Die Inflation hat Deutschland fest im Griff, und die Verbraucher spüren dies besonders an der Supermarktkasse. Rewe-Chef Lionel Souque gewährt im Gespräch mit dem SPIEGEL Einblicke in die aktuelle Lage und die Strategie des Handelsriesen. Dabei stellt er eine überraschende These auf: Mit der Marke Nutella verdiene Rewe mehr als mit dem eigenen ja!-Schokoaufstrich.
Preissteigerungen und Kundenreaktionen
Die anhaltend hohen Energie- und Rohstoffpreise treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe. Souque berichtet, dass die Kunden zunehmend preissensibel reagieren und verstärkt zu günstigeren Eigenmarken greifen. Dennoch betont er, dass Rewe nicht übermäßig von der Krise profitiere: „Wir machen nicht den großen Gewinn“, stellt der Manager klar. Die Margen im Lebensmitteleinzelhandel seien traditionell niedrig.
Eigenmarken versus Markenprodukte
Besonders interessant ist Souques Aussage zu den Gewinnspannen bei Schokoaufstrichen: „An Nutella verdienen wir mehr als am ja!-Schokoaufstrich.“ Dies liege an den günstigeren Einkaufskonditionen für das Markenprodukt und der hohen Nachfrage. Die Eigenmarke sei zwar günstiger für den Kunden, aber nicht zwangsläufig profitabler für den Händler.
Mehrwertsteuersenkung als Entlastung?
Auf die Frage nach politischen Maßnahmen zur Entlastung der Verbraucher äußert sich Souque zurückhaltend. Eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel hält er für sinnvoll, warnt jedoch vor bürokratischem Aufwand und möglichen Preiseffekten. „Eine zeitlich begrenzte Steuersenkung könnte die Inflation dämpfen, aber sie muss zielgerichtet sein“, so der Rewe-Chef. Er plädiert für eine dauerhafte Entlastung von Grundnahrungsmitteln.
Blick in die Zukunft
Trotz der aktuellen Herausforderungen zeigt sich Souque optimistisch. Die Nachfrage nach regionalen und nachhaltigen Produkten steige, und Rewe investiere weiter in die Digitalisierung und das Filialnetz. Die Kundenbindung sei in Krisenzeiten besonders wichtig, daher setze man auf faire Preise und Qualität.
Das vollständige Interview mit Lionel Souque lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL (19/2026).



