Architekt Leo Garcia hat eine Vision: Weg vom klassischen Hausbau hin zu Häuschen, die sich wie Legosteine zusammensetzen lassen. In Geltendorf im Landkreis Landsberg am Lech will er sein Pilotprojekt TOSKaltenberg umsetzen. Für ihn ist es eine Win-Win-Situation und eine Möglichkeit, im Münchner Umland mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Das Pilotprojekt TOSKaltenberg
Die Abkürzung TOS steht für Tetris Oasis Süd. Das Grundstück liegt rund 200 Meter südlich der bekannten Kaltenberger Ritterspiele im Fünfseenland. Garcia plant dort eine Mini-Siedlung aus modularen Elementen, die flexibel kombiniert werden können. Die Wände werden zum Beispiel für Stauraum in Form von Regalen genutzt.
Flexibler Wohnraum aus Modulen
Garcias Vision: Wie aus Lego-Steinen könnte künftig ein Zuhause entstehen – nicht mit Mauern aus Stein, sondern mit modularen Elementen. Die geplanten Gebäude sehen nicht wie klassische Häuser aus, sondern wie riesige Lego-Steine, die flexibel und modern zusammengefügt werden. Der Wohnraum wird effektiv genutzt: Unter einem Hochbett befindet sich der Schreibtisch, die Wände sind großflächig mit Regalen versehen. Drumherum stellt sich Garcia viel Grün vor – „Die Natur als Nachbar“, wie er es im Exposé formuliert.
Win-Win-Situation für alle Beteiligten
Garcia sagt: „Das ist ein Pilotprojekt, in das wir viel Herzblut gesteckt haben. Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.“ Die Grundstückseigentümer verpachten demnach ihren Grund, der entstehende Wohnraum soll bezahlbar werden. Konkret hat Garcia für TOSKaltenberg zwei größere Wohneinheiten geplant (je 75 Quadratmeter, bereits genehmigt). In einem zweiten Bauabschnitt könnten zwei Häuschen mit je rund 50 Quadratmetern auf dem Areal hinzukommen (noch im Genehmigungsprozess).
Sehnsucht nach Einfachheit
Leo Garcia ist überzeugt: „In der Gesellschaft gibt es eine Marktnische: Menschen haben eine Sehnsucht nach Einfachheit, Leichtigkeit und trotzdem einem gewissen Komfort. Das ist genau unsere Zielgruppe.“ Er nennt als Beispiel Menschen, die sich mit Geschwistern das Eigentum an einem großen Haus teilen und diese Immobilie als Last empfinden. „Es ist viel zu groß, viel zu teuer und viel zu aufwendig. Einfach für deren Umstände nicht passend.“
Technische Details und Kosten
Das Hauptmodul aus Holzständerbauweise beinhaltet Wohnzimmer, Esszimmer, Küche und Bad. Daneben gibt es weitere Module aus Stahl, zum Beispiel als Schlafzimmer oder Büro. Auf dem flachen Dach sind großflächig Photovoltaik-Platten zu sehen. Statt einer Wärmepumpe setzt Garcia auf eine Infrarot-Heizung. Das Hauptmodul entspricht einem abgeschlossenen Tiny House und kann theoretisch auch eigenständig verwendet werden. „Wir haben es so gebaut, dass es in fast ganz Deutschland nach dem Baurecht verfahrensfrei aufgestellt werden kann.“
Das vorgesehene Grundstück, angrenzend an ein Wohngebiet, dürfen die Bauherren 40 Jahre nutzen. Interessenten können das Grundstück pachten und mit dem Architekten das Zuhause im Detail gestalten. Mit welchen Kosten muss man rechnen? Für eines der rund 75 Quadratmeter großen Gebäude wird ein Investitionsrahmen von knapp 350.000 Euro angegeben, plus monatliche Pacht von rund 400 Euro. Bei 50 Quadratmetern sind es rund 235.000 Euro Investitionsrahmen und rund 255 Euro monatlich.
Lebensdauer und zweites Leben
Nach vier Jahrzehnten können die Häuschen umziehen oder einzeln verkauft werden. Garcia geht davon aus, dass die Module eine Lebensdauer von 80 Jahren haben. „Die Gebäude werden also irgendwo ein zweites Leben bekommen. Entweder im Ganzen oder in Einzelteilen.“
Herausforderungen und Gegenwind
Der Architekt erzählt: „Es war echt sehr hart, es gab zehn Entwürfe. Wir bekamen Gegenwind, weil das Design anfangs als ungewohnt empfunden wurde.“ Dennoch hält er an der Idee fest: „Ich möchte modularen Wohnraum im Münchner Ballungsraum bereitstellen, flexibel und bezahlbar.“ Ziel sei ein Ort, der sich in die Umgebung einfügt und gleichzeitig eine neue Form von Wohnen im Grünen ermöglicht. Die vorgefertigten Module beschleunigen die Umsetzung, da sie fertig angeliefert werden. Weil in Europa für den Transport per Lkw gewisse Größen-Regeln gelten, wurden die Elemente darauf abgestimmt.
Aktueller Stand und Zukunftsaussichten
Noch ist Garcias Vision nicht umgesetzt. „Der Status quo lautet: Für die größeren zwei Objekte mit zwei Geschossen verfügen wir schon über eine Baugenehmigung.“ Nun geht es um die Finanzierung. Für die beiden anderen Gebäude wartet man noch auf die Baugenehmigung. Garcia selbst hat bereits Erfahrung mit Tiny Houses gesammelt: „Ich habe ein Häuschen in Spanien, es sieht aus wie ein Iglu mit 41 Quadratmetern Wohnfläche. Ich liebe dieses Haus!“ Er vermietet es mittlerweile bei Airbnb. „Der Wunsch, dass Häuser so groß wie möglich sein müssen, ist typisch deutsch“, sagt er, spürt aber ein Umdenken: „Die Tendenz zu kleineren Häusern ist schon real. Die Gesellschaft profitiert riesig davon, wenn die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum gedeckt wird.“



