Wal-Drama in der Ostsee: Backhaus erneut im Fokus der Kritik
Der Fall um den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee vor der Insel Poel hat Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Nach Polizeiangaben wurden im Kontext des Umgangs mit dem Tier Strafanzeigen gegen den Minister und weitere Beteiligte gestellt. Im Raum stehen Vorwürfe wie Tierquälerei und unterlassene Hilfeleistung.
Das Ministerium weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Ein Sprecher betonte, alle verfügbaren Experten seien einbezogen und sämtliche rechtlich sowie fachlich mögliche Maßnahmen geprüft worden. Parallel dazu wurde bekannt, dass Backhaus im Zuge der Debatte bedroht und in sozialen Netzwerken massiv beschimpft wurde. Die Kritik kommt auch von Fans des Meeresbiologen und Influencers Robert Marc Lehmann.
Längste Amtszeit eines Ministers in Deutschland
Für Backhaus ist dies nicht das erste Mal, dass er intensiv im öffentlichen Rampenlicht steht. Der SPD-Politiker ist seit 1998 Minister in Mecklenburg-Vorpommern und gilt als der am längsten amtierende Minister Deutschlands. Mit dieser ungewöhnlich langen Amtszeit verbindet sich eine Karriere, in der sich fachliche Anerkennung, politischer Rückhalt und wiederkehrende Kontroversen über Jahre überlagert haben.
Zu den Gründen für seine besondere Stellung zählt, dass sein Ressort in Mecklenburg-Vorpommern besonders sichtbar ist. Landwirtschaft, Umwelt, Küstenschutz und ländliche Räume gehören zu den zentralen Themen des Landes. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, wenn Entscheidungen oder Vorwürfe seinen Zuständigkeitsbereich betreffen.
Promotionsarbeit und Körperverletzungsvorwurf
Parallel dazu stand Backhaus immer wieder wegen anderer Vorgänge im Fokus. Ein wiederkehrendes Thema war seine Promotionsarbeit. Kritisiert wurden die Umstände ihrer Entstehung, unter anderem wegen der Rolle seines Doktorvaters, der damals als Berater einer dem Ministerium nachgeordneten Organisation tätig war. 2016 flammte die Debatte im Zuge von Medienberichten und Plagiatsvorwürfen erneut auf. Backhaus wies die Beschuldigungen im Wesentlichen zurück, räumte aber kleinere Defizite ein.
Bereits 2013 hatte ein Körperverletzungsvorwurf für Schlagzeilen gesorgt. Ein 69-jähriger Autofahrer beschuldigte Backhaus, ihn nach einem Beinahe-Unfall oder Unfall mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben. Nach Angaben von Backhaus’ Anwalt meldete sich später ein Jugendlicher als Zeuge, der zwar ein Fuchteln mit den Armen, aber keinen Faustschlag gesehen habe. Strafrechtlich verfolgt wurde der Vorfall nicht.
Privatstreit und Ackerbrand-Mitteilung
Auch im privaten Umfeld geriet Backhaus juristisch unter Druck. Mit seiner früheren Partnerin stritt er vor Gericht unter anderem um einen Audi Q7 und einen Traktor. Der Fall sorgte für zusätzliche Schlagzeilen, wurde aber 2015 zumindest teilweise juristisch zugunsten des Ministers entschieden: Im sogenannten Traktorstreit musste Backhaus weder den Traktor noch den Audi herausgeben.
2018 sorgte eine Mitteilung seines Ministeriums für Aufmerksamkeit. Darin wurde geschildert, wie Backhaus auf dem Heimweg einen Ackerbrand bei Cambs bemerkte, den Ort ausmachte und den Notruf wählte. Weniger der Brand selbst als die fast heldenhafte Tonlage der Mitteilung wurde anschließend Zielscheibe von Spott und Hohn.
Äußerung über Ricarda Lang und juristische Konflikte
Bundesweite Kritik zog Backhaus 2022 mit einer Äußerung über die Grünen-Politikerin Ricarda Lang auf sich. In Anspielung auf Dick und Doof sagte er, früher seien das noch zwei Personen gewesen. Die Aussage sorgte über Mecklenburg-Vorpommern hinaus für Empörung. Später erklärte Backhaus, er habe Formulierungen genutzt, die möglicherweise missverstanden werden konnten.
2024 wurde es dann juristisch heikel. Im Streit mit dem CDU-Abgeordneten Thomas Diener stand der Vorwurf im Raum, Backhaus habe gedroht, dessen landwirtschaftlichen Betrieb schließen zu lassen. Hintergrund war ein politischer Konflikt um das landeseigene Gestüt Redefin, das Diener als Millionengrab bezeichnet hatte. Der Fall löste Rücktrittsforderungen aus und führte zu strafrechtlichen Ermittlungen. Das Strafverfahren wurde gerade erst vor wenigen Tagen eingestellt.
Wölfin-Abschuss und aktuelle Wal-Debatte
2025 geriet Backhaus erneut unter Druck, diesmal im Zusammenhang mit dem Abschuss einer Wölfin. In der Debatte stand die Frage im Raum, ob der Abschuss unerlaubt gewesen sei. In diesem Zusammenhang wurde auch seine Immunität aufgehoben. Der Vorgang sorgte erneut für erhebliche politische Aufmerksamkeit.
Mit dem Fall des Buckelwals in der Ostsee ist nun der nächste emotional aufgeladene Konflikt hinzugekommen. Der gestrandete Buckelwal hat nicht nur Mitgefühl ausgelöst, sondern auch eine Debatte über Verantwortung, Zuständigkeit und mögliche Versäumnisse. Das Ministerium verteidigt sein Vorgehen, während die Vorwürfe nun geprüft werden. Backhaus bleibt damit eine zentrale Figur in der Landespolitik, deren Karriere von Höhepunkten und Skandalen geprägt ist.



