Warum Wölfe in Brandenburg Städte meist schnell wieder verlassen - Experten erklären Unterschied zu Hamburg
Warum Wölfe Brandenburgs Städte schnell wieder verlassen

Warum Wölfe in Brandenburg Städte meist schnell wieder verlassen

Während sich in Hamburg kürzlich ein Wolf in eine Einkaufspassage verirrte und dabei eine Frau verletzte, bleiben solche Vorfälle in Brandenburg und Berlin laut Experten des Landesumweltamtes (LfU) äußerst selten. Der entscheidende Unterschied liegt in den geografischen Gegebenheiten und dem natürlichen Verhalten der Tiere.

Hamburger Vorfall: Eine außergewöhnliche Situation

Der Hamburger Wolf befand sich laut LfU-Sprecher Thomas Frey in einer extremen Stresssituation. „Vermutlich wurde das Tier von Norden kommend durch die sehr breite Elbmündung daran gehindert, weiter zu wandern“, erklärte Frey. Der Wolf habe bereits mehrere Tage in Stadtbezirken nördlich der Elbe festgesteckt, was zu zunehmender Orientierungslosigkeit führte. „Diese außergewöhnliche Situation, dass sich ein Wolf in ein Einkaufszentrum verläuft, ist eine Folge von Stress und nicht von verlorener Scheu vor Menschen“, betonte die Fachbehörde.

Brandenburgs Städte: Natürliche Auswege vorhanden

Im Gegensatz zu Hamburg fehlen in Brandenburger Städten oder Berlin solche quasi unüberwindbaren Barrieren. „Havel oder Spree können einfach durchschwommen werden“, so das LfU. „Die Chance in diesen Städten ist daher größer, dass ein Wolf, der sich verirrt, weitgehend unbemerkt wieder herausfindet oder um diese Städte herumwandern kann.“

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Das Landesamt für Umwelt ist in Brandenburg die zuständige Fachbehörde für Wölfe und überwacht die Wolfspopulation, dokumentiert Sichtungen und Spuren sowie den Umgang mit Problemwölfen.

Warum Wölfe überhaupt in Städte kommen

Junge Wölfe verlassen nach Erreichen der Geschlechtsreife ihr Rudel, um Inzucht zu vermeiden. „Diese Abwanderung verhindert die Fortpflanzung zwischen Familienmitgliedern“, erklärt das LfU. Die Tiere durchstreifen dann hunderte Kilometer auf der Suche nach einem geeigneten Revier – ohne Navigationssystem.

„Die wandernden Wölfe folgen keiner Karte. Nahrungsverfügbarkeit, Revierstreitigkeiten, Duftmarken, Leitlinien in der Landschaft und Barrieren bestimmen eher zufällig als gerichtet den Verlauf der Wanderung“, so die Experten. Diese unterschiedlichen Impulse könnten einen Wolf auch in die Nähe einer Stadt oder sogar Großstadt führen.

Vergangene Vorfälle in Brandenburg

In den vergangenen Jahren führten solche Wanderungen Wölfe nach Rathenow, Frankfurt (Oder), an den Stadtrand von Potsdam und Berlin sowie in unzählige Dörfer Brandenburgs – ohne dass Menschen zu Schaden kamen. „Meist blieb es bei kurzen Episoden, oft nur wenige Stunden lang“, berichtet das LfU. „Denn so viele Wege in die vergleichsweise grünen Städte und Dörfer Brandenburg hineinführen, so viele führen auch hinaus.“

Ein besonderer Fall ereignete sich, als ein in Mecklenburg-Vorpommern besenderter Jungwolf auf seiner Wanderung nach Süden kurz vor der Berliner Stadtgrenze in einem Garten feststeckte und befreit werden musste. Brandenburg zählt zu den Bundesländern mit den meisten Wölfen in Deutschland.

Gefährlichkeit von Wölfen bleibt unverändert

Obwohl es sich beim Hamburger Vorfall um den ersten Biss durch einen wildlebenden Wolf in Deutschland seit der Wiederbesiedlung handelt, betont das LfU: „Dies ist kein Präzedenzfall, der die Einschätzung der Gefährlichkeit von Wölfen in Deutschland verändern würde.“

Der Wolf habe von sich aus keine Aggressivität gezeigt, sondern sich gegen eine als Bedrohung empfundene Annäherung verteidigt, weil ihm eine Flucht nicht möglich gewesen sei. Arne Vaubel, Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, plädierte für die Freiheit des Wolfs: „Das Tier hat nicht mit Absicht angegriffen, sondern aus einer Panik heraus.“

Beim Verscheuchen von Wölfen dürften diese nicht in die Enge getrieben werden, um ähnliche Situationen zu vermeiden.

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