Studie enthüllt: Angler in Ost und West behandeln Fische unterschiedlich
Angler in Ost und West behandeln Fische unterschiedlich (27.02.2026)

Erstaunliche Unterschiede: So verschieden gehen Angler in Ost und West mit ihrem Fang um

Die Entscheidung am Ufer scheint einfach: Kommt der gefangene Fisch zurück ins Wasser oder wandert er in die Pfanne? Doch eine aktuelle Untersuchung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei zeigt, dass diese Wahl keineswegs zufällig erfolgt. Zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen existieren messbare Unterschiede in der Angelpraxis, die tief in kulturellen und regionalen Gegebenheiten verwurzelt sind.

Ostdeutschland verwertet häufiger, Westdeutschland setzt öfter zurück

Die Forscher werteten rund 19.800 Fangaufzeichnungen aus beiden Bundesländern aus und konzentrierten sich dabei speziell auf das freiwillige Freilassen von Fischen, deren Mitnahme gesetzlich eigentlich erlaubt wäre. Das Ergebnis ist eindeutig: Unter vergleichbaren Bedingungen entnehmen Anglerinnen und Angler in Mecklenburg-Vorpommern deutlich häufiger Fische als ihre Kollegen in Niedersachsen. Während im Osten also öfter verwertet wird, praktizieren West-Angler vermehrt das sogenannte Catch and Release.

Studienleiter Robert Arlinghaus erklärt diese Diskrepanz mit unterschiedlichen Werten und Normen in West- und Ostdeutschland. „Insbesondere die stärkere Orientierung auf den Eigenbedarf spielt hier eine Rolle, die früheren Studien zufolge in Ostdeutschland ausgeprägter ist“, so der Wissenschaftler. Gleichzeitig könnte das Ergebnis auch auf die unterschiedlichen Fangbedingungen zurückzuführen sein: In den weniger dicht besiedelten und gewässerreichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns sind die Fischbestände oft besser als in vielen niedersächsischen Gewässern.

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Kulturelle Präferenzen und regionale Traditionen

Die Studie offenbart weitere interessante Details: Salzwasserfische wie Dorsch, Hering, Lachs und Forelle werden nach dem Fang deutlich häufiger behalten als Süßwasserfische wie Karpfen, Hecht oder Rotauge. Der Grund liegt in der allgemeinen Vorliebe für weniger grätenreiche Fischarten. Doch hier zeigt sich erneut ein Ost-West-Unterschied: Während in Niedersachsen Cypriniden (karpfenartige Fische) seltener mitgenommen werden, haben Angler in Mecklenburg-Vorpommern deutlich mehr dieser Fischarten mit nach Hause genommen.

„Dieser Befund deutet auf eine kulturell begründete Präferenz für den Verzehr bestimmter Fischarten hin“, erklärt Arlinghaus. „Insbesondere in Osteuropa hat der Verzehr von Cypriniden eine sehr lange Tradition, die bis heute anhält.“ Diese kulinarischen Vorlieben scheinen sich auch in der deutschen Anglerpraxis widerzuspiegeln.

Alter, Erfolg und ethische Abwägungen

Neben regionalen Unterschieden spielen auch individuelle Faktoren eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen das Zurücksetzen:

  • Ältere Angler entnehmen tendenziell mehr Fische als jüngere
  • Weniger erfolgreiche Angler behalten ihren Fang häufiger
  • Erfolgreiche Angler mit gutem Fang setzen eher zurück
  • Besonders große Hechte und Karpfen dürfen oft wieder schwimmen

Diese letzte Praxis ist aus ökologischer Sicht besonders sinnvoll, da große Fische wichtige Laichtiere für den Erhalt der Bestände darstellen. Die Studie betont jedoch: Unabhängig von der Entscheidung sei der sorgsame Umgang mit dem Fisch entscheidend, um die Überlebenschancen bei einem Zurücksetzen zu maximieren.

Kontroverse Debatte um Catch and Release

Die Praxis des freiwilligen Zurücksetzens von eigentlich entnahmefähigen Fischen wird in Angelkreisen kontrovers diskutiert. Während Kritiker darin ein reines Vergnügungsangeln sehen, betonen Befürworter den Beitrag zum Artenschutz. „Viele Anglerinnen und Angler wägen sorgsam ab, ob sie einen gesetzlich mitnahmefähigen Fisch tatsächlich entnehmen“, sagt Arlinghaus.

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Die neuen Daten sollen helfen, diese ethische Debatte in den gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. Früheren Untersuchungen zufolge überleben bei den allermeisten Arten 90 bis 100 Prozent der zurückgesetzten Fische – vorausgesetzt, es werden geeignete Geräte und schonende Verfahren eingesetzt. Die Studie des Leibniz-Instituts zeigt damit nicht nur regionale Unterschiede auf, sondern liefert auch wichtige Erkenntnisse für eine sachliche Diskussion über nachhaltiges Angeln in Deutschland.