Ersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin: Qualitätsprobleme und rechtliche Auseinandersetzungen
Der Schienenersatzverkehr entlang der Bahnstrecke Hamburg-Berlin entwickelt sich derzeit zu einem kleinen Wirtschaftskrimi, bei dem die Fahrgäste die Leidtragenden sind. Marode Busse, häufige Fahrzeugausfälle und fehlende digitale Fahrgastinformationen haben die Qualität des Angebots in den vergangenen Tagen erheblich verschlechtert. Hintergrund ist ein heftiger Streit zwischen der Betreibergesellschaft Ecovista und einem Investor, der nun vor Gericht ausgetragen werden soll.
Streit mit Investor führt zu Qualitätseinbruch
Ecovista-Chef Michael Bader hat sich mit einem Investor überworfen und kündigt nun eine Klage wegen Wuchers an. Der Konflikt entzündete sich an zu hohen Leasingraten für die Busflotte, die Ecovista im Auftrag der Deutschen Bahn für den Ersatzverkehr einsetzt. Bader kündigte den Vertrag mit dem Investor zum Ende Februar und tauschte quasi über Nacht rund 200 neue Busse gegen Gebrauchtfahrzeuge aus, die auf dem freien Markt organisiert wurden.
Diese Ersatzbusse entsprechen jedoch nicht den vertraglich vereinbarten Qualitätsstandards, was zu erheblichem Unmut bei Fahrgästen, der Deutschen Bahn und der Politik geführt hat. Bader betont, dass die für die neuen Busse auferlegte Leasingrate um ein Mehrfaches über dem marktüblichen Niveau liege, und hat daher rechtliche Schritte eingeleitet.
Fahrgäste leiden unter maroden Bussen und Ausfällen
Die Qualität des Ersatzverkehrs hat merklich gelitten, was sich unmittelbar auf die Fahrgäste auswirkt. Alte Busse ohne USB-Steckdosen oder Wlan, mangelhafte digitale Echtzeit-Daten und erhöhte Ausfallraten sorgen für Frust. Jutta Wegner, verkehrspolitische Sprecherin im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, bezeichnete die Situation als unzumutbar: „Wenn Busse in einem Zustand unterwegs sind, der eher an Schrottplätze als an den öffentlichen Nahverkehr erinnert, dann ist das ein massives Versagen des Auftragnehmers.“
Bader räumt die Probleme ein, dämpft aber gleichzeitig die Erwartungen: „Wir werden die Busflotte verbessern, so dass sie immer mehr dem vertraglichen Standard entspricht. Realistischerweise werden die Busse aber nicht den Standard einer komplett neuen Flotte erreichen.“ Am Donnerstag gab es etwa 20 Ausfälle bei 1.230 täglichen Fahrten – eine deutliche Reduzierung gegenüber den vorherigen Tagen, aber dennoch unbefriedigend.
Deutsche Bahn droht mit Konsequenzen
Die Deutsche Bahn hat Ecovista bereits abgemahnt und pocht auf die Einhaltung der vereinbarten Standards. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es: „Sollten nicht wieder umgehend vertragskonforme Fahrzeuge im Schienenersatzverkehr zwischen Hamburg und Berlin eingesetzt werden, wird die DB InfraGO zusammen mit den zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen die umgehende Beauftragung anderer Schienenersatzverkehrsanbieter erwägen.“
Gleichzeitig läuft bei Ecovista die Aufrüstung der Flotte. Marode Fahrzeuge wurden entfernt, die digitalen Echtzeit-Daten funktionieren wieder, und ab dem Wochenende sollen die Informationen auch in der Bahn-App DB Navigator verfügbar sein. In den kommenden Tagen und Wochen werden alle Busse nach und nach mit USB-Steckdosen und Wlan ausgestattet.
Interne Probleme und Zukunftsperspektiven
Die Krise hat auch interne Auswirkungen: In einem Schreiben an die Mitarbeiter kündigte Bader Verzögerungen bei den Lohnzahlungen um einige Tage an. Dennoch betont er die Zuverlässigkeit des Unternehmens: „Ich bleibe dabei, dass wir Menschen befördern. Das tun wir zuverlässig und auch sicher. Das Unternehmen ist in der Lage, über den 30. April hinaus den Ersatzverkehr zu bedienen.“
Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin bleibt aufgrund von Sanierungsarbeiten und Frostschäden aus dem Januar und Februar voraussichtlich über den April hinaus gesperrt. Bader signalisiert Bereitschaft, den Ersatzverkehr auch bei längerer Bauzeit weiter zu betreiben. Ob die Qualitätsverbesserungen ausreichen, um die Deutsche Bahn und die Fahrgäste zufriedenzustellen, bleibt abzuwarten. Der Rechtsstreit mit dem Investor könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.



