Vom volkseigenen Betrieb zum globalen Marktführer
Als Holger Loclair im Jahr 1977 seine Tätigkeit im VEB Spezialfarben Oranienburg aufnahm, war er promovierter Chemiker in einem typischen volkseigenen Betrieb der Deutschen Demokratischen Republik. Fast fünf Jahrzehnte später steht derselbe Mann an der Spitze eines international agierenden Familienunternehmens und wird nach aktuellen Berechnungen des renommierten US-Wirtschaftsmagazins Forbes als der reichste Ostdeutsche eingestuft.
Die Transformation eines DDR-Unternehmens
Der berufliche Werdegang Loclairs ist untrennbar mit dem Standort Oranienburg verbunden. Der VEB Spezialfarben produzierte bereits während der DDR-Zeit selbstklebende und reflektierende Folien für verschiedene Anwendungen. Nach der politischen Wende erfolgte 1990 die Umbenennung in Orafol, und ein Jahr später wurde das Unternehmen durch die Treuhandanstalt privatisiert. Loclair blieb als Geschäftsführer im Amt und führte das Unternehmen zunächst gemeinsam mit einem westdeutschen Investor weiter.
Forbes beschreibt in seinem aktuellen Profil, dass der frühere Mehrheitseigner Klaus Schmidbaur seine Unternehmensanteile zwischen 2013 und 2016 schrittweise an Holger Loclair übertrug. Heute hält Loclair nach diesen Angaben 99 Prozent der Anteile an Orafol. Das Unternehmen hat sich inzwischen zum weltweiten Marktführer für selbstklebende reflektierende Folien und industrielle Klebebänder entwickelt.
Oranienburg als Herzstück der globalen Expansion
Die heutige Orafol-Gruppe stellt Materialien für Verkehrsschilder und Autokennzeichen her, produziert Fahrzeug- und Werbebeklebungen sowie Spezialklebebänder für industrielle Anwendungen. Nach offiziellen Unternehmens- und Behördenangaben beschäftigt Orafol weltweit etwa 3.000 Mitarbeiter. Am Stammsitz in Oranienburg sind davon rund 1.200 Beschäftigte tätig.
Gleichzeitig wächst der Standort in Brandenburg kontinuierlich weiter. Orafol plant von 2025 bis 2027 Investitionen in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro für den Ausbau des Werks. Dabei sind neue, hochautomatisierte Produktionsanlagen vorgesehen. Staatliche Fördergelder nimmt das Unternehmen nach eigenen Aussagen bewusst nicht in Anspruch.
Politische Anerkennung und wirtschaftliche Bedeutung
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke würdigte das Engagement des Unternehmens bei einem Besuch im Januar 2026 ausdrücklich. Orafol stehe beispielhaft für die industrielle Leistungsfähigkeit des Landes Brandenburg, betonte Woidke. Die geplanten Investitionen würden maßgeblich dazu beitragen, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und die industrielle Basis des Bundeslandes nachhaltig zu stärken.
Die Vermögensfrage: Schätzungen und Realitäten
Wie hoch das private Vermögen Holger Loclairs tatsächlich ist, lässt sich nicht amtlich beziffern. Alle verfügbaren Angaben basieren auf Schätzungen verschiedener Wirtschaftsmagazine. Forbes führt Loclair aktuell mit einem sogenannten Real Time Net Worth von 1,8 Milliarden US-Dollar, was etwa 1,5 Milliarden Euro entspricht, und bezeichnet ihn als einzigen Milliardär aus dem Gebiet der ehemaligen DDR.
Zuvor hatten andere Medien teilweise niedrigere Schätzungen veröffentlicht. Das Manager Magazin bezifferte Loclairs Vermögen im Jahr 2023 auf rund 600 Millionen Euro. Business Insider nannte 2025 unter Berufung auf verschiedene Reichenlisten eine Größenordnung von etwa 700 Millionen Euro. Eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung kam bereits 2023 zu dem Schluss, dass das Vermögen die Milliardenmarke erreichen dürfte, sofern sich das Unternehmenswachstum in gleichem Maße fortsetzt.
Trotz der internationalen Ausrichtung ist Orafol seinem Standort in Brandenburg treu geblieben. Die Region profitiert in erheblichem Maße von den geschaffenen Arbeitsplätzen, den Gewerbesteuereinnahmen und den kontinuierlichen Investitionen. Loclair selbst hält sich mit öffentlichen Auftritten eher zurück. In seltenen Interviews betonte er wiederholt, dass ein großer Teil seines Vermögens im Unternehmen gebunden sei – vor allem in modernen Produktionsanlagen, fortschrittlicher Technologie und internationalen Tochtergesellschaften.



