Rostocks Innenstadt verliert öffentliche Toiletten: Vertragsende führt zu Lücken
In der Rostocker Innenstadt wird es demnächst schwieriger, öffentliche Toiletten zu finden. Mehrere WC-Anlagen in zentralen Lagen werden abgebaut, nachdem ein langjähriger Stadtwerbevertrag aus den 1990er Jahren zum 1. April 2026 ausläuft. Die betroffenen Standorte fallen vorerst ersatzlos weg, was insbesondere für Touristen und Besucher der Innenstadt problematisch werden könnte.
Das Ende eines historischen Vertrags
Der nun auslaufende Stadtwerbevertrag wurde in den 1990er Jahren zwischen der Stadt Rostock und einem Werbeunternehmen geschlossen. Im Rahmen dieses Vertrags durfte das Unternehmen Werbeflächen wie Litfaßsäulen und City-Light-Poster aufstellen und vermarkten. Als Gegenleistung erhielt die Stadt finanzielle Mittel und bekam öffentliche Toiletten an strategischen Standorten.
„Wie weitere WC-Anlagen im Innenstadtbereich sind sie Teil des Stadtwerbevertrages aus den 90er Jahren, der zum 01.04.2026 ausläuft“, erklärte die Stadtverwaltung bereits im vergangenen Jahr. Mit dem Vertragsende entfällt auch die Möglichkeit für Werbeunternehmen, öffentliche Toiletten zu betreiben, da ein sogenanntes Kopplungsverbot gilt.
Fünf Standorte betroffen
Insgesamt sind fünf WC-Standorte von der Vertragsauflösung betroffen. Neben der behindertengerechten Toilette am Universitätsplatz, die bereits im Sommer 2025 nicht mehr nutzbar war, werden auch die Toiletten am Steintor und an der Marienkirche abgebaut. An letzterer findet sich eine kleine Plakette mit der Aufschrift JCDecaux, dem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Stadtmöblierung.
Die Firma Wall GmbH, die ursprünglich die Toiletten betrieb, gehört seit 2009 zu JCDecaux. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 950.000 Werbeflächen in 3.518 Städten weltweit und erreicht täglich etwa 850 Millionen Menschen.
Ersatzlose Lücken in der Innenstadt
„Die Toiletten an den Standorten, die bisher durch den Stadtwerbevertrag abgedeckt waren, werden vorerst ersatzlos entfallen“, bestätigt die Stadtverwaltung. Allerdings plant die Stadt, auf kurz oder lang Abhilfe zu schaffen. „In enger Abstimmung zu den Belangen zu beteiligender Ämter werden dort passende Ersatzneubauten geplant“, heißt es aus dem Rathaus.
Zwei bis drei der wegfallenden Standorte sollen ersetzt werden, und die Stadt erhofft sich von einem Projekt an der Nordkante des Neuen Marktes einen zusätzlichen Toilettenstandort. Bis diese Pläne umgesetzt sind, müssen sich Besucher der Innenstadt jedoch auf längere Wege einstellen.
Aktuelle Toilettensituation in Rostock
Derzeit gibt es im Rostocker Stadtgebiet 27 Toilettenstandorte, die durch das Amt für Umwelt- und Klimaschutz betreut werden. Allerdings sind einige davon nur saisonal in Betrieb, andere werden durch Miettoiletten abgedeckt. Zusätzlich stellen die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde sowie der Kommunale Eigenbetrieb jeweils eine WC-Anlage zur Verfügung.
Die kommunalen Toiletten und Einrichtungen der Tourismuszentrale können kostenfrei genutzt werden. Die Stadt verweist außerdem auf viele private Akteure wie Einkaufszentren, die mit WCs ausgestattet sind. Allerdings sind diese nicht immer leicht zu finden oder für jeden zugänglich.
Funktionierende Technik trotz Auslaufens
Interessanterweise funktionierte die Toilette am Universitätsplatz am vergangenen Samstag noch einwandfrei. Bei bestem Wetter und voller Stadt kostete ein WC-Gang 60 Eurocent für eine maximale Benutzungsdauer von 20 Minuten. Rückgeld gibt es dafür nicht, dafür wird nach jeder Benutzung automatisch die Toilettenschüssel gereinigt, desinfiziert und getrocknet. Auch der Boden wird laut Gebrauchsinformation automatisch gesäubert.
Diese technisch anspruchsvolle Ausstattung macht deutlich, welchen Standard die nun wegfallenden Toiletten boten. Ob die geplanten Ersatzneubauten ähnliche Qualität bieten werden, bleibt abzuwarten. Bis dahin heißt es für Rostocks Innenstadtbesucher: Planen Sie Ihren Toilettenbesuch sorgfältig.



