Debatte um Berliner Bäderpreise: Senatorin kündigt Prüfung der Mehrfachkarten an
Die Preise für Berlins Schwimmbäder bleiben ein kontrovers diskutiertes Thema in der Hauptstadt. Besonders die Abschaffung der beliebten Mehrfachkarten hat bei vielen Berlinerinnen und Berlinern für Unmut gesorgt. Sportsenatorin Iris Spranger hat nun signalisiert, dass sie das Thema erneut aufgreifen will.
Wegfall der Mehrfachkarten sorgt für Empörung
Die Berliner Bäderbetriebe hatten in den vergangenen Jahren eine praktische Mehrfachkarte im Angebot, mit der 20 Eintritte in Freibäder zuletzt für 80 Euro erworben werden konnten. Diese Möglichkeit wurde für die aktuelle Saison gestrichen, was bei regelmäßigen Badegästen auf wenig Verständnis stößt. Die Mehrfachkarten boten nicht nur einen finanziellen Vorteil, sondern ermöglichten auch einen schnelleren Zugang ohne Wartezeit an der Kasse.
Grünen-Abgeordnete Antje Kapek berichtete im Abgeordnetenhaus von einer ungewöhnlich starken öffentlichen Reaktion: „Ich habe selten zu einem Thema so viel Wut in der Bevölkerung zu spüren bekommen wie zu diesem.“
Neue digitale Abo-Modelle mit weniger Ermäßigungen
Als Ersatz für die Mehrfachkarten haben die Bäderbetriebe digitale Abonnement-Modelle eingeführt. Diese bieten zwar ähnliche Vorteile wie der vorherige Wegfall der Kassenschlangen, jedoch mit geringeren Preisnachlässen. Aktuell werden zwei Hauptoptionen beworben:
- Ein Monatsabo für 38 Euro, das unbegrenzte Besuche in Hallen- und Freibädern ermöglicht
- Der sogenannte Abo-Basis-Tarif für 30 Euro monatlich, der zwei Bäderbesuche pro Woche erlaubt
Für Einzelbesuche müssen Badegäste deutlich höhere Beträge zahlen: Ein Tagesticket für ein Freibad kostet je nach Kategorie zwischen 6 und 7 Euro, während im Hallenbad bereits für 90 Minuten bis zu 6 Euro fällig werden. Die Bäderbetriebe bewerben ihre aktuellen Tarife unter dem Motto „transparent und fair“.
Senatorin Spranger zeigt Verständnis und kündigt Prüfung an
Iris Spranger, die bei den landeseigenen Bäderbetrieben den Aufsichtsratsvorsitz innehat, äußerte im Landesparlament Verständnis für die Kritik: „Die Wirtschaftlichkeit gerade für Menschen, die wenig Geld haben, ist nicht ganz nachzuweisen, das sehe ich genauso wie Sie.“ Die SPD-Politikerin kündigte an, sich für eine erneute Diskussion über die Mehrfachkarten einzusetzen.
„Wir werden uns das im Aufsichtsrat nochmal sehr genau anschauen“, versprach Spranger. Bereits am kommenden Freitag soll das Thema sowohl im Sportausschuss als auch im Unterausschuss Beteiligungen behandelt werden.
Hintergrund: Keine Preiserhöhungen in zehn Jahren
Die Bäderbetriebe begründen ihre Entscheidung mit der Tatsache, dass die Eintrittspreise in den letzten zehn Jahren nicht erhöht wurden, während die Betriebskosten kontinuierlich gestiegen sind. Senatorin Spranger bestätigte diese Argumentation im Abgeordnetenhaus, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit, soziale Aspekte stärker zu berücksichtigen.
Die Senatorin verwies auf die zahlreichen Anfragen, die sie als Aufsichtsratsvorsitzende erhalten habe: „Nicht nur Sie haben entsprechende Anfragen bekommen, auch ich selbstverständlich als Aufsichtsratsvorsitzende. Und deshalb werde ich mir das nochmal anschauen.“ Damit signalisiert sie, dass die Diskussion um bezahlbare Schwimmbad-Besuche in Berlin noch nicht abgeschlossen ist.



