Eisregen verwandelt brandenburgische Wälder in tödliche Fallen für Wildtiere
Die anhaltenden frostigen Temperaturen und vereisten Böden setzen den Wildtieren in Brandenburg extrem zu. Ein Jäger aus der Region schildert dramatische Szenen, die sich derzeit in den Wäldern abspielen. Peter S., einer von drei Jagdpächtern in einem brandenburgischen Dorf, berichtet von tragischen Verlusten bei den Wildschweinpopulationen.
Tödliche Kälte für Frischlinge
„Eine Bache hatte ursprünglich fünf Frischlinge, aber jetzt lebt nur noch einer von ihnen“, erzählt der erfahrene Jäger mit bedrückter Stimme. Der verheerende Eisregen ist nach seiner Einschätzung für den Tod der Jungtiere verantwortlich. „Wenn Frischlinge unterkühlen, sterben sie einfach. Diese jungen Wildschweine wachsen in speziellen Nestern aus Gras, Laub und Moos auf und sind absolut auf Wärme angewiesen“, erklärt Peter S. detailliert.
Interessanterweise liegt das Problem meist nicht am fehlenden Futterangebot für die erwachsenen Tiere. Wildschweine säugen ihre Jungen drei bis vier Monate lang, und die ausgewachsenen Tiere finden normalerweise noch Nahrung, indem sie Wurzeln, Eicheln und Knollen ausgraben. Die Situation stellt sich für Rehe und Damwild jedoch völlig anders dar.
Verzweifelte Nahrungssuche auf vereisten Böden
„Diese Tiere hungern buchstäblich“, betont der Jäger nachdrücklich. „Der Eisregen und der anhaltende Frost machen den Boden glatt und hart, sodass sie keine Nahrung mehr finden können. Wenn sie über den gefrorenen Boden laufen, brechen sie ein und verletzen sich schwer. Selbst das Scharren mit den Schalen nach Futter birgt ein enormes Verletzungsrisiko.“
Die Wildkamera-Aufnahmen zeigen deutlich, wie verzweifelt die Tiere nach Nahrung suchen. Rehe und Damwild wandern orientierungslos durch den vereisten Wald, während ihre Energiereserven rapide schwinden. Die natürlichen Futterquellen sind unter einer dicken Eisschicht begraben, was die Situation täglich verschärft.
Landwirt wird zum Retter in der Not
Viele Jäger in der Region füttern die Tiere aktiv, obwohl dies nicht offiziell erlaubt ist. „Normalerweise bringen wir Kastanien in den Wald, die Kinder jedes Jahr im Herbst für uns sammeln. Dafür zahlen wir der örtlichen Kita einen kleinen Beitrag“, erklärt Peter S. „In diesem extremen Winter reicht das jedoch bei weitem nicht aus.“
Umso größer ist die Freude über die Unterstützung eines ortsansässigen Landwirts. Er spendete zwei große Heuballen und mehrere Säcke mit Mais, die nun an strategischen Stellen im Wald ausgelegt wurden. Die Wildkamera dokumentiert eindrucksvoll, wie mehrere Rehe und Damwild das lebensrettende Futterangebot annehmen. Sogar die Vogelwelt profitiert davon – zahlreiche Meisen und andere Vögel finden an den Futterstellen Nahrung.
Der Jäger warnt jedoch ausdrücklich: „Küchenabfälle wie Kartoffel- oder Apfelschalen sowie andere Essensreste gehören keinesfalls in den Wald. Sie schaden den Tieren mehr, als sie nützen.“
Appell an Waldbesucher
Abschließend richtet Peter S. einen dringenden Appell an alle Waldbesucher: „Wer den Tieren in dieser schwierigen Zeit wirklich etwas Gutes tun möchte, sollte Spaziergänge abseits der offiziellen Waldwege unbedingt meiden und seinen Hund konsequent an der Leine führen. Jede zusätzliche Störung kostet die geschwächten Tiere wertvolle Energie, die sie zum Überleben dringend benötigen.“
Die Situation in den brandenburgischen Wäldern bleibt angespannt, solange die frostigen Temperaturen und vereisten Bedingungen anhalten. Die spontane Hilfsbereitschaft des Landwirts zeigt jedoch, wie wichtig lokale Solidarität in solchen Naturkrisen sein kann.



