Rostocker Autor erlebt doppelten Erfolg mit Afghanistan-Buch
Der Rostocker Autor und Afghanistan-Veteran Wolf Gregis kann gleich zwei bedeutende Erfolge für sein Werk „Das Karfreitagsgefecht. Deutsche Soldaten im Feuer der Taliban“ verzeichnen. Nachdem das Buch im vergangenen Jahr Platz 5 der Spiegel-Bestseller-Liste erreichte und bereits über 15.000 Exemplare verkaufte, steht nun die Verfilmung des Stoffes bevor. Gleichzeitig bereitet sich die englische Übersetzung auf ihren Marktstart in den Vereinigten Staaten vor.
Deutsche Produktionsfirma sichert sich Filmrechte
Mehrere Filmproduzenten hatten in jüngster Zeit Interesse an einer Verfilmung des erfolgreichen Buches bekundet. Letztendlich konnte sich die deutsche Produktionsfirma Polle & Hofmann Pictures die wertvollen Filmrechte sichern. „In einem ersten Gespräch haben das Team um Produzenten Michael Polle und ich Zugänge, Ansätze und Perspektiven auf das Gefecht am 2. April 2010 besprochen“, erklärt der Rostocker Autor. Michael Polle war als Mitproduzent an der erfolgreichen deutschen Serie „Babylon Berlin“ beteiligt.
Gregis betont, dass es sich bei dem geplanten Projekt um einen richtigen Spielfilm handeln soll und nicht um eine Dokumentation. Der Film befinde sich allerdings noch in einer sehr frühen Phase. Sowohl der Drehbeginn als auch die konkrete Besetzung der Rollen stehen noch nicht fest.
Historisches Gefecht als Wendepunkt der Bundeswehr
Am Karfreitag, dem 2. April 2010, gerieten deutsche Soldaten in der Nähe von Kunduz in Afghanistan in einen schweren Hinterhalt. Über acht Stunden lang kämpften sie gegen eine deutliche Übermacht von Taliban-Kämpfern. Bei dem Gefecht verloren drei deutsche Soldaten ihr Leben, fünf wurden verwundet, und sechs verbündete afghanische Soldaten kamen ums Leben.
In seinem Buch hat Wolf Gregis die dramatischen Ereignisse minutiös rekonstruiert und mit einem Großteil der damals Beteiligten gesprochen. Sein Ziel war es, zu verhindern, dass diese einschneidenden Geschehnisse in Vergessenheit geraten. Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte in Potsdam, lobt Gregis als ersten Autor, der alle verfügbaren Quellen zu diesem Gefecht ausgewertet habe. „Ein wichtiges Buch“, urteilt der führende Militärhistoriker.
Film als Medium für Erinnerung und Aufarbeitung
Produzent Michael Polle unterstreicht die Bedeutung des Filmprojekts: „Wir finden es wichtig, darzustellen, was es heute heißt, in Deutschland Soldat zu sein. Das Karfreitagsgefecht war aus unserer Sicht dabei ein besonderer Wendepunkt in der Geschichte der Bundeswehr.“
Für Wolf Gregis selbst stellt der geplante Spielfilm ein wichtiges Medium dar, um das Thema, die Aufarbeitung, die Erinnerung und das Gedenken an das Geschehen in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. „Wichtig ist mir, dass es ein deutscher Film wird und kein amerikanischer, denn es betrifft uns als Deutsche - und wird uns auch in Zukunft betreffen“, betont der Autor mit Blick auf das von ihm benannte „Zeitalter der Zeitenwende“ und die angespannte sicherheitspolitische Lage. Er möchte dafür sensibilisieren, welche konkreten Auswirkungen politische Entscheidungen für den einzelnen Soldaten im Einsatz haben können.
Englische Ausgabe als transatlantisches Zeugnis
Parallel zur Filmproduktion erscheint „Das Karfreitagsgefecht“ noch in diesem Herbst in den Vereinigten Staaten. Die englische Übersetzung liegt bereits vor. Gregis weist darauf hin, dass amerikanische Hubschrauberpiloten während des Gefechts deutsche Verwundete aus der Kampfzone ausgeflogen hatten. „Deutsche und amerikanische Soldaten haben in Afghanistan zusammen gekämpft und geblutet“, sagt er. Für ihn ist die Veröffentlichung auf dem amerikanischen Markt ein „Zeugnis für die transatlantische Kameradschaft und Waffenbrüderschaft“.
Der Rostocker Autor sieht sich selbst als „Sprachrohr der Gefechtsbeteiligten“ und vermisst nach wie vor eine angemessene Betreuung, Fürsorge sowie gesellschaftliche Anerkennung für die Afghanistan-Veteranen. Sein Buch, das ursprünglich nicht mit der Absicht geschrieben wurde, verfilmt zu werden, folgt in seiner Schilderung dennoch dramaturgischen Grundsätzen, die eine filmische Umsetzung begünstigen. Die vierte Auflage des Buches steht bereits in den Startlöchern.



