Erster Wolfsangriff auf Menschen in Deutschland: Frau in Hamburg gebissen
Erster Wolfsangriff in Deutschland: Frau in Hamburg gebissen

Erster dokumentierter Wolfsangriff auf Menschen in Deutschland

Hamburg-Altona, bekannt für seinen Fischmarkt und die Reeperbahn, erlangte am Abend des 30. März traurige Berühmtheit. Unweit eines Einkaufszentrums mit Filialen von Ikea, Aldi und Edeka griff erstmals in der modernen deutschen Geschichte ein Wolf einen Menschen an. Das Raubtier biss einer Frau gegen 19 Uhr ins Gesicht, die Verletzungen mussten im Krankenhaus genäht werden.

Polizei fängt Wolf in Hamburger Innenstadt

Nach der Attacke flüchtete das Tier durch mehrere Stadtteile bis in die Innenstadt, wo es am Jungfernstieg in die Binnenalster sprang. Polizeibeamte zogen den Wolf mit einer Schlinge aus dem Wasser und hielten ihn eine Stunde lang mit Schilden in Schach, bevor der Stadtjäger und die Umweltbehörde der Hansestadt das Tier übernahmen. Die genauen Umstände des Angriffs sind noch nicht vollständig geklärt, Gerüchten zufolge wollte die Frau den Wolf aus der Einkaufspassage lotsen.

Wolfsangriffe in Europa: Keine Seltenheit mehr

Bisher hatten Umwelt- und Tierschutzorganisationen solche Übergriffe selbst in ländlichen Gebieten weitgehend ausgeschlossen und die Scheu der Wölfe betont. Doch jüngste Vorfälle in Nachbarländern widerlegen diese Annahme:

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  • In der italienischen Provinz Trient griff Ende Februar ein Wolf eine Wanderin an, die mit Beinkratzern davonkam
  • In den Niederlanden schnappte sich im Juli vergangenen Jahres ein Wolf in der Provinz Utrecht einen sechsjährigen Jungen, den er in den Wald schleifen wollte
  • In den italienischen Abruzzen attackierte im November 2024 ein Wolf einen Bauern bei der Feldarbeit, der schwere Bisswunden erlitt

Europaweit sind zwischen 1950 und 2020 etwa 127 Wolfsangriffe auf Menschen dokumentiert worden. Weltweit wurden in den vergangenen 20 Jahren knapp 500 Attacken gezählt, davon 26 mit tödlichem Ausgang.

Historische Dimension: Frankreichs blutige Vergangenheit

Ein Blick in die Geschichte zeigt das potenzielle Gefahrenpotenzial: In Frankreich wurden zwischen 1200 und 1920 fast 10.000 tödliche Wolfsangriffe dokumentiert. Legendär ist die „Bestie des Gévaudan“, ein Wolf, der zwischen 1764 und 1767 im dünn besiedelten südfranzösischen Gebiet Gévaudan etwa 100 Kinder, Jugendliche und Frauen tötete.

Wachsende Wolfsbestände in Deutschland

Die Zahl der Wölfe in Deutschland hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugenommen. Laut Bundesamt für Naturschutz wurden im Monitoring-Jahr 2023/24 in bestätigten Territorien 1601 Wölfe gezählt. Der Deutsche Bauernverband schätzt die Population sogar auf bis zu 3300 Tiere. Besonders betroffen sind der Norden und Nordosten Deutschlands, während im Süden die Zahlen deutlich niedriger liegen.

Konsequenzen für Landwirtschaft und Politik

Die wachsende Wolfspopulation führt zu zunehmenden Konflikten mit der Landwirtschaft. In Baden-Württemberg wurden 2024 insgesamt 28 Schafe und Ziegen gerissen, in Mecklenburg-Vorpommern töteten Wölfe 2025 nach offiziellen Angaben 203 Nutztiere. Seit Ende März sind Wölfe im Bundesjagdgesetz verankert, was einen schnelleren Abschuss sogenannter Problemwölfe ermöglicht.

Schweiz als Vorreiter bei Wolfsregulierung

Die Schweiz geht bereits seit längerem rigoros gegen Wölfe vor. Allein während einer festgelegten Abschussphase von September 2025 bis Ende Januar 2026 erlegten Jäger und Wildhüter 89 Wölfe, die meisten davon im Kanton Graubünden. Dort schleichen Wölfe im Winter durch entlegene Bergdörfer, was bei Eltern große Ängste um ihre Kinder auslöst.

Verhalten bei Wolfsbegegnungen

Umweltschutzorganisationen wie der World Wide Fund for Nature raten bei Wolfsbegegnungen zu bestimmtem Verhalten: Laut sprechen oder in die Hände klatschen, nicht weglaufen, allenfalls langsam zurückgehen. Folgt das Raubtier, sollte man versuchen, es einzuschüchtern – durch Schreien, sich aufplustern oder Werfen von Gegenständen. Für den Fall, dass diese Maßnahmen nicht wirken, geben die Organisationen jedoch keine weiteren Ratschläge.

Der Vorfall in Hamburg markiert einen Wendepunkt in der deutschen Wolfsdebatte und wirft grundlegende Fragen zum Umgang mit großen Raubtieren in dicht besiedelten Gebieten auf.

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