestätigte gegenüber dem Nordkurier: „Mir ist nichts bekannt.“ Die Transparente und Banner der Demonstranten trugen klare Botschaften wie „Menschenrechte statt rechter Menschen“ und unterstreichen die tiefe gesellschaftliche Spaltung, die der AfD-Parteitag in Prenzlau offenbarte.