Die private Haltung von Raubkatzen in Deutschland birgt eine schlummernde Gefahr, wie ein Vorfall in Schkeuditz bei Leipzig zeigt. Ein Tiger entkam am Wochenende aus einem privaten Gehege, griff einen 73-jährigen Mann an und verletzte ihn. Das Tier floh in eine gut besuchte Gartenanlage, wo es von der Polizei erschossen werden musste. Dieser Vorfall könnte sich vielerorts wiederholen, denn die private Haltung von Raubkatzen und anderen gefährlichen Exoten ist in Deutschland nicht verboten.
Uneinheitliche Regelungen in den Bundesländern
Während in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg keinerlei Beschränkungen oder Verbote existieren, gibt es in Nordrhein-Westfalen lediglich eine Regelung für Gifttiere. Löwen, Tiger oder Krokodile können dort ohne Einschränkungen gehalten werden, sofern die Haltung beim örtlichen Veterinäramt angemeldet und ein geeignetes Gehege nachgewiesen wird. Verlässliche Zahlen zur Anzahl der privat gehaltenen Raubkatzen fehlen, da sie nicht zentral erfasst werden. Schätzungen gehen von bundesweit rund 130 bis 160 Tigern sowie zahlreichen Löwen aus. Die Tierrechtsorganisation Peta vermutet eine hohe Dunkelziffer illegal gehaltener Tiere.
Gefahren durch Ausbrüche und Aussetzungen
Besonders gefährlich wird es, wenn Tiere aus ihren Gehegen ausbrechen oder aufgrund hoher Kosten bewusst freigelassen werden. Im Sommer 2023 sorgte eine vermeintlich entlaufene Löwin in Kleinmachnow (Brandenburg) für Schlagzeilen, die sich später als Wildschwein herausstellte. Ausbrüche aus Zoos oder Zirkussen sind selten, häufiger entweichen Gift- und Würgeschlangen aus privaten Terrarien.
Kritik an laschen Regeln
Der Vorfall in Schkeuditz zeigt nach Ansicht von Peta, dass die Haltung gefährlicher Wildtiere in Privathand nicht ausreichend sicher sei. Die Organisation fordert eine Verschärfung der Gesetzgebung. Auch professionelle Halter kritisieren die mangelnde Vorbereitung von Privatpersonen auf Notfälle. Christian Walliser, Cheftierpfleger im Zoo und Freizeitpark Tatzmania in Löffingen, betont gegenüber der Südwest Presse, dass private Halter im Gegensatz zu ausgebildeten Fachkräften oft nicht wissen, wie sie bei einem Ausbruch reagieren sollen.
Leiden der Tiere und hohe Kosten
Neben der Gefahr für Menschen leiden die Tiere häufig unter mangelhafter Haltung. In Stuttgart entdeckten Mitarbeiter des Veterinäramts Anfang des Jahres 47 Riesenschlangen in einem Wohnhaus, die unter miserablen Bedingungen gehalten wurden. 13 waren bereits verendet, die restlichen in schlechtem Zustand. Die Haltung großer Raubkatzen stellt noch höhere Herausforderungen: Löwen als Rudeltiere dürfen nicht allein gehalten werden. Die Kosten für Unterbringung und Futter belaufen sich auf rund 100 bis 150 Euro pro Tier und Tag. Walliser wünscht sich einheitliche und strengere Regeln und stellt klar: „Eine Privatperson hat keine Giftschlangen oder Raubkatzen zu halten.“



