Weinbau-Tradition in Burg Stargard: Winzerverein feiert 25-jähriges Jubiläum
In der malerischen Kleinstadt Burg Stargard in Mecklenburg wird eine besondere Tradition gepflegt: Der örtliche Privatwinzerverein begeht in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Seit einem Vierteljahrhundert halten die engagierten Mitglieder die historische Weinbautradition der Region am Leben und bewirtschaften mit viel Handarbeit zwei kleine Lagen mit insgesamt etwa 1000 Rebstöcken.
Wiederbelebung einer jahrhundertealten Tradition
Am 6. September 2001 gründeten elf Weinenthusiasten den Verein der Privatwinzer zu Burg Stargard. Zu den Gründungsmitgliedern zählten der damalige Bürgermeister Elmar Schaubs sowie Michael Wollenberg, der damals das Burgrestaurant „Alte Münze“ bewirtschaftete. Ihr gemeinsames Ziel war die Wiederbelebung der historischen Weinbautradition, die in Stargard durch Dokumente von 1508 bis in die 1920er Jahre belegt ist.
Im Mai 2002 pflanzten die Winzer die ersten Reben an zwei Standorten: „Am Teufelsbruch“ und im Burggarten. Historische Nachweise überzeugten schließlich eine Fachkommission aus Rheinland-Pfalz und Schwerin, sodass der Weg für das Weinbaugebiet „Stargarder Land“ frei wurde. 2004 erkannte der Bundesrat das Gebiet offiziell als Landweinbaugebiet an.
Handarbeit und Gemeinschaftsgeist
Auf etwa einem Viertel Hektar Fläche stehen heute die Rebstöcke der Sorten Phoenix, Solaris und Regent. Vergangenen Samstag begannen die Winzer mit dem traditionellen Rebschnitt am Teufelsbruch – eine Arbeit, die komplett per Hand erfolgt. „Die Mitarbeit in der Gemeinschaft und die Pflege des regionalen Erbes bereitet mir große Freude“, erklärt Carola Stölzel, die gemeinsam mit ihrem Mann Olaf in diesem Jahr erstmals beim Rebschnitt mithalf.
Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern sind noch Eckard Wurch und Stefan Schmidt aktiv im Verein tätig. Nach der Gründung wuchs der Verein schnell auf über 20 Mitglieder an, von denen viele bis heute dabei sind. Aktuell teilen sich zehn aktive Winzer die Arbeit auf den beiden Lagen.
Kulturelles Engagement und grenzüberschreitender Austausch
Neben der eigentlichen Weinproduktion hat der Verein zahlreiche kulturelle Aktivitäten etabliert. Dazu gehören Winzerfeste, die Beteiligung an Burgfesten und die Burgenweihnacht. Bereits 2004 richteten die Mitglieder im Burgmuseum eine ständige Sonderausstellung zur Geschichte des Weinbaus in Mecklenburg und Norddeutschland ein.
Besondere Aufmerksamkeit erregte 2008 eine Sonderbriefmarke, die der Verein gemeinsam mit dem Nordkurier herausgab – nach Vereinsangaben die erste ostdeutsche Briefmarke zum Thema Weinbau. Sie erinnerte an die 500. Wiederkehr der Anlage des ersten Weinbergs in Burg Stargard.
Der Verein pflegt zudem einen regen Austausch mit anderen Weinregionen. Jährliche Exkursionen führen die Mitglieder in alle deutschen Weinbaugebiete sowie zu Winzern ins polnische Zielona Góra (Grünberg), nach Westpommern, Ungarn, Bulgarien und in die Slowakei.
Zukunftsperspektiven und Nachwuchssuche
Mit Rosina Ganzer feiert das älteste aktive Mitglied in diesen Tagen ihren 90. Geburtstag. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Horst im Verein mit. Um die anspruchsvolle Arbeit in den Weinbergen künftig breiter verteilen zu können, sucht der Verein aktiv nach weiteren Mitstreitern aus dem Raum Burg Stargard.
Der Winzerverein Burg Stargard steht damit nicht nur für die Bewahrung historischer Traditionen, sondern auch für lebendige Gemeinschaft und nachhaltiges Engagement in der Region. Das 25-jährige Jubiläum markiert einen wichtigen Meilenstein in dieser besonderen Erfolgsgeschichte norddeutschen Weinbaus.



