Bahn-Nord-Süd-Netz: Neue Züge und WLAN, doch Finanzierung und Fahrpläne unklar
Bahn-Nord-Süd-Netz: Versprechen und offene Fragen

Neues Bahn-Nord-Süd-Netz: Komfortsteigerungen bei unklaren Rahmenbedingungen

Mit ambitionierten Plänen für den Regionalverkehr in Norddeutschland wirbt die Deutsche Bahn für ihr ab Dezember 2026 startendes Nord-Süd-Netz. Die Regionalexpress-Linien RE3, RE4, RE5 und RE51 sollen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt enger verbinden. Doch während technische Verbesserungen und Komfortsteigerungen konkret beschrieben werden, bleiben zentrale Fragen zu Fahrplänen und Finanzierung unbeantwortet.

Mehr Kapazität und dichtere Takte

Das Zugangebot wird deutlich ausgeweitet: Statt bisher 9,4 Millionen Zugkilometern sollen künftig 11,6 Millionen gefahren werden – eine Steigerung um 23 Prozent. Auf mehreren Linien wird der Takt verdichtet. Die RE5 zwischen Rostock oder Stralsund und Berlin fährt künftig stündlich, ergänzt durch die neue Linie RE51 zwischen Stralsund und Neustrelitz, die ebenfalls im Stundentakt verkehren soll.

„In den touristischen Spitzenzeiten im Sommer wird es eine Verdichtung zwischen Rostock und Neustrelitz geben, um die Tourismusregionen Seenplatte und Ostseeküste öfter zu verbinden“, erklärt die Bahn. Für Berufspendler sind unter der Woche zusätzliche Entlastungszüge zwischen Neubrandenburg und Berlin vorgesehen.

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Neue Fahrzeuge und Komfortverbesserungen

Insgesamt kommen 15 Neufahrzeuge und 110 modernisierte Doppelstockwagen zum Einsatz. Auf den Linien RE3 und RE4 sollen neue doppelstöckige Triebzüge mit bis zu 575 Sitzplätzen verkehren, während die RE51 mit einstöckigen Fahrzeugen mit 273 Plätzen ausgestattet wird. Die modernisierten Doppelstockzüge der RE5 bieten etwa 505 Sitzplätze.

Die Komfortverbesserungen sind konkret:

  • Kostenfreies WLAN in allen Zügen
  • Mehr Steckdosen, USB-Anschlüsse und induktive Ladeflächen
  • Smartphone-Informationsportal mit Auslastungsanzeige
  • Größere Monitore für Echtzeit-Fahrgastinformationen
  • Neue Sitze, größere Tische, verbesserte Lichtkonzepte
  • Kinderspielecken in den Zügen

Technische Innovationen und Zuverlässigkeit

Die neuen Züge sollen sich selbst überwachen und Störungen an Türen oder Klimaanlagen automatisch melden, um Ausfälle zu reduzieren. Die Bahn verspricht zudem eine „energiesparende Antriebstechnik“ bei den Neufahrzeugen, bleibt jedoch eine detaillierte Erklärung dieser Technologie schuldig.

Offene Fragen und fehlende Details

Trotz der konkreten Ankündigungen bleiben wesentliche Punkte unklar:

  1. Konkrete Fahrpläne für einzelne Strecken fehlen
  2. Belastbare Zahlen zu tatsächlich häufigeren Verbindungen sind nicht verfügbar
  3. Die Kosten der Modernisierung werden nicht genannt
  4. Die Finanzierung des Großprojekts bleibt undurchsichtig
  5. Die Kapazitätserweiterung ist nicht flächendeckend – auf einigen Linien entspricht sie laut Bahn „in etwa“ dem heutigen Stand

Der Verkehrsvertrag für das neue Nord-Süd-Netz läuft zwölf Jahre bis 2038. Während die Bahn mit neuen Zügen, WLAN und punktuellen Taktverdichtungen konkrete Fortschritte präsentiert, fehlt es an einer vollständigen Gebrauchsanweisung für den Alltag der Fahrgäste. Die Versprechen sind zahlreich, doch entscheidende Fragen zu Angebot, Finanzierung und technischer Umsetzung bleiben unbeantwortet.

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