Ex-BSW-Landeschef Crumbach kehrt zur SPD zurück: Ein politischer Wechsel mit Folgen
Potsdam • In einer bemerkenswerten politischen Wende ist Brandenburgs Finanzminister Robert Crumbach wieder in die SPD eingetreten. Der ehemalige BSW-Landeschef, der rund 40 Jahre lang SPD-Mitglied war, bevor er das Bündnis Sahra Wagenknecht in Brandenburg mit aufbaute, geht nun den umgekehrten Weg und kehrt zu seinen politischen Wurzeln zurück.
Crumbach nennt BSW-Mitgliedschaft einen großen Fehler
In einer deutlichen Stellungnahme bezeichnete Crumbach seine etwa zweijährige Mitgliedschaft im BSW als einen großen Irrtum und Fehler. „Für mich war immer wichtig, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung, der kleinen Leute, zu vertreten und zu stärken“, erklärte der 63-Jährige. „Ich war zeitweise davon überzeugt, dass es neben der SPD eine andere Partei gäbe, die dies glaubwürdig vertreten kann. Das war ein großer Irrtum und Fehler.“
Harte Kritik an BSW als regierungs- und politikunfähig
Bei einer Pressekonferenz der SPD-Landtagsfraktion ging der ehemalige Mitgründer des BSW Brandenburg hart mit seiner früheren Partei ins Gericht. „Ich war sehr mitgenommen davon zu erkennen, dass die Partei, dass die Parteiführung, dass aber auch die Landtagsmitglieder im Wesentlichen nicht nur regierungsunfähig, sondern politikunfähig sind“, sagte Crumbach. Diese Erkenntnis habe ihn schließlich zu der Entscheidung bewogen, wieder in die SPD einzutreten.
BSW wirft Crumbach gezielte Destabilisierung vor
Die BSW-Fraktion reagierte mit scharfer Kritik auf den Wechsel. Fraktionschef Niels-Olaf Lüders warf Crumbach vor, er habe das Ende der Koalition mit der SPD von längerer Hand vorbereitet. „Es gibt einige wichtige Indizien, die dafür sprechen, hier Truppen zu organisieren, die überlaufen, um dann gänzlich andere Mehrheiten, die der Wähler nicht gewählt hat, an den Start zu bringen“, erklärte Lüders. Der BSW-Abgeordnete Andreas Kutsche ging noch weiter und behauptete, Crumbach sei „in das BSW eingetreten, um das BSW von innen heraus zu zerstören“.
Vom BSW-Mitgründer zum Minister und zurück zur SPD
Der langjährige Arbeitsrichter hatte die SPD im Januar 2024 nach mehr als 40 Jahren verlassen und war Mitgründer des BSW in Brandenburg geworden. Nach internen Streitigkeiten trat er im Januar dieses Jahres aus dem BSW aus. Seine politische Karriere im BSW war von Höhen und Tiefen geprägt: Zunächst als Landesvorsitzender und später als Fraktionschef aktiv, wurde er schließlich Finanzminister im Kabinett, was zur Ablösung durch Niels-Olaf Lüders an der Fraktionsspitze führte.
Streit gipfelt im Bruch der SPD/BSW-Koalition
Die politischen Spannungen eskalierten, nachdem Crumbach im Kabinett und später im Landtag für die Rundfunkreform gestimmt hatte und dadurch in Fraktion und Partei unter Druck geriet. Nach dem Austritt von vier Abgeordneten aus dem BSW im November 2025 spitzte sich die Krise weiter zu, obwohl zwei Abgeordnete zwischenzeitlich wieder in die Partei zurückkehrten. Im Januar verließ Crumbach schließlich Partei und Fraktion und wurde Mitglied der SPD-Fraktion, zunächst noch parteilos. Dieser Schritt markierte das endgültige Ende der SPD/BSW-Koalition.
Neue politische Konstellationen entstehen
Gemeinsam mit der Ex-BSW-Abgeordneten Jouleen Gruhn, die ebenfalls zur SPD-Fraktion wechselte, sicherte Crumbach SPD und CDU eine Zwei-Stimmen-Mehrheit im Landtag. Beide Parteien planen nun die Bildung einer neuen Koalition. In dem geplanten neuen Kabinett mit der CDU soll Crumbach nicht mehr als Finanzminister, sondern als Infrastrukturminister amtieren. Insgesamt verließen während der Krise 5 von 14 Abgeordneten die BSW-Fraktion und die Partei, was die politische Landschaft Brandenburgs nachhaltig verändert hat.



