Brandenburg erweitert Kulturerbe-Verzeichnis: Quempas-Singen und Karneval aufgenommen
Brandenburg nimmt Quempas-Singen ins Kulturerbe auf

Brandenburg würdigt lebendige Traditionen als immaterielles Kulturerbe

Das Land Brandenburg hat zwei bedeutende kulturelle Traditionen in sein Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Der ostdeutsche Karneval sowie die Luckauer Christmette mit dem traditionellen Quempas-Singen wurden offiziell als schützenswertes Kulturgut anerkannt. Dies teilte das Potsdamer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur am Dienstag mit. Damit umfasst das Brandenburger Landesverzeichnis nun insgesamt elf Einträge, während das bundesweite Verzeichnis 168 Kulturformen führt, darunter acht aus Brandenburg.

Ministerin betont kulturelle Vielfalt

„Unser Land ist eben nicht nur reich an Kiefern und Sand, sondern auch an kulturellem Erbe“, erklärte Ministerin Manja Schüle. „Das vielfältige immaterielle Kulturerbe ist Ausdruck von Kreativität, sichert Traditionen, bringt Menschen zusammen und schafft Gemeinschaft. Ich freue mich sehr, dass das Landesverzeichnis nun um zwei Einträge reicher ist.“ Die UNESCO führt seit 2003 weltweite, nationale und landesweite Verzeichnisse des immateriellen Kulturerbes, die aktuell 716 Kulturformen aus 152 Ländern umfassen, darunter neun aus Deutschland.

Luckauer Christmette mit besonderer Bedeutung

Die Bewerbung für die Aufnahme der „Luckauer Christmette mit traditionellem Quempas-Singen“ wurde vom Luckauer Heimatverein e.V. gemeinsam mit der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Luckau eingereicht. Der Festgottesdienst findet in den frühen Morgenstunden des 25. Dezember in der St.-Nikolai-Kirche statt und ist mit der seit Jahrhunderten gespielten besonderen Luckauer Festmusik sowie dem gemeinsamen Quempas-Singen von großer identitätsstiftender Bedeutung für die Stadtgesellschaft. Dabei wird die Gemeinde in vier Chöre aufgeteilt, die sich gegenüberstehen. Jede Strophe wird von einem anderen Chor angestimmt, bevor alle gemeinsam den Refrain singen.

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Perleberg geht bei Eintragung leer aus

Doch während Luckau erfolgreich war, bleibt die Stadt Perleberg vorerst unberücksichtigt, obwohl dort dieselbe Tradition seit vielen hundert Jahren gepflegt wird. „Ich begrüße es, dass das Quempas-Singen Aufnahme in das Brandenburger Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes gefunden hat“, sagt Perlebergs Bürgermeister Axel Schmidt (parteilos). „Doch auch die Perleberger Tradition habe es verdient, in das Brandenburger Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen zu werden.“ Pfarrerin Verena Mittermaier von der Gesamtkirchengemeinde Perleberg-Land sprach sich ebenfalls für eine Aufnahme aus.

Nachträgliche Erweiterung möglich

Laut einer Sprecherin des Ministeriums, Julia Schell, erfolgt die Eintragung in das UNESCO-Verzeichnis ausschließlich auf Initiativbewerbung durch zivilgesellschaftliche Akteure wie Gruppen, Gemeinschaften oder Einzelpersonen. Die UNESCO bewertet nur eingegangene Bewerbungen und unternimmt keine proaktiven Eintragungen. „In diesem Fall hatten sich nur die Luckauer beworben – die Perleberger nicht“, erklärte Schell. Gemeinschaftliche Bewerbungen gleicher Traditionen würden jedoch sowohl seitens der UNESCO als auch des Ministeriums sehr begrüßt. Erweiterungen bestehender Eintragungen seien jederzeit möglich, wenn sich eine Träger-Organisation aus Perleberg proaktiv an die bereits eingetragenen Luckauer wende und gemeinsam eine Erweiterung beantrage.

Sofern die UNESCO-Kriterien erfüllt sind, könnte die Eintragung somit um die Perleberger Christmette mit Quempas-Singen erweitert werden. Dies unterstreicht die Bedeutung aktiver Bürgerbeteiligung für den Erhalt und die Anerkennung kultureller Traditionen in Brandenburg.

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