Armin Mueller-Stahl erhält Ehrenpreis beim Filmkunstfest MV: Ehrung für Jahrhundertkünstler
Armin Mueller-Stahl: Ehrenpreis beim Filmkunstfest MV

Armin Mueller-Stahl erhält den Goldenen Ochsen beim Filmkunstfest MV

Der Goldene Ochse des Filmkunstfestes Mecklenburg-Vorpommern geht in diesem Jahr an einen Ausnahmekünstler und Weltenbürger: Armin Mueller-Stahl. Die Ehrung erfolgt genau 25 Jahre nach der ersten Verleihung dieses Preises – und es brauchte einen zweiten Anlauf, um den Jahrhundertkünstler angemessen zu würdigen.

Eine verspätete, aber verdiente Auszeichnung

Bereits im Jahr 2001 war Armin Mueller-Stahl zu Gast beim Filmkunstfest in Schwerin. Damals wurde sein schauspielerisches Schaffen zwar in einer Hommage gewürdigt, doch eine konkrete Auszeichnung erhielt er nicht. Dies fiel den Festivalmachern erst auf, als der Künstler mit leeren Händen abreiste. Im darauffolgenden Jahr 2002 wurde dann erstmals der Goldene Ochse als Ehrenpreis für das Lebenswerk besonderer Künstler verliehen. Nun, in der 25. Auflage des Festivals, geht die Trophäe endlich an Armin Mueller-Stahl.

Der 1930 im ostpreußischen Tilsit geborene Künstler blickt auf ein einzigartiges Lebenswerk zurück. Er hat in 140 Filmen auf der ganzen Welt mitgewirkt und in 100 Produktionen die Hauptrolle gespielt. Mueller-Stahl war sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik und in Hollywood erfolgreich. Neben seiner Schauspielkarriere hat er sich als Regisseur, Autor, Musiker und in den letzten Jahren vor allem als Maler einen Namen gemacht.

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Von der DDR bis Hollywood: Eine außergewöhnliche Karriere

Armin Mueller-Stahls Karriere begann in der DDR, wo er in zahlreichen DEFA-Filmen auftrat. Sein erster Film „Heimliche Ehen“ entstand 1955 unter anderem am Strand von Ahrenshoop. Später arbeitete er intensiv mit Regisseur Frank Beyer zusammen, unter anderem an Filmen wie „Fünf Patronenhülsen“, „Königskinder“ und „Nackt unter Wölfen“. Doch nicht alle Rollenangebote nahm er an – manchmal entschied er sich für andere Projekte, wie den Fernseh-Vierteiler „Columbus 64“.

Die Arbeit in der DDR war oft von Zensur geprägt. Mueller-Stahl entwickelte dabei besondere Fähigkeiten: „Viele haben sich in der DDR die Fähigkeit angeeignet, Sätze unverständlich zu machen, damit die Oberen nicht protestieren können“, erklärt er. Diese Technik kam ihm auch bei der Arbeit an „Columbus 64“ zugute, wo er Sätze bewusst unverständlich machte, um wenigstens das Gerippe des Stückes zu erhalten.

Protest und Neuanfang im Westen

Als der Liedermacher Wolf Biermann 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, gehörte Armin Mueller-Stahl zu denjenigen, die öffentlich dagegen protestierten. Die Folge: Ihm wurden kaum noch Rollen angeboten. 1980 siedelte er in die Bundesrepublik über und knüpfte dort nahtlos an seine früheren Erfolge an. Filme wie „Lola“, „Der Westen leuchtet“ und „Bittere Ernte“ festigten seinen Ruf als herausragender Schauspieler.

Doch im Westen Deutschlands fühlte er sich zunächst nicht willkommen: „Diese erste Abwehr, da kommt jemand aus dem Osten, das war schon beeindruckend unangenehm“, erinnert er sich. In anderen Ländern wurde er offener aufgenommen – besonders in den USA, die für ihn zum Traumland wurden.

Erfolge in Hollywood und Oscar-Nominierung

Der Film „Bittere Ernte“ wurde zum Türöffner für Hollywood. Dort spielte Mueller-Stahl eine komplexe Figur, die in Amerika sofort Anerkennung fand. In den USA drehte er Welterfolge wie „Avalon“ und „Shine – Der Weg ins Licht“. Für letzteren erhielt er 1997 eine Oscar-Nominierung als Bester Nebendarsteller. Er stand mit Stars wie Jeremy Irons, Michael Douglas, Robin Williams und Tom Hanks vor der Kamera und wurde überall mit großer Herzlichkeit empfangen.

„Wenn man sich in der DDR drehte, mussten sich immer welche mitdrehen, so eng war das. Wenn man sich in der Bundesrepublik drehte, trat man immer jemandem auf die Füße. Und in Amerika können Sie sich drehen, wie Sie wollen, von Nord- bis zur Westküste ist Platz, und deshalb ist auch die Freundlichkeit dort einfach größer“, beschreibt Mueller-Stahl die Unterschiede. Doch er betont auch: „Ich habe auch hier in Deutschland meine Freunde, es gibt auch hier Menschen, die ich sehr schätze.“

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Die Rückkehr zur Malerei

Vor der Kamera hat Armin Mueller-Stahl seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gestanden, obwohl er bis heute Rollenangebote erhält. Das Ablehnen sei eine bewusste Entscheidung: „Das Ende meines Lebens soll der Malerei gehören. Ich habe als Dreijähriger damit begonnen, ich komme aus einer Malerfamilie, wenn man so will, und das wollte ich jetzt noch einmal machen.“

Wenn es seine Gesundheit zulässt, verbringt er täglich nach dem Frühstück drei bis vier Stunden im Atelier seines Hauses in Sierksdorf. Seine Bilder wurden bereits vielerorts ausgestellt, zuletzt in der Kunsthalle Emden. Parallel zum Filmkunstfest in Schwerin gibt es zwei Ausstellungen: Das Staatliche Museum zeigt Werke unter dem Titel „Zwischen den Bildern“, die Schau im Schleswig-Holstein-Haus heißt „Filme Farben Formen“.

Musik als lebenslange Begleitung

Neben Schauspiel und Malerei spielt die Musik eine wichtige Rolle im Leben von Armin Mueller-Stahl. Mit fünf Jahren erhielt er seine erste Geige, doch der Krieg unterbrach das Üben. Nach dem Krieg absolvierte er in Berlin eine Ausbildung zum Konzertgeiger und Musiklehrer. „Die großen Geiger haben mit drei oder vier Jahren begonnen, das mussten sie, um das Level zu erreichen, das sie heute haben. Ich habe erst mit 15, 16 angefangen, aus mir wäre nie ein Oistrach geworden“, sagt er bescheiden. Dennoch spielt er noch immer regelmäßig: „Meine Frau drängelt mich, dass ich, wie Zähneputzen, jeden Tag kurz Geige und Klavier spiele, das ist gut für die Synapsen.“

Dreimal live in Schwerin zu erleben

Beim Filmkunstfest in Schwerin wird Armin Mueller-Stahl im Mai dreimal live zu erleben sein. Am 8. Mai ist er dabei, wenn die Armin Mueller-Stahl-Band mit Günther Fischer, Tom Götze und Tobias Morgenstern Songs des 2010 entstandenen Albums „Es gibt Tage ...“ spielt. Fans können ihn außerdem bei der Preisverleihung am 9. Mai und in einem Werkstattgespräch am 10. Mai erleben. Zudem zeigt das Festival in einer Hommage acht seiner wichtigsten Filme auf der Leinwand.

Mit dieser umfassenden Würdigung ehrt das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern einen Künstler, dessen Lebenswerk die Grenzen von Staaten, Genres und Kunstformen überschritten hat. Armin Mueller-Stahl bleibt damit nicht nur ein Jahrhundertkünstler, sondern auch ein Brückenbauer zwischen verschiedenen Welten und Epochen.