Verkehrshitze: Abwärme von Fahrzeugen heizt Städte spürbar auf
In Städten staut sich Hitze im Sommer besonders stark – nun haben Forscher der Universität Manchester berechnet, wie stark Fahrzeuge durch Motoren, Bremsen und sonstige Abwärme direkt zu dieser Erwärmung beitragen. Dieser Beitrag sei bislang oft übersehen worden, heißt es im Fachjournal Journal of Advances in Modeling Earth Systems.
Computermodell für Manchester und Toulouse
Die Forschenden entwickelten ein Computermodell, in das sie Daten der Verkehrsbetriebe aus dem Großraum der Stadt sowie weitere öffentlich verfügbare Daten einspeisten. Das Modell wendeten sie auf Manchester sowie auf die französische Stadt Toulouse an.
Für Manchester kam das Team zu dem Schluss, dass die direkt durch Verkehr verursachte Hitze die Temperaturen im Sommer um rund 0,16 Grad Celsius erhöht und im Winter um 0,35 Grad. Das dichter bebaute Zentrum von Toulouse erwärmte der Straßenverkehr im Jahresdurchschnitt um 0,4 Grad.
Kleine Differenzen mit großen Folgen
Zwar mögen diese Differenzen klein erscheinen, könnten aber während extremer Hitzewellen relevant werden, schreiben die Autoren. Zur Einordnung: Seit den Siebzigerjahren erwärmte sich die Erde durch den Klimawandel im Schnitt um 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt; zuletzt beschleunigte sich die Entwicklung.
Unter anderem untersuchten die Forscher eine Hitzewelle in Großbritannien aus dem Jahr 2022. Die Verkehrshitze erhöhte damals die Temperaturen in der Stadt am Nachmittag. Sie blieben bis in die Nacht hoch, was sich negativ auf den gesundheitsschädigenden Hitzestress auswirkte.
Auswirkungen auch auf Innenräume
Das Team fand außerdem heraus, dass die Erwärmung durch Fahrzeuge nicht nur die Außentemperatur erhöht, sondern auch Innenräume aufheizt. Auf der Straße verursachte Hitze könne in Gebäude gelangen und dort den Bedarf an Klimaanlagen vergrößern, schreiben die Autoren.
Der Forscher Zhonghua Zheng von der Universität Manchester erklärte, die Forschung zur städtischen Wärmeentwicklung habe sich bisher auf Gebäude, Materialien und Bodenoberflächen konzentriert. Nun sei es möglich zu berechnen, wie sich die Temperaturen von Fahrzeugen sowie Straßen, Gebäuden und der Umgebung beeinflussen.
Verkehr als Hauptfaktor für urbane Hitzeinseln
In vielen Fällen trage der Verkehr ähnlich viel oder sogar mehr zum Entstehen urbaner Hitzeinseln bei wie Gebäude. Zusätzlich kann man mit dem Modell unterschiedliche Fahrzeugarten untersuchen. So kann beispielsweise simuliert werden, wie sich die Hitzebelastung verändert, wenn mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind.
Diese erzeugen nur einen Bruchteil der Abwärme von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die Studie unterstreicht damit die Bedeutung nachhaltiger Mobilitätskonzepte für das Stadtklima und die Gesundheit der Bewohner.



