Jugendfeiern erleben Renaissance: Berlin und Brandenburg feiern den Übergang ins Erwachsenenalter
Die Plüschtiere im Regal erinnern noch an die Kindheit, doch Matilda Zachäus aus Berlin-Mahlsdorf bereitet sich bereits intensiv auf ihren großen Tag vor. Am 30. Mai wird die 14-Jährige ihre Jugendfeier feiern – ein Ereignis, das sie als „Mein Tor ins Erwachsenwerden“ bezeichnet. Ihr Zimmer hat sie schon länger in ein Jugendzimmer verwandelt, und nun steht die große Gartenfeier mit Zelten und vielen Gästen bevor. „Ich merke, wie viel Mühe sich meine Eltern geben. Wenn ältere Freunde erzählen, dass es ein Highlight war, bin ich sehr gespannt“, sagt die Achtklässlerin.
Steigende Teilnehmerzahlen nach pandemiebedingtem Einbruch
Matilda ist eine von fast 8.500 Jugendlichen, die 2026 in Berlin und Brandenburg an einer Jugendfeier teilnehmen werden. Katrin Raczynski, Vorstandsvorsitzende des Humanistischen Verbands Berlin-Brandenburg, bestätigt, dass die Zahlen seit Jahren wachsen. Auch der Verein Jugendweihe Berlin/Brandenburg verzeichnet eine wieder steigende Nachfrage. Vizepräsident Sebastian Gohlke spricht von einer deutlichen Erholung nach dem pandemiebedingten Tiefstand 2025. Der Verein begrüßt jährlich etwa 3.000 Jugendliche im Kreis der Erwachsenen.
Tradition mit wechselvoller Geschichte
Die Jugendweihe und die spätere Jugendfeier blicken auf eine lange Tradition zurück. Bereits 1889 fand in Berlin die erste proletarische Jugendweihe statt – eine klare Abgrenzung von kirchlichen Festen wie Firmung und Konfirmation. Im 20. Jahrhundert durchlief das Ritual mehrere politische Brüche, besonders in der DDR, wo es staatlich organisiert und ideologisch aufgeladen wurde. Nach 1990 trafen Ost- und Westtraditionen wieder aufeinander, und der Begriff „Jugendfeier“ entstand, um die humanistische, weltliche Ausrichtung zu betonen.
Persönliche Geschichten: Matilda und Ole
Für Matilda war die Entscheidung klar: „Ich bin nicht gläubig und stehe mit keiner Religion in Verbindung. Deshalb passt die Jugendfeier besser zu mir“. Sie freut sich besonders auf das Zusammensein mit Familie und Freunden. Anders ergeht es Ole Wolf aus Berlin-Lichtenberg. Der 13-Jährige, der im Mai seine Jugendweihe feiert, stellte in seiner Klasse fest, dass viele Mitschüler das Ritual nicht kennen. „Manche wussten nicht mal, was Jugendweihe ist“, berichtet er. Seine eigene Entscheidung fiel jedoch früh, inspiriert durch die Erzählungen seiner Eltern.
Workshops und emotionale Momente
Die Jugendfeiern werden von freiwilligen Workshops begleitet, ohne Pflichtstunden. Matilda hat das Theaterprojekt im Friedrichstadt-Palast gewählt und war bei einem Eisbären-Eishockeyspiel. „Ich bin so froh, dass es so etwas gibt“, sagt sie. Ole dagegen hat bisher wenig vom Programm mitbekommen und wünscht sich mehr Vorbereitung. Die emotionale Bedeutung zeigt sich oft erst im Moment der Feier. Gohlke beschreibt: „Nicht selten sieht man die eine oder andere Träne“. Raczynski betont, dass viele den Sinn des Übergangsrituals erst in der Rückschau voll erfassen.
Alternative Angebote und finanzielle Aspekte
Neben den weltlichen Feiern bleiben kirchliche Wege wichtig. Im Erzbistum Berlin könnte 2026 das stärkste Firmjahr seit rund zehn Jahren werden. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz verzeichnete 2023 und 2024 jeweils rund 3.900 Konfirmationen. Seit 2024 gibt es zudem die Lebenswendefeier, ein wachsendes Angebot für Jugendliche ohne Konfessionsbindung. Finanziell spielen Geschenke für einige Jugendliche eine Rolle, doch wie Ole sagt: „Größtenteils ist es die Feier selbst, dieses Ritual mit der Familie“, das im Vordergrund steht.



