Brandenburg eröffnet erstmals eine spezielle Kinderschutzambulanz
Das Bundesland Brandenburg schließt eine bedeutende Lücke im Kinderschutz: Im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam wird in der kommenden Woche die erste Kinderschutzambulanz des Landes eröffnet. Bisher war Brandenburg das einzige Bundesland ohne eine solche spezialisierte Einrichtung für Kinder, bei denen der Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch besteht.
Fünf weitere Standorte in Planung
Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie, gab bekannt, dass neben Potsdam fünf weitere Kinderschutzambulanzen in Brandenburg geplant sind. Zunächst soll in Eberswalde eine Einrichtung entstehen, voraussichtlich im Sommer folgen Standorte in Frankfurt (Oder), Lauchhammer, Cottbus und Neuruppin. Die Zuweisung der Kinder erfolgt dabei ausschließlich über das Jugendamt, beispielsweise nach Hinweisen aus Kindertagesstätten, Schulen oder von Kinderärzten.
Geschützte Umgebung reduziert Belastung für Kinder
Alexandra Mebus-Haarhoff, Leiterin des Jugendamts Potsdam, betont die Vorteile der neuen Einrichtung: "Ein geschützter Raum ist weniger belastend für das Kind und birgt dadurch auch weniger die Gefahr einer Retraumatisierung." Bisher mussten betroffene Kinder meist in der Rettungsstelle oder stationär untersucht werden, was in nicht akuten Fällen oft nicht sinnvoll und zudem teuer sei. In Berlin existieren bereits seit vielen Jahren Kinderschutzambulanzen, etwa an der Charité, die teilweise auch Kindern aus Brandenburg geholfen haben.
Spielzeug und Puppenhaus erleichtern die Untersuchung
Die neue Kinderschutzambulanz in Potsdam bietet eine speziell gestaltete Umgebung, um den kleinen Patientinnen und Patienten die Untersuchung zu erleichtern. Spielzeug, Bücher und ein Puppenhaus sollen es den Kindern ermöglichen, von ihren Erlebnissen zu erzählen und sich untersuchen zu lassen. Chefärztin Degenhardt erklärt: "Künftig müssen wir nicht mit 20 anderen wartenden, hustenden Kindern und relativ hohem Zeitdruck eine Diagnostik machen. Stattdessen können sich die Medizinerinnen und Mediziner ausreichend Zeit für die schwierigen Fälle nehmen und auch mögliche Folgetermine vereinbaren."
Hoher Bedarf und finanzielle Unterstützung
Hans Leitner, ehemaliger Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg, weist auf den hohen Bedarf hin: "Rund 700 mögliche Kindeswohlgefährdungen müssen wir uns pro Jahr genauer anschauen." Das Land Brandenburg stellt eine Anschubfinanzierung für die neuen Kinderschutzambulanzen zur Verfügung, wie aus letzten Angaben des Ministeriums hervorgeht. Diese Investition in den Kinderschutz markiert einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Versorgung betroffener Kinder in Brandenburg.



