Die Schuldzuweisungen innerhalb der Mannschaft mehren sich, der Trainer ist „angefressen“ – bei Hertha BSC ist nach dem verpassten Aufstieg die Stimmung mies. Der für den Sommer proklamierte Umbruch wird für die Berliner zur Richtungsentscheidung, und die noch verbleibenden zwei Saisonspiele in der 2. Liga werden zum Charaktertest.
Enttäuschung nach Niederlage in Magdeburg
„Es ist zu wenig von allem, dann verliert man zu Recht“, sagte Luca Schuler nach der 0:1-Niederlage beim Abstiegskandidaten 1. FC Magdeburg. „Es reicht halt aktuell einfach nicht, und da müssen wir uns halt hinterfragen, woran das liegt.“ Die Enttäuschung über das verpasste Saisonziel Aufstieg hängt weiter über dem Team, das in den vergangenen vier Partien lediglich einen Punkt bei einem erzielten Tor geholt hat. Doch anders als nach früheren Enttäuschungen in der Rückrunde, in der Hertha lediglich fünf Siege bei fünf Unentschieden und fünf Niederlagen mit insgesamt 20 Punkten gelangen, wird jetzt die Qualitätsfrage innerhalb der Mannschaft gestellt.
Qualitätsmangel im Angriff
„Ich finde, es ist nicht das erste Spiel, wo wir vorne einfach irgendwie auch zu wenig kreieren“, sagte Schuler. Schon nach der 0:1-Heimniederlage gegen Kiel hatte Fabian Reese seinen Unmut geäußert: „Wir haben zu wenig Spieler, die verlässlich viele Tore schießen, und dann kann man nicht sehr gut bestehen in der 2. Liga.“ Der Topscorer der Berliner erwischte in Magdeburg auch keinen guten Tag und wurde in der 68. Minute von einem völlig verärgerten Trainer Stefan Leitl ausgewechselt. „Intensität“ gab der 48-Jährige als Grund an. Die fehlte dem Kapitän vor allem bei der Entstehung des Gegentores, als er seinen Gegenspieler laufen ließ.
Umbruch steht bevor
Die beiden abschließenden Spiele werden zeigen, wer sich noch motivieren kann oder mit seiner Berliner Zeit abgeschlossen hat. Hertha braucht ja bekanntlich wieder einmal Millionen-Einnahmen vom Transfermarkt. Diego Demme, der aufgrund von Kopfverletzungen in seinen zwei Jahren kaum gespielt hat, wird sich über Spielzeit freuen, auch wenn sein Vertrag nicht verlängert wird, wie der ehemalige Nationalspieler nach der Magdeburg-Partie sagte. Andere Spieler von Torwart Tjark Ernst bis zu Super-Teenager Kennet Eichhorn haben Begehrlichkeiten geweckt. Und der neue Kurs, den Geschäftsführer Peter Göhrlich auf der Mitgliederversammlung in der Vorwoche verkündet hatte, wird im kommenden Jahr nicht unbedingt den Bundesliga-Aufstieg als Ziel haben.
Leitl kündigt Donnerwetter an
Gerade Reese, der im vergangenen Sommer seinen Vertrag sehr öffentlich wirksam „für die Fans, für Hertha und für die Stadt Berlin“ bis 2030 verlängert hatte, wird sich Gedanken machen, ob er die Bundesliga mit Hertha in seiner Vertragslaufzeit erreichen kann. Hertha-Trainer Leitl, der bereits eine Zusage für die kommende Saison erhalten hat, kündigte für die Trainingswoche ein „Donnerwetter“ an, damit sich so eine Leistung nicht wiederhole: „Ich erwarte ein anderes Gesicht.“ Noch zwei Niederlagen, und Leitls Engagement würde zumindest in der kritischen Öffentlichkeit hinterfragt werden. Schuler hofft auf bessere Auftritte gegen die SpVgg Greuther Fürth am kommenden Sonntag sowie zum Abschluss bei Arminia Bielefeld. „Man kann davon ausgehen, dass jeder Einzelne alles dafür gibt, egal, ob er nächste Saison noch hier ist oder nicht.“ In der Hinrunde sprangen zwei Unentschieden gegen die Abstiegskandidaten heraus.



