Fragestunde im Brandenburger Landtag: Ein Spiegelbild des politischen Wandels
Die Fragestunden im Potsdamer Landtag dienen als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich das Parlament in den letzten Jahren grundlegend verändert hat. Während früher eine breite Palette von Themen und Fraktionen vertreten war, ist heute eine deutliche Verengung zu beobachten.
Dominanz der Opposition in der aktuellen Legislaturperiode
In den letzten Monaten prägte vor allem eine Abgeordnete das Bild der Fragestunden: Daniela Oeynhausen von der AfD. Allein in der Sitzung Ende März 2026 stellte sie sieben von insgesamt nur 14 eingereichten Fragen. Gesundheitsminister René Wilke von der SPD musste regelmäßig antworten, da Oeynhausen sich intensiv mit der Finanzierung der Krankenhausreform auseinandersetzte. Allerdings blieb der Erkenntnisgewinn aus ihren Fragen minimal, da sie diese zuvor bereits in Ausschusssitzungen oder als schriftliche Anfragen formuliert hatte.
Ein Vergleich mit dem Jahr 2023 offenbart einen drastischen Wandel. Damals, als der Landtag noch aus mehr Fraktionen bestand, wurden in einer einzigen Sitzung bis zu 45 Fragen gestellt. Abgeordnete wie Dennis Hohloch von der AfD oder Thomas Domres von den Linken nutzten das Instrument häufig, und auch Regierungsfraktionen wie die Grünen und die SPD beteiligten sich aktiv. Heute hingegen kommen Fragen ausschließlich von der Opposition, also von AfD und BSW.
Thematische Verengung und fehlende Vielfalt
Diese Entwicklung führt zu einem erheblichen Ungleichgewicht in der Themenauswahl. Im März 2023 behandelte der Landtag eine breite Palette von Angelegenheiten, darunter Migrationspolitik, Umweltfragen wie Insektenschutz und Radwege, sowie Verkehrsthemen wie Tempolimits auf Autobahnen. Solche Themen werden heute kaum noch angesprochen, da sich die verbliebenen Parteien vorrangig mit ihren Kernthemen beschäftigen, für die sie gewählt wurden.
Die größere Zahl von Fraktionen und Fragen in der Vergangenheit ermöglichte eine vielfältigere Debattenkultur, während die aktuelle Situation zu einer Monotonie in den Fragestunden beiträgt.
Kritik an der Effektivität und Vorschläge zur Reform
Der parteilose Landtagsabgeordnete André von Ossowski, der seit Beginn dieser Legislaturperiode im Parlament sitzt, übt scharfe Kritik an der aktuellen Praxis. Er bezeichnet die Fragestunde als „Showveranstaltung“, bei der Abgeordnete vorbereitete Fragen vorlesen und Minister standardisierte Antworten vortragen. „Das hat mich als Parlamentsneuling wirklich irritiert“, erklärt von Ossowski. Seiner Ansicht nach bringen mündliche Fragen selten überraschende oder grundlegend neue Erkenntnisse.
Stattdessen plädiert er für eine stärkere Nutzung schriftlicher „Kleiner Anfragen“, die seiner Meinung nach effektiver sind, um tatsächliche Informationen zu gewinnen. „Damit kann man tatsächlich neue Erkenntnisse gewinnen“, betont er und fordert eine radikale Umgestaltung des Parlamentsalltags, um die Transparenz und Effizienz der parlamentarischen Arbeit zu verbessern.
Insgesamt zeigt die Entwicklung der Fragestunde im Brandenburger Landtag, wie politische Veränderungen – wie der Rückgang auf nur noch vier Fraktionen – direkte Auswirkungen auf die parlamentarischen Abläufe haben. Die Dominanz der Opposition und die thematische Verengung werfen Fragen nach der Zukunft dieses Instruments und seiner Rolle in einer lebendigen Demokratie auf.



