MV Werften: Asiaten fordern Millionen-Schadensersatz vom Land
MV Werften: Millionen-Klagen gegen das Land

Die Insolvenz der MV Werften beschäftigt die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auch vier Jahre später noch. Der malaysische Konzern Genting Hong Kong und seine Muttergesellschaft Golden Hope haben Klagen auf Schadensersatz gegen das Land eingereicht. Die Forderungen könnten eine dreistellige Millionenhöhe erreichen.

Hintergrund: Geplatzter Traum vom Kreuzfahrtschiffbau

Genting hatte die MV Werften mit Standorten in Wismar, Stralsund, Warnemünde und Bremerhaven im Jahr 2016 übernommen. Ziel war der Bau der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Die Landespolitik feierte den Konzernchef Tan Sri Lim Kok Thay zunächst als Retter der Werften, die zuvor immer wieder in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten. Geplant waren Schiffe mit bis zu 9000 Passagieren. Der Prototyp „Golden Dream“ mit einer Länge von 342 Metern wurde auf den Werften im Nordosten gebaut.

Corona-Krise führt zum Bruch

Die Fertigstellung unter Genting scheiterte jedoch. Während der Corona-Pandemie brachen dem Tourismus- und Glücksspielkonzern die Einnahmen weg. Bundes- und Landesregierungen halfen zunächst mit Bürgschaften und Darlehen. Zum Jahreswechsel 2021/22 stoppte die Landesregierung in Schwerin jedoch eine zugesagte Finanzierung von 88 Millionen US-Dollar. Die Begründung: Das Geld hätte vor allem den angeschlagenen Genting-Konzern gestützt, nicht aber die Werften im Nordosten.

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Klagen vor dem Landgericht Schwerin

Genting Hong Kong und Golden Hope haben nun Klagen beim Landgericht Schwerin eingereicht. Gerichtssprecher Fabian Feilert erklärte: „Gegenstand der Verfahren ist jeweils die Forderung nach Schadensersatz, die sich aus der Nichterfüllung einer Finanzierungszusage im Jahr 2021 ergeben könnte.“ Das Finanzministerium in Schwerin bestätigte die Klagen. Demnach fordern beide Unternehmen Schadensersatz für das nicht ausgezahlte Darlehen. Golden Hope verlangt zusätzlich 30 Millionen US-Dollar, weil das Unternehmen damit Genting kurz vor der Insolvenz stabilisieren wollte.

Aus dem Ministerium hieß es, die Kläger versuchten, „das Land für Schäden infolge der Insolvenz von Genting Hong Kong haftbar zu machen, obwohl das Land für den Zusammenbruch des Gesamtkonzerns aufgrund der Folgen der Corona-Krise nicht verantwortlich ist und diesen auch nicht hätte verhindern können.“

Minister Geue verteidigt Entscheidung

Finanzminister Heiko Geue (SPD) steht weiterhin zu der Entscheidung von 2021. „In der Rückschau haben wir richtig gehandelt, dass wir den Kredit damals nicht ausgezahlt haben“, sagte er dem Nordkurier. „Er wäre nicht den MV Werften zugutegekommen.“ Wie lange die Gerichtsverfahren dauern werden, ist unklar. Bislang gab es jeweils eine mündliche Verhandlung, so der Gerichtssprecher.

Finanzielle Folgen für das Land

Falls das Land zu Zahlungen verurteilt wird, würde der Schaden aus der Werftenpleite weiter steigen. Aktuell beziffert das Finanzministerium den Verlust auf rund 260 Millionen Euro. Damit liegt die Pleite der MV Werften in einer ähnlichen Größenordnung wie die der P+S-Werften im Jahr 2012. Die Insolvenzverfahren verschiedener Gesellschaften sind noch nicht abgeschlossen.

Positive Wendung für die „Golden Dream“

Das unfertige Kreuzfahrtschiff „Golden Dream“ fand schließlich eine neue Zukunft. Die Wismarer Werft baute es für den Disney-Konzern fertig. Anfang 2025 verließ das Schiff als „Disney Adventure“ die Werft und startete von Bremerhaven aus in Richtung Singapur.

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