Gegensätzliche Perspektiven: Syrische Geflüchtete in Berlin zwischen Hoffnung und Angst
In Berlin leben zwei syrische Geflüchtete, deren Lebenswege sich 2015 kreuzten, als sie vor dem Krieg flohen. Heute teilen sie zwar die deutsche Hauptstadt als neue Heimat, doch ihre Visionen für die Zukunft Syriens könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die bekannte TV-Köchin Malakeh Jazmati voller Optimismus den Wiederaufbau ihres Heimatlandes vorantreiben möchte, kämpft der Neurologe Tameem Alhammoud mit traumatischen Erlebnissen und tiefen Sicherheitsbedenken.
Die Unternehmerin: Engagement für Frauenrechte und praktische Hilfe
Malakeh Jazmati, 39 Jahre alt und im arabischen Raum als Fernsehköchin bekannt, empfing kürzlich den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin. Bei diesem Treffen betonte sie die Notwendigkeit, Frauen in Syrien zu stärken und die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft zu überwinden. Al-Scharaa, ehemaliger Anführer der Islamistenmiliz HTS, die Ende 2024 Baschar al-Assad stürzte, zeigte sich laut Jazmati offen für diese Themen.
Die ambitionierte Köchin plant die Gründung einer Organisation in Syrien, die sich für Gleichberechtigung und bessere Bildungszugänge einsetzen soll. Bereits zum sechsten Mal reiste sie nach Damaskus, um durch Fortbildungen für Hotelpersonal beim Wiederaufbau mitzuwirken. „Syrien braucht uns jetzt“, erklärt Jazmati mit Überzeugung. Sie betont jedoch, dass der Prozess schrittweise erfolgen müsse, da viele Regionen noch zerstört seien und eine Rückkehr aller Geflüchteten gleichzeitig nicht möglich wäre.
Ihr Restaurant in Berlin-Schöneberg, in dem bereits Angela Merkel Platz nahm, läuft auch in ihrer Abwesenheit erfolgreich. Jazmati sieht ihre Zukunft sowohl in Deutschland als auch in Syrien und hofft, dass viele Landsleute freiwillig zurückkehren werden, sobald die Infrastruktur wiederhergestellt ist.
Der Arzt: Traumatische Verluste und anhaltende Unsicherheit
Ganz anders erlebt Tameem Alhammoud, 39-jähriger Neurologe und deutscher Staatsbürger, die Situation. Als Angehöriger der drusischen Minderheit wurde sein Vater im Juli 2025 von Regierungstruppen im eigenen Haus erschossen. Dieses traumatische Ereignis, verbunden mit der Zerstörung des elterlichen Hauses, macht eine Rückkehr für ihn undenkbar.
„Die deutsche und europäische Politik ist super naiv“, kritisiert Alhammoud mit Blick auf die Unterstützung für Übergangspräsident al-Scharaa. Er warnt vor der Radikalisierung in Syrien und den anhaltenden Gewaltwellen gegen Minderheiten wie Drusen, Alawiten und Kurden. Seine Familie lebt weiterhin in Angst, und seine Nichte verlor sogar ihren Studienplatz aufgrund ihrer drusischen Herkunft.
Für Alhammoud ist die Debatte um Rückkehr polemisch. Er unterscheidet klar zwischen Straftätern oder Islamisten und gefährdeten Minderheiten. Statt einer Rückkehr unterstützt er seine Heimatprovinz Suweida durch einen Verein aus Deutschland heraus und wünscht sich eine sichere Zukunft in Berlin, frei von Radikalismus.
Zwei Realitäten, eine gemeinsame Herkunft
Während Jazmati als sunnitische Muslimin optimistisch in die Zukunft blickt und die Einheit aller Syrer betont, kämpft Alhammoud mit den Folgen von Verfolgung und Verlust. Beide verkörpern die komplexe Realität syrischer Geflüchteter in Deutschland: die Sehnsucht nach Heimat, gepaart mit den Herausforderungen von Trauma und Unsicherheit. Ihre Geschichten zeigen, dass der Weg zum Frieden in Syrien noch lange und steinig sein wird.



