Gesetzesänderung bedroht Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg
Gesetzesänderung bedroht Biosphärenreservat Schorfheide

Gesetzesänderung bedroht Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg

Brandenburgs Biosphärenreservate stehen vor einer möglichen Lockerung des Schutzes. Noch in dieser Legislaturperiode soll die Verordnung für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin überarbeitet werden, was Experten und Anwohner zutiefst beunruhigt.

Einzigartige Naturlandschaft in Gefahr

Thomas Habben, Natur- und Landschaftsführer im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, startet bald wieder seine geführten Exkursionen durch das 130.000 Hektar große Areal. Ihm ist es wichtig, die Einmaligkeit dieser Natur erlebbar zu machen. „Diese Landschaft ist beeindruckend, einmalig und unbedingt zu erhalten, zu schützen“, betont er. Die aktuelle politische Diskussion um eine Gesetzesänderung bereitet ihm jedoch große Sorgen.

Das geplante Verwaltungs-Vereinfachungsgesetz könnte den Naturschutz nachrangig werden lassen. Bauvorhaben, die 300 Meter über bisherige Siedlungsränder hinausgehen, würden dadurch möglich, ebenso wie die Umwidmung von landwirtschaftlichen Flächen für großflächige Anlagen erneuerbarer Energien. Habben sieht eine Absenkung des Schutzniveaus der Biosphäre als äußerst kritisch an.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Historische Verordnung steht zur Disposition

Die Biosphärenreservatsverordnung, die mehr als 35 Jahre Bestand hatte und als letztes Gesetz von der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR beschlossen wurde, soll nun überarbeitet werden. „Bis auf moderate Anpassungen im Jahr 2014 wurde sie nicht angefasst. Das soll sich nun ändern“, erklärt Habben. Er warnt eindringlich: „Wehret den Anfängen!“ und befürchtet, dass nicht nur der UNESCO-Status für das Biosphärenreservat in Gefahr gerät, sondern auch die beiden anderen Biosphären Brandenburgs.

Bürgerengagement formiert sich

Die Gründung der Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre“ begrüßt Habben ausdrücklich. Ebenso unterstützt er die Petition, in der die Bürger im Biosphärenreservat fordern, gehört zu werden. In der Petition heißt es: „Anderorts sind so bewahrte Schätze bereits selten geworden: landschaftliche Schönheit, Weite und Stille, naturbelassene Seen, urige Buchenwälder, blühende Felder, ökologischer Landbau und eine nachhaltige, regionale Wirtschaft. Wir wollen die Einzigartigkeit unserer Landschaft erhalten.“ Thomas Habben hat sie unterschrieben – wie viele andere Bewohner des Biosphärenreservats.

Kulturelles Engagement für den Naturschutz

Am Sonnabend, dem 11. April, finden die „Warnitzer Lesungen“ statt, die ganz im Zeichen des Engagements für die Biosphäre stehen. Initiatorin Cornelia Jentzsch hat prominente Persönlichkeiten aus der Uckermark zusammengeholt:

  • Donata Wenders, Fotografin und Kamerafrau
  • Nicola Hümpel vom Berliner Musiktheater-Ensemble Nico and the Navigators
  • Manuela Reichardt, Autorin, Kritikerin und Radiomoderatorin
  • Simon Strauß, Autor und FAZ-Theaterkritiker
  • Andres Veiel, Autor und Dokumentarfilmregisseur

Sie werden aus der Biosphärenreservatsverordnung lesen, was die Eindringlichkeit der Forderungen unterstreicht. Anschließend beantworten Hartmut Lindner von der Bürgerinitiative „Wir sind Biosphäre!“ und der Forstwirtschaftler sowie Waldökologe Dr. Michael Egidius Luthardt Fragen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Gaststätte „Deutsche Eiche“.

Die Diskussion um die Gesetzesänderung zeigt, wie wichtig der Erhalt dieses einzigartigen Naturraums für die Region ist. Die Kombination aus Bürgerengagement und kultureller Unterstützung unterstreicht die Dringlichkeit, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu schützen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration