Lehrer schildern in Buch rechtsextreme Vorfälle an Brandenburger Schule
Lehrer berichten über Nazi-Parolen im Schulalltag

Lehrer schildern rechtsextreme Vorfälle an Brandenburger Schule in neuem Buch

Die Lehrer Max Teske und Laura Nickel haben ihre Erfahrungen mit rechtsextremistischen Vorfällen im Schulalltag in dem Buch „Rechtsruck im Klassenzimmer“ verarbeitet. Die beiden Pädagogen schlagen Alarm wegen rechter Ideologien an einer Schule in Brandenburg und kritisieren das weitverbreitete Wegsehen bei solchen Vorfällen.

Von Brandbrief zu Buchveröffentlichung

Im April 2023 waren Teske und Nickel mit einem Brandbrief über rechte Vorfälle an einer Schule im Spreewald-Ort Burg an die Öffentlichkeit gegangen und bundesweit bekannt geworden. Für die einen waren sie „Nestbeschmutzer“, andere sehen sie als mutige Vorbilder im Eintreten gegen Rechtsextremismus an Schulen. „Schweigen ist definitiv keine Option“, betonen die beiden Lehrer in ihrem neu erschienenen Buch „Rechtsruck im Klassenzimmer. Wie neurechte Ideologien die Schulen durchsetzen und unsere Kinder bedrohen“.

Alltag mit Hakenkreuzen und Drohungen

Aus dem Schulalltag mit Hakenkreuzen, rassistischen Sprüchen und Drohungen berichten die Autoren detailliert. „Wenn Lehrkräfte einen Hitlergruß als dummen Jungenstreich abtun, haben die an einer Schule nichts zu suchen“, hatte Teske bereits 2024 erklärt. Die Gemeinde Burg liegt rund 20 Kilometer von Cottbus entfernt in einer Region in Südbrandenburg, die eine AfD-Hochburg ist.

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Nach massiven Anfeindungen aus der rechten Szene und Bedrohungen verließen die beiden Lehrer die Schule in Burg, wo sie sich zu wenig unterstützt sahen. „Verpisst euch nach Berlin“ stand im Ort auf Stickern mit ihren Gesichtern. Die Pädagogen rechneten damals auch mit Übergriffen.

Keine Randerscheinung mehr

Rechtsextreme und antisemitische Vorfälle an Schulen sind längst keine Randerscheinung in Deutschland. Nach Angaben des Brandenburger Bildungsministeriums gab es im Schuljahr 2024/2025 insgesamt 537 gemeldete Vorfälle, im Vorjahr waren es 783. Sachsen meldete 2025 einen Höchststand mit 245 Fällen. Die Erfassung kann jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein.

Die Zeitung „Die Welt“ nahm Akteneinsicht beim Bildungsministerium in Potsdam und schilderte konkrete Fälle. An der Oberschule in Rathenow im Havelland erschien eine Schülerin mit einem T-Shirt, auf dem stand: „Sonnenstudio 88 - Auch ohne Sonne braun.“ Die Zahl 88 steht bei Rechtsextremisten für „Heil Hitler“.

Alltägliche Normalität des Hasses

„Es ist normal, dass an dem Ort, an dem junge Menschen lernen sollen, ein Strichmännchen mit erhobenem Arm neben einem eingeritzten Hakenkreuz steht“, beschreiben Teske und Nickel ihre Beobachtungen. „Jeder weiß es. Schülerinnen und Schüler wissen es. Lehrkräfte wissen es. Schulleitungen wissen es. Wahrscheinlich haben es auch Eltern gesehen, wenn sie nach langen Elternabenden die Klassenzimmer verließen. Und doch: Es interessiert kaum jemanden.“

Forderungen und Handlungsempfehlungen

In ihrem Buch sprechen die Autoren die Gefahren an, wenn rechte Ideologien scheinbar harmlos verpackt in sozialen Medien gepostet werden. Sie können der viel diskutierten Einführung einer Altersgrenze für Tiktok, Instagram und Co viel abgewinnen und fordern:

  • Eine Stärkung der politischen Bildung an Schulen
  • Mehr Engagement gegen Rechtsextremismus im Schulalltag
  • Bessere Unterstützung für betroffene Lehrkräfte

In einem Kapitel geben sie konkrete Handlungsempfehlungen. Es sei wichtig, sich Verbündete zu suchen und sich zu vernetzen, heißt es unter anderem. Teske und Nickel gründeten mit anderen Engagierten das Bündnis „Schule für mehr Demokratie“.

Anerkennung und Auszeichnung

Einige Monate nach ihrem Brandbrief erhielten die beiden Lehrer einen Preis für Zivilcourage. „Wir glauben fest daran, dass eine Veränderung möglich ist. Aber nur, wenn wir uns alle trauen, Haltung zu zeigen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, schreiben Teske und Nickel, die 2023 den Zivilcourage-Preis erhielten.

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Aus dem Lausitz-Ort Spremberg kam 2025 ein weiterer Hilferuf. Die Bürgermeisterin beklagte in einem offenen Brief, dass sich Gedankengut der rechtsextremen Szene zunehmend bemerkbar mache. Vor Schulen warb eine rechtsextreme Partei mit Flyern.

Die beiden Lehrer wollen mit ihrem Buch nicht nur kritisieren, sondern auch aufzeigen, wie Schulen reagieren können. Sie schildern Projekte in unterschiedlichen Bundesländern und betonen: Der Kampf gegen Rechtsextremismus an Schulen erfordert den Mut aller Beteiligten.