Bisher unbekannte DDR-Fotos enthüllen neue Details zum legendären Berliner Spionagetunnel
Neue DDR-Fotos zeigen legendären Berliner Spionagetunnel

Bisher unbekannte DDR-Fotos enthüllen neue Details zum legendären Berliner Spionagetunnel

Genau 70 Jahre nach der spektakulären Entdeckung eines Spionagetunnels der Amerikaner unter ostdeutschem Gebiet bringt eine neue Dokumentation bislang unveröffentlichte Informationen und Fotografien ans Licht. Die Aufnahmen stammen aus einer Fotodokumentation, die noch in der DDR entstand und nun dem Verein Berliner Unterwelten übergeben wurde.

Die Operation Gold: Ein Meisterwerk der Spionage

Der Spionagetunnel war eine hochgeheime Geheimdienstoperation zu Beginn des Kalten Krieges. Der amerikanische Geheimdienst CIA und der britische Secret Intelligence Service (SIS) planten, die streng geheimen Telefonleitungen des sowjetischen Oberkommandos abzuhören. Dafür bauten sie zwischen 1954 und 1955 einen beeindruckenden 430 Meter langen Tunnel, der vom Stadtteil Rudow im amerikanischen Sektor nach Altglienicke im sowjetischen Sektor führte.

Von Mai 1955 bis April 1956 gelang es den Alliierten, über 400.000 Telefonate der sowjetischen Armee abzuhören. Doch was sie nicht wussten: Ein Doppelagent hatte den Tunnel bereits verraten, und der sowjetische Geheimdienst KGB war von Anfang an informiert. Der KGB ließ das Projekt bewusst weiterlaufen, um seinen wertvollen Doppelagenten nicht zu gefährden.

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Die propagandistische Inszenierung der DDR

In der Nacht vom 21. auf den 22. April 1956 führte ein heftiges Unwetter zu Störungen an verschiedenen Telefonleitungen. Der Tunnel wurde in dieser Nacht angeblich bei Reparaturarbeiten von sowjetischen und ostdeutschen Fernmeldetechnikern entdeckt. Die DDR nutzte diesen Fund umgehend für umfangreiche Propagandaberichterstattung, organisierte Pressetermine und ermöglichte sogar öffentliche Besichtigungen des Tunnels.

Der Dokumentationsband mit historischen Einblicken

Der neue Dokumentationsband „Operation Gold. Der Spionagetunnel in Berlin“ mit 224 Seiten zeigt nun 181 Abbildungen, viele davon aus DDR-Beständen. Die Fotos aus der Luft, vom Boden und aus dem Tunnelinneren dokumentieren eindrucksvoll den Verlauf und die mit riesigem Aufwand installierte Technik. Zu sehen sind:

  • Wellblechdach und Sandsäcke als Schutzvorrichtungen
  • Stahldraht und Laufbohlen für die Konstruktion
  • Belüftungsrohre und Wasserrohre für den Betrieb
  • Strom- und Signalleitungen für die Abhörtechnik
  • Angezapfte Telefonkabel als Ziel der Operation

Die Autoren des Bandes sind Dietmar Arnold, Stadtplaner und Mitgründer des Vereins Berliner Unterwelten, sowie Helmut Müller-Enbergs, Politikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Geschichte der Nachrichtendienste.

Buchvorstellungen und öffentliche Präsentationen

Das Buch wird am Dienstag, den 21. April, um 19.00 Uhr im Berliner Spionagemuseum am Leipziger Platz vorgestellt, wofür eine vorherige Anmeldung erforderlich ist. Zusätzlich gibt es am Mittwoch, den 22. April, um 19.00 Uhr eine Vorstellung in einem Livestream der Berliner Unterwelten, der einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

Diese neue Dokumentation bietet nicht nur historisch wertvolle Einblicke in eine der spektakulärsten Spionageoperationen des Kalten Krieges, sondern zeigt auch, wie beide Seiten – die westlichen Geheimdienste und die DDR-Propaganda – diese unterirdische Infrastruktur für ihre jeweiligen Zwecke nutzten.

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