Rostocker Stiftung bewahrt 578 maritime Kunstwerke der ehemaligen DDR-Reederei DSR
Stiftung bewahrt 578 maritime Kunstwerke der DDR-Reederei DSR

Maritime Kunstsammlung der DDR-Reederei bleibt in Rostock lebendig

Die Deutsche Seereederei (DSR) existiert als Schifffahrtsunternehmen zwar nicht mehr, doch ihre künstlerische Hinterlassenschaft wird in Rostock sorgfältig bewahrt. Eine spezielle Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die umfangreiche Sammlung mit insgesamt 578 Exponaten zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Werke sind an verschiedenen Standorten in der Hansestadt präsent, darunter im Haus der Schifffahrt in den Räumlichkeiten der Reederei F. Laeisz, bei Nachfolgeunternehmen wie Aida und Arosa, im traditionsreichen Hotel Neptun, bei der Industrie- und Handelskammer Rostock sowie in der Seemannsmission.

Auftragskunst aus der DDR-Schifffahrt: Ein einzigartiger kultureller Schatz

Den Kern der Sammlung bilden sogenannte Kapitänsbilder, die einstige DSR-Schiffe in eindrucksvollen Ansichten zeigen, sowie Porträts bedeutender Persönlichkeiten aus der Seewirtschaft. Ergänzt wird dieser Bestand durch etwa 47 detailgetreue Schiffsmodelle. Es handelt sich dabei überwiegend um Auftragskunst, die aus vertraglichen Vereinbarungen zwischen dem damaligen Kombinat Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft und dem Verband Bildender Künstler hervorging. Insgesamt 70 Künstler, darunter namhafte Maler wie Karl-Heinz Kuhn, Tom Beyer, Rudolf Austen und Helmut Maletzke, nutzten diese Möglichkeit für ihren künstlerischen Schaffensprozess. Einige von ihnen begaben sich sogar selbst auf große Fahrt mit DSR-Frachtern, um authentische Eindrücke für ihre Werke zu sammeln.

So entstand im Laufe der Jahre ein bemerkenswerter künstlerischer Fundus, der bei der Privatisierung der DSR durch die Treuhandanstalt im Jahr 1993 zunächst ungewiss war. Dass diese wertvolle Sammlung nicht verloren ging, ist nicht zuletzt dem Engagement der damaligen Arbeitnehmervertretung zu verdanken, wie Peter Geitmann, ehemaliger Seebetriebsrat der DSR, betont. In einer Zeit, als die Reederei massive personelle und strukturelle Einschnitte hinnehmen musste, war die Rettung der Kunstwerke sicherlich nicht die vordringlichste Aufgabe, doch sie gelang.

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Stiftung sichert den Erhalt und die öffentliche Präsentation

Die Kunstwerke wurden tatsächlich nicht vergessen. Bereits ein Jahr nach der Übernahme der DSR gründeten die neuen Eigner Rahe und Schües eine Stiftung speziell für die Sammlung der DSR, die bis heute fortbesteht. Vor zwanzig Jahren wurde lediglich der Stiftungsname um den der Reederei F. Laeisz ergänzt. Der Zweck der Stiftung war und ist es, die Sammlung nicht nur zu bewahren, sondern sie auch öffentlich sichtbar zu machen. So fanden bereits mehrere Ausstellungen statt, und bis zum vergangenen Jahr waren allein 60 bis 70 Exponate in der mittlerweile geschlossenen Societät zu bewundern. Zudem werden Kunstwerke gegen eine vertraglich geregelte Leihgebühr an interessierte Institutionen verliehen.

Mit den daraus erzielten Erträgen werden notwendige Ausgaben gedeckt, erläutert Volker Redersborg, Geschäftsführer bei Laeisz. Dazu zählen Versicherungskosten, Restaurierungsarbeiten und die Anfertigung angemessener Rahmungen. Redersborg gehört ebenso wie der Gewerkschafter Peter Geitmann dem paritätisch besetzten Stiftungsvorstand an, während die frühere Laeisz-Mitarbeiterin Gudrun Menkhaus koordinierende Aufgaben übernimmt. In dem Band „Kunst im Auftrag“, der in der Schriftenreihe des Schifffahrtsmuseums erschienen ist, hat der Experte Dr. Wolf Karge nicht nur die Geschichte der Sammlung detailliert dargestellt, sondern auch eine vollständige Bestandsliste der Exponate nach Künstlernamen von A wie Arnold bis Z wie Zimmermann zusammengestellt. Diese beachtenswerte Sammlung wurde zudem durch die Stiftungsgründer mit Werken aus ihren privaten Sammlungen weiter bereichert.

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