SPD-Kandidatin in Berlin-Mitte unter Druck: Partei fordert Rücktritt trotz ärztlichem Attest
Die Berliner SPD steht wenige Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus vor einem ernsten Personalproblem. Uta Francisco dos Santos, die als Spitzenkandidatin für das Amt der Bezirksbürgermeisterin im Bezirk Mitte antreten sollte, wird vom eigenen Kreisverband zum Rückzug gedrängt. Der Grund: Die Kandidatin war seit dem Sommer 2024 überwiegend krankgeschrieben, trat aber dennoch im Vorwahlkampf öffentlich in Erscheinung.
Transparenzprobleme und interne Kritik
Laut Berichten des Tagesspiegel haben sich bei der SPD durch die Medienberichte "schwerwiegende Fragen" ergeben. Die Kreisvorsitzenden Annika Klose und Yannik Haan erklärten, ein weiteres Festhalten an der Kandidatur sei derzeit nicht verantwortbar. Francisco dos Santos sei nicht transparent mit ihrer beruflichen Situation umgegangen, während sie gleichzeitig ihren Wahlkampf auf Instagram dokumentierte.
Die Kandidatin war bei der Senatsfinanzverwaltung beschäftigt und dort seit längerer Zeit krankgeschrieben. Dennoch ließ sie sich am 20. November 2025 auf Platz eins der SPD-Liste für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung in Mitte setzen, was sie automatisch zur Bürgermeisterkandidatin machte.
Ärztliches Attest gegen politischen Druck
Francisco dos Santos will laut Informationen des Tagesspiegel an ihrer Kandidatur festhalten. Über ihren Anwalt ließ sie am Donnerstag mitteilen, dass ein ärztliches Attest bescheinige, ihr ehrenamtliches Engagement – einschließlich der Kandidatur – behindere den Genesungsprozess nicht.
Doch der Druck auf die Kandidatin wächst. Selbst der SPD-Spitzenkandidat für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, Steffen Krach, positioniert sich deutlich: "Ich bin mit dem geschäftsführenden Kreisvorstand einer Meinung, dass Uta Francisco dos Santos nicht mehr für das Amt der Bezirksbürgermeisterin kandidieren kann."
Zeitdruck vor der Wahl
Krach, der die SPD bei der Wahl am 20. September zurück ins Rote Rathaus führen soll, betonte: "Die Aufstellung einer neuen Kandidatur muss nun zügig geklärt werden." Die Situation entwickelt sich für die Sozialdemokraten zur Belastung im ohnehin schon angespannten Berliner Wahlkampf.
Die Personalie Francisco dos Santos wirft grundsätzliche Fragen auf:
- Wie transparent müssen Kandidaten mit ihrer Gesundheit umgehen?
- Ab wann wird eine Krankschreibung zum Hindernis für politische Ämter?
- Welche Verantwortung trägt die Partei bei der Auswahl ihrer Kandidaten?
Der Kreisverband Mitte der SPD muss nun schnell eine Lösung finden, um den Wahlkampf für das wichtige Bezirksamt nicht weiter zu gefährden. Die Entscheidung über die Zukunft der Kandidatur wird in den kommenden Tagen erwartet.



