Wölfe in Spremberg: Essensreste locken Tiere an - Wirkt die gezielte Vertreibung?
In der Lausitz-Stadt Spremberg stellen ungesicherte Essensreste auf Komposthängen und überfüllte Mülltonnen eine ständige Versuchung für Wölfe dar. Trotz erster Abschreckungsmaßnahmen durch die Behörden kehren die Tiere immer wieder in die besiedelten Gebiete zurück, um nach leicht zugänglicher Nahrung zu suchen. Das Landesamt für Umwelt (LfU) warnt eindringlich vor einer zunehmenden Gewöhnung der Wölfe an den Menschen und appelliert erneut an die Bevölkerung, potenzielle Futterquellen konsequent zu beseitigen.
Experten setzen auf gezielte Vergrämung der Wölfe
Die Fachleute des LfU setzen ihre Maßnahmen zur Abschreckung der Wölfe fort, die als gezielte Vergrämung bezeichnet werden. Dabei kommen Methoden wie Gummigeschosse, grelles Licht oder laute Geräusche zum Einsatz, um den Tieren den Aufenthalt in der Stadt mit negativen Erfahrungen zu verknüpfen. „Es handelt sich um einen aufwendigen Fall, den wir in dieser Form bislang nicht kannten“, erklärt Lars Lachmann, Referatsleiter für Artenschutz beim Landesamt für Umwelt. Die Vergrämung soll die Wölfe davon abhalten, wiederzukommen, doch eine nachhaltige Wirkung ist nur erreichbar, wenn gleichzeitig die Nahrungsquellen verschwinden.
Bürger in der Pflicht: Bußgeld bei Nachlässigkeit
Die Stadt Spremberg betont, dass eine dauerhafte Lösung nur durch das gemeinsame Handeln aller Bürger möglich ist. „Eine nachhaltige Wirkung kann jedoch nur erreicht werden, wenn gleichzeitig leicht zugängliche Nahrungsquellen konsequent beseitigt werden“, teilt die Stadtverwaltung mit. Allerdings gibt es nach Angaben von Experten wie Lachmann einige wenige uneinsichtige Bürger, die ihrer Verantwortung nicht nachkommen. In einem konkreten Fall wurde bereits ein Bußgeld angedroht, um die Einhaltung der Vorschriften durchzusetzen.
Situation der Wölfe in Spremberg und Umgebung
In den vergangenen Monaten wurden wiederholt Wölfe im Stadtgebiet von Spremberg und in den umliegenden Ortsteilen gesichtet. Laut LfU handelt es sich dabei um einen oder mehrere Jungwölfe aus dem Jahr 2025. Die Tiere halten sich tagsüber überwiegend außerhalb des Stadtgebietes auf und meiden den Kontakt zum Menschen, wie die Stadt berichtet. In der Nacht jedoch suchen sie teilweise den besiedelten Bereich auf, um nach Nahrung zu fahnden. Hintergrund sind verschiedene leicht zugängliche, vom Menschen verursachte Nahrungsquellen, darunter:
- Ungesicherte oder wilde Komposthaufen mit Küchenabfällen und Essensresten
- Überfüllte Papierkörbe und Mülltonnen, die nicht sorgfältig verschlossen sind
- Ungeschützte Geflügelhaltungen, die für Wölfe eine einfache Beute darstellen
Gefahr der Futterkonditionierung und problematischen Verhaltens
Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die Wölfe aktiv Menschen nähern. Ihre natürliche Scheu ist weiterhin vorhanden. „Allerdings konnte der Verdacht bestätigt werden, dass das Auftreten der Tiere im Raum Spremberg auf eine sogenannte Futterkonditionierung zurückzuführen ist“, erklärt das LfU. Die Tiere haben gelernt, dass sie in den Siedlungen vergleichsweise leicht Nahrung finden. Dadurch besteht die ernste Gefahr, dass sich die Wölfe zunehmend an den Menschen gewöhnen und in Zukunft problematisches Verhalten entwickeln könnten. Lachmann verweist auf einen Erfolg in einem Spremberger Ortsteil, wo die Vergrämung bereits gewirkt hat: Ein Wolf, der zuvor Komposthaufen aufgesucht hatte, meidet seitdem die Gegend.
Rechtliche Rahmenbedingungen und mögliche Konsequenzen
Falls eine Vergrämung nicht wirkt oder nicht möglich ist, kann laut Wolfsverordnung ein Wolf getötet werden, wenn er problematisches oder aggressives Verhalten gegen Menschen zeigt. Der Wolf ist derzeit noch streng geschützt, soll aber künftig ins Jagdrecht aufgenommen werden. Dies würde einen Abschuss unter bestimmten Bedingungen erleichtern und neue rechtliche Möglichkeiten im Umgang mit den Tieren schaffen.
Empfehlungen für die Bevölkerung zum Schutz vor Wölfen
Die Stadt Spremberg und das LfU geben konkrete Handlungsempfehlungen, um die Anziehungskraft der Siedlungen auf Wölfe zu verringern:
- Keine Küchenabfälle oder Essensreste auf frei zugänglichen Komposthaufen entsorgen, da sich Wölfe nicht ausschließlich von Fleisch ernähren und auch pflanzliche Reste anlocken können.
- Tierfutter sollte vor allem in der Dämmerung und nachts nicht offen im Freien stehen gelassen werden, um keine zusätzlichen Anreize zu schaffen.
- Abfallbehälter müssen stets sorgfältig verschlossen sein, um Wölfe nicht durch Gerüche anzulocken.
- Nutztiere wie kleine Wiederkäuer und Geflügel sollen in Ställen gesichert oder durch elektrifizierte Netze geschützt werden, um Übergriffe zu verhindern.
Meldepflicht bei Wolfsbeobachtungen
Wer einen Wolf in Spremberg oder der Umgebung sichtet, sollte dies umgehend dem Landesamt für Umwelt melden. Wichtig sind dabei genaue Angaben zum Ort, Datum und Uhrzeit der Beobachtung sowie möglichst Foto- oder Videomaterial. Meldungen nimmt das LfU unter der Telefonnummer 0172/515 58 56 entgegen, auch per WhatsApp sowie an Wochenenden und Feiertagen. Durch zeitnahe Meldungen können die Behörden schneller reagieren und geeignete Maßnahmen einleiten.
Die Situation in Spremberg zeigt deutlich, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Abfällen und Nahrungsquellen ist, um Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu vermeiden. Nur durch gemeinsame Anstrengungen von Behörden und Bürgern kann eine dauerhafte Lösung gefunden werden, die sowohl den Artenschutz als auch die Sicherheit der Bevölkerung berücksichtigt.



