Rostocks Oberbürgermeisterin boykottiert Business-Veranstaltung wegen AfD-Spenden
Die Rostocker Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) hat ihre Teilnahme am „Rostock Business Club“ am Donnerstagabend, dem 5. März 2026, abgesagt. Grund dafür ist die Einladung des Unternehmers Kurt Krieger als Vortragsredner, der im Jahr 2024 insgesamt 18.000 Euro an die AfD in Chemnitz gespendet hat. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr im Hotel Neptun statt und wird vom Wirtschaftsnetzwerk „Region Rostock“ organisiert, das bereits seine 71. Zusammenkunft abhält.
Kritik an fehlender Distanzierung von der AfD
„Seine politische Haltung ist keineswegs rechtsextrem, aber wer 2024 mit viel Geld die AfD in Sachsen unterstützt hat, sollte spätestens heute eine klare Distanzierung vornehmen“, erklärt Kröger gegenüber dem Nordkurier. Sie betont, dass sich Personen, die sich politisch neutral nennen, „gründlich prüfen müssen, wem genau sie Geld für dessen politische Arbeit spenden“. Diese Position wird durch ein Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts von 2025 gestützt, das bestätigte, dass der Landesverfassungsschutz die AfD Sachsen als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ einstufen darf.
Scharfe Reaktionen der AfD und wirtschaftliche Hintergründe
Die AfD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern übt scharfe Kritik an der Entscheidung der Oberbürgermeisterin. Michael Meister, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, wirft Kröger vor, sich im „arbeitsmarktpolitischen Blindflug“ zu befinden. Er argumentiert, dass es in einer Zeit größter haushalterischer Not – der Haushalt der Hansestadt weist für dieses Jahr ein Loch von 58 Millionen Euro auf – kontraproduktiv sei, einen Arbeitgeber vor den Kopf zu stoßen und mit „Haltung“ zu argumentieren. Dies zeuge von einer „mangelnden ökonomischen Sensibilität, wie sie nur Linke haben können“.
Hintergrund dieser Kontroverse sind mehrere wirtschaftliche Entwicklungen in Rostock:
- Die Krieger-Gruppe plant in Rostock-Schutow den Bau einer Möbel-Höffner-Filiale, was potenziell neue Arbeitsplätze schaffen könnte.
- Gleichzeitig sind in der Stadt mehrere hundert Beschäftigte vom Abbau des IKEA-Call-Centers betroffen, wobei 279 Jobs wackeln und erste Gespräche zum Sozialplan laufen.
Meister fordert Kröger auf, ihre „parteiideologisch motivierte Blockadehaltung“ aufzugeben und das Gespräch mit der Krieger-Gruppe zu suchen. „Rostock braucht Investitionen und Arbeitsplätze, aber keine Oberbürgermeisterin, die wirtschaftliche Chancen aus politischem Kalkül zerstört“, so sein Appell.
Pressevertreter werden ein- und wieder ausgeladen
Ein weiterer umstrittener Aspekt der Veranstaltung betrifft die Medienberichterstattung. Pressevertretern wurde zunächst eine Teilnahme als Berichterstatter zugesagt, dann aber auf Wunsch der Krieger-Gruppe wieder entzogen. Der Ablauf des Abends sieht laut Wirtschaftsnetzwerk folgende Punkte vor:
- Begrüßung der eingeladenen Unternehmer durch Christian Weiß, Geschäftsführer von Rostock Business, als Gastgeber.
- Ansprache des Wirtschaftsministers Wolfgang Blank (parteilos) an die Gäste.
- Vortrag des Unternehmensinhabers Kurt Krieger.
- Fragemöglichkeit der Unternehmer an die Vortragenden, wie bei dieser Veranstaltung üblich.
- Eröffnung des Buffets und bilateraler Austausch der Anwesenden untereinander.
Diese Vorgehensweise unterstreicht die angespannte Atmosphäre rund um das Treffen, das eigentlich dem wirtschaftlichen Dialog dienen sollte, nun aber von politischen und medialen Kontroversen überschattet wird.



