Brandenburgs neue Ära: SPD und CDU besiegeln Koalitionsvertrag für dreieinhalb Jahre
Brandenburg: SPD und CDU besiegeln Koalitionsvertrag

Brandenburgs neue Regierung: Rot-Schwarz startet mit klarem Mandat

In Brandenburg ist der Weg für die neue Koalitionsregierung aus SPD und CDU endgültig frei. Nach dem Bruch der bundesweit einzigen SPD/BSW-Koalition vor gut zwei Monaten haben beide Parteien die letzten internen Hürden genommen und bereiten nun den Regierungsstart vor. Am Montag werden Ministerpräsident Dietmar Woidke und CDU-Landeschef Jan Redmann den Koalitionsvertrag offiziell unterzeichnen.

Überwältigende Zustimmung in beiden Parteien

Die SPD stimmte bei einem Landesparteitag in Potsdam mit beeindruckender Mehrheit für das Bündnis: 96 Prozent der Delegierten votierten in offener Abstimmung für die Koalition. Bei 121 Ja-Stimmen gab es lediglich eine Nein-Stimme und vier Enthaltungen. Auch die CDU-Mitglieder sprachen sich in einer umfangreichen Befragung deutlich aus: Rund 83 Prozent der teilnehmenden Mitglieder stimmten für den Vertrag. Von etwa 5.000 CDU-Mitgliedern beteiligten sich 1.618 an der Befragung.

Woidke verspricht Sicherheit in unsicheren Zeiten

Ministerpräsident Dietmar Woidke warb auf dem SPD-Parteitag leidenschaftlich für die neue Koalition. „Der Koalitionsvertrag hat eine sehr klare Linie“, betonte er. „Sicherheit und Stabilität für Brandenburg in einer Zeit, in der sich die Welt immer schneller zu drehen scheint, und immer häufiger leider in die falsche Richtung.“ Das Bündnis will bis zur nächsten Landtagswahl 2029 – also dreieinhalb Jahre – gemeinsam regieren, mit Woidke weiterhin an der Spitze.

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Rot-Schwarz verspricht, das Ohr näher am Bürger zu haben. „Wir haben die Sorgen und Nöte der Menschen im Blick, und wir schaffen Lösungen“, sagte Woidke. Allerdings machte er aufgrund der angespannten Haushaltslage deutlich, dass es „kein großes Feuerwerk an neuen, teuren Versprechungen“ geben werde. Die SPD-Jugendorganisation Jusos zeigte sich kritisch und vermisst konkrete Projekte für junge Menschen.

Rasche Regierungsbildung mit Überraschungen

Bereits am Mittwoch soll die neue Landesregierung mit der Arbeit beginnen, wenn die Minister im Potsdamer Landtag vereidigt werden. Woidke bleibt im Amt, da er bereits gewählt ist. Am Donnerstag will er eine umfassende Regierungserklärung abgeben.

Die Ressortverteilung sieht vor:

  • SPD übernimmt sechs von neun Ministerien
  • CDU erhält drei Ministerien, darunter die wichtigen Ressorts Innen, Bildung und Wirtschaft
  • Jan Redmann wird Vize-Regierungschef und Innenminister

Überraschungspersonalie: Martina Klement

Als besondere Überraschung gilt die Nominierung von Martina Klement zur neuen Wirtschaftsministerin. Die bisherige Digitalstaatssekretärin des schwarz-roten Berliner Senats wechselt mit CSU-Parteibuch nach Brandenburg. Die Juristin erklärte, sie wolle länderübergreifend für Berlin und Brandenburg „noch viel Gutes“ erreichen und die Brandenburger Verwaltung modernisieren.

Weitere Personalentscheidungen

CDU-Generalsekretär Gordon Hoffmann wird neuer Bildungsminister und bringt Erfahrung als früherer bildungspolitischer Sprecher der Fraktion mit. Als neuen Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion schlug Fraktionschef Redmann den Parlamentarischen Geschäftsführer Steeven Bretz vor.

Auf SPD-Seite erhält der bisherige Innenminister René Wilke ein neues Superressort aus Arbeit, Soziales, Gesundheit, Migration und Integration. Der bisherige SPD-Wirtschaftsminister Daniel Keller übernimmt die Finanzen und wird Nachfolger von Ex-BSW-Politiker Robert Crumbach, der gerade wieder in die SPD eingetreten ist und als neuer Verkehrsminister vorgesehen ist.

Folgende Minister behalten ihre Ressorts:

  1. Manja Schüle (Wissenschaft/Kultur)
  2. Hanka Mittelstädt (Agrar/Umwelt)
  3. Benjamin Grimm (Justiz/Digitales)

Politische Ziele und Herausforderungen

Woidke, der Brandenburg seit 2013 regiert, nennt als zentrales Ziel, Demokratie und Freiheit gegen Rechtsextremisten zu verteidigen. Dies richtet sich klar gegen die AfD, die der Verfassungsschutz in Brandenburg als rechtsextremistisch einstuft und die in aktuellen Umfragen vorn liegt.

Die Koalition plant konkrete Maßnahmen:

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  • Schaffung zusätzlicher Lehrerstellen
  • Aufstockung der Polizeikräfte
  • Entlastung der Wirtschaft

Allerdings zwingt ein drohendes Milliarden-Defizit das Bündnis zum Sparen, unter anderem durch den Abbau von Landespersonal. Der Koalitionsvertrag fällt daher bewusst schlanker aus als vergleichbare Vereinbarungen.

Politisches Umfeld und Kritik

SPD und CDU verfügen im Potsdamer Landtag über eine knappe Zwei-Stimmen-Mehrheit. Die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht fordern eine Neuwahl und werfen SPD und CDU vor, dass dieses Bündnis bei der Wahl 2024 nicht vom Wähler gewollt gewesen sei. CDU-Landesvorsitzender Redmann wertete das Votum seiner Partei dennoch als starkes Signal: „Jetzt geht es darum, die vereinbarten Vorhaben umzusetzen und unser Land Schritt für Schritt voranzubringen.“