BSW-Besuch in russischer Botschaft entfacht politischen Sturm
Seelow/Berlin • Ein Besuch von Politikern des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) in der russischen Botschaft in Berlin hat eine scharfe politische Kontroverse ausgelöst. Der Austausch fand am 81. Jahrestag der Schlacht auf den Seelower Höhen statt und polarisiert die politische Landschaft in Brandenburg und darüber hinaus.
Gedenken und diplomatische Begegnungen
Der russische Botschafter Sergej Netschajew legte am Vormittag in der Gedenkstätte Seelower Höhen einen Kranz nieder, um an die historische Schlacht zu erinnern. Diese gilt als größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden und forderte Zehntausende Tote auf deutscher und sowjetischer Seite. Am Nachmittag empfing Netschajew dann eine Delegation des BSW in der russischen Botschaft in Berlin.
Der BSW-Landtagsabgeordnete Sven Hornauf, der den Besuch mitinitiierte, erklärte, die Delegation bestehe aus fast 100 Unterstützern und Politikern. „Es geht um die Würdigung der Leistung unserer Befreier vom Nationalsozialismus“, so Hornauf. „Zudem ist es wichtig, mit Russland im Gespräch zu bleiben.“ Der Kreisverband Oder-Spree bestätigte die Beteiligung mehrerer brandenburgischer Kreisverbände.
Scharfe Kritik von CDU und SPD
Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) äußerte deutliche Sicherheitsbedenken: „Russland führt nicht nur einen brutalen Angriffskrieg in der Ukraine, seine Geheimdienste stecken auch hinter Desinformationskampagnen in Deutschland.“ Redmann warnte vor geheimdienstlichen Anbahnungen und Instrumentalisierungen durch solche Besuche.
Die SPD sprach von ideologischer Einseitigkeit. Generalsekretär Kurt Fischer kritisierte: „Der Besuch zeigt die einseitige Politik dieser Truppe. Auf die Idee, die Botschaft der von Russland brutal überfallenen Ukraine zu besuchen, kommen sie nicht im Traum.“
BSW verteidigt diplomatisches Engagement
Die brandenburgische BSW-Landesvorsitzende Friederike Benda verteidigte den Besuch als Ausdruck des Engagements für Völkerverständigung und Diplomatie. Hornauf wies die Vorwürfe als „Unsinn und absurd“ zurück. Es handele sich nicht um den ersten Austausch mit dem Botschafter seit Kriegsbeginn.
Unabhängig von der russischen Initiative legte auch Landrat Gernot Schmidt (SPD) im Landkreis Märkisch-Oderland einen Kranz nieder. Eine Sprecherin betonte, es habe keine Einladung an den Botschafter gegeben.
Historischer Kontext und aktuelle Spannungen
Die Schlacht auf den Seelower Höhen im April 1945 markierte das Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und führte zur Eroberung Berlins durch die Rote Armee. Das Gedenken an dieses Ereignis wird nun durch den aktuellen Ukraine-Krieg und die politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen überschattet.
Die russische Botschaft bezeichnete den Besuch des Botschafters in Seelow als private Initiative. Bei der Gedenkveranstaltung waren auch Teilnehmer mit Ansteckpins zu sehen, die die Flaggen Deutschlands und Russlands zeigten – ein Symbol für deutsch-russische Freundschaft, das in der aktuellen politischen Lage besonders kontrovers diskutiert wird.



