Newcastle-Krankheit kehrt zurück: Geflügelbetriebe in Alarmbereitschaft
Nach drei Jahrzehnten Abwesenheit ist die Newcastle-Krankheit, auch als atypische Geflügelpest bekannt, wieder in Deutschland aufgetaucht und verursacht erhebliche Schäden in der Geflügelwirtschaft. Besonders betroffen sind die Bundesländer Brandenburg und Bayern, wo bereits rund 1,2 Millionen Tiere, darunter hunderttausende Legehennen, getötet werden mussten. Dieser Ausbruch kommt zur Unzeit, da die Osterzeit traditionell eine hohe Nachfrage nach Eiern mit sich bringt.
Ausbrüche in Brandenburg und Bayern mit weitreichenden Folgen
Seit Ende Februar wurden in Brandenburg fünf Fälle der hochansteckenden Tierseuche gemeldet, wobei besonders große Legehennen-Betriebe im Landkreis Dahme-Spreewald betroffen sind. Allein in zwei Anlagen mussten 510.000 und 375.000 Tiere gekeult werden. Auch in Bayern sind Ausbrüche registriert worden, während andere Bundesländer in Sorge um eine weitere Ausbreitung sind. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) berichtet zudem von Fällen in Polen, Tschechien und der Slowakei, was auf einen möglichen Eintrag durch Waren- oder Personenverkehr hindeutet.
Eierangebot vor Ostern unter Druck
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) gibt an, dass das Eierangebot im Handel zwar knapp, aber derzeit stabil sei. Allerdings trifft die hohe Nachfrage, mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 252 Eiern pro Jahr in Deutschland, auf ein geschwächtes Angebot aufgrund der Seuche. Hans-Peter Goldnick, Präsident des ZDG, betont, dass die betroffenen Betriebe mit persönlichen Schocksituationen konfrontiert sind, und der wirtschaftliche Schaden noch nicht vollständig absehbar ist. Die Ersatzzeit für Zuchttiere ist lang, was zu einem größeren Loch in der Produktion führt als bei Mastbetrieben.
Ursachen und Herausforderungen trotz Impfpflicht
In Deutschland gilt eine Impfpflicht gegen die Newcastle-Krankheit, doch Infektionen sind dennoch möglich. Geimpfte Tiere sind zwar schwerer zu infizieren und scheiden weniger Virus aus, was die frühzeitige Erkennung erschwert. Experten vermuten, dass ein Erreger im Umlauf sein könnte, der nicht durch den Impfschutz abgedeckt ist. Mögliche Quellen für den Ausbruch liegen in einem hohen Infektionsdruck aus osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien und Litauen. Das Virus wird über Körpersekrete und Kot erkrankter Tiere ausgeschieden, und auch Eier können kontaminiert sein.
Maßnahmen zur Eindämmung und Risiken
Die betroffenen Landkreise haben Schutz- und Überwachungszonen mit einem Radius von mindestens drei bis zehn Kilometern eingerichtet. Tierhalter müssen Hygienemaßnahmen wie Desinfektion und Schutzkleidung verstärken, und Vögel müssen in Stallungen gebracht werden, um sie von wildlebenden Tieren abzusondern. Das FLI warnt vor einer erhöhten Gefährdungslage für Geflügelhaltungen und andere Vogelhaltungen, da auch die klassische Geflügelpest noch grassiert. Eine Entspannung der Lage in Brandenburg und Bayern ist derzeit nicht in Sicht.
Obwohl eine Infektion des Menschen als sehr selten gilt und meist nur zu Bindehautentzündungen führt, ist die konsequente Umsetzung von Biosicherheitsmaßnahmen entscheidend. Vom Kleinstbetrieb bis zu großen Anlagen müssen alle Vorkehrungen strikt eingehalten werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.



