Prozess zu Autobränden vor Berliner Gefängnissen: Clan-Mitglied gesteht Anstiftung
Autobrände vor Gefängnissen: Clan-Mitglied gesteht Anstiftung

Prozess zu Autobränden vor Berliner Gefängnissen: Clan-Mitglied gesteht Anstiftung

Vor dem Berliner Landgericht hat ein aufsehenerregender Prozess zu Brandanschlägen auf Fahrzeuge von Vollzugsbeamten begonnen. Ein 28-jähriger Angeklagter aus einer bekannten arabischen Großfamilie gestand die Anstiftung zu zwei Taten, die sich im Jahr 2024 im Umfeld von Berliner Gefängnissen ereigneten. Insgesamt stehen vier Männer vor Gericht, von denen drei Brüder sein sollen.

Geständnisse und Motive der Angeklagten

Der 28-Jährige, der damals eine mehrjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßte, gab über seinen Verteidiger zu, als Häftling zu zwei Brandanschlägen angestiftet zu haben. Sein Motiv: Er habe sich am Tag zuvor von einem Vollzugsbeamten provoziert gefühlt, nachdem dieser ihm ein Handy weggenommen hatte. Sein 23-jähriger Bruder gestand die Beteiligung an einer Autobrandstiftung mit neun beschädigten Fahrzeugen, die auf Weisung des älteren Bruders erfolgt sei. Ein weiterer 23-Jähriger räumte zwei Taten ein, während der vierte Angeklagte zu Prozessbeginn schwieg.

Details zu den Brandanschlägen

Die Anklage umfasst vier Anschläge zwischen März und Juni 2024 in Berlin und im brandenburgischen Großbeeren. Insgesamt wurden 21 Autos und zwei Motorräder beschädigt. Die ersten beiden Taten am 16. März und 23. April 2024 richteten sich gezielt gegen Fahrzeuge von Mitarbeitern des Gefängnisses Heidering. Weitere Brände ereigneten sich im Juni 2024 in der Nähe der Haftanstalten in Moabit und Spandau. In einem dieser Fälle ist ein 24-Jähriger aus derselben Großfamilie mitangeklagt, dem vorgeworfen wird, einen Anschlag entweder angestiftet oder davon gewusst zu haben, ohne ihn rechtzeitig anzuzeigen.

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Wiedergutmachung und Prozessverlauf

Der 28-jährige Hauptangeklagte hat laut seinem Verteidiger angeboten, im Rahmen einer möglichen Verständigung 50.000 Euro zur Wiedergutmachung des Schadens zu zahlen. Alle vier Angeklagten befinden sich derzeit in Haft. Für den Prozess sind bis zum 30. April sieben weitere Verhandlungstage angesetzt. Im Zuge der Ermittlungen gab es im Dezember 2024 eine großangelegte Razzia in Berlin, bei der mehr als 140 Polizisten Wohnungen durchsuchten. Auch in den Gefängnissen, in denen die Männer einsitzen, fanden solche Einsätze statt.

Reaktionen und Kritik

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte mit Blick auf den Prozess, dass bestimmte Großfamilien die rechtsstaatlichen Grundsätze in großen Teilen ablehnen würden. Es brauche klare Signale des Rechtsstaates, um die Täter zu resozialisieren. Gleichzeitig ist der Begriff Clankriminalität umstritten, da Kritiker bemängeln, dass er Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiere und diskriminiere. Der Prozess wirft somit nicht nur Fragen zur Sicherheit von Vollzugsbeamten, sondern auch zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von Kriminalität auf.

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