Italiens Fußball in tiefer Krise: Drittes WM-Aus in Folge nach Pleite gegen Bosnien
Italien verpasst dritte WM in Folge nach Bosnien-Niederlage

Italiens Fußball in historischer Krise: Drittes WM-Aus in Folge besiegelt

In ganz Italien herrscht am Tag nach dem erneuten Scheitern la grande tristezza – die große Trauer. Von Südtirol bis Sizilien diskutieren die Menschen unter regenverhangenem Himmel beim morgendlichen Cappuccino nur ein Thema: Wie konnte die Squadra Azzurra das entscheidende Playoff-Spiel in Bosnien-Herzegowina vergeigen und zum dritten Mal hintereinander die Fußball-Weltmeisterschaft verpassen?

„Das Drama ist Gewohnheit geworden“ – Medien reagieren geschockt

Die italienischen Zeitungen überschlagen sich mit dramatischen Kommentaren. „La Repubblica“ klagt: „Das Drama ist, dass es kein Drama mehr ist, sondern Gewohnheit. So sind wir eben. Wir sind kaum mehr als ein Nichts.“ Die Konkurrenz vom „Corriere della Sera“ malt sogar „Italiens Apokalypse“ an die Wand. Die größte Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ spricht von einer „weiteren Katastrophe“, auf die man hätte vorbereitet sein müssen.

Elfmeterdrama in Zenica besiegelt Italiens Schicksal

Besiegelt wurde das WM-Aus mit einem 1:4 im Elfmeterschießen gegen die Außenseiter aus Bosnien-Herzegowina. Im Stadion der 120.000-Einwohner-Stadt Zenica – ein Name, den bislang in Italien kaum jemand kannte und jetzt jeder kennt – flossen die Tränen. Italien hatte sich nach einer Roten Karte für Alessandro Bastoni in der ersten Halbzeit tapfer gewehrt. Moise Kean brachte die Italiener in Führung, vergab aber später die Vorentscheidung.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

In der Verlängerung rettete Torwart Gianluigi Donnarumma sein Team mit mehreren starken Paraden ins Elfmeterschießen. Doch dort war er machtlos – und auch etwas unfair. TV-Bilder zeigten, wie sich der Keeper am Spickzettel des bosnischen Torwarts zu schaffen machte. Doch dieses Ablenkungsmanöver half nichts: Alle Bosnier trafen, zwei Italiener vergaben.

Trainer Gattuso entschuldigt sich – Zukunft ungewiss

Auch bei Trainer Gennaro Gattuso flossen die Tränen. „Ich persönlich entschuldige mich bei den Italienern. Ich habe es nicht geschafft. Es tut so weh“, sagte der Weltmeister von 2006 mit tränenerstickter Stimme. Er hatte das Team im Juni mit der klaren Zielvorgabe übernommen, Italien zur WM zu führen. Über seine Zukunft wollte er nicht sprechen: „Wir sollten hier über Italien sprechen, über das blaue Trikot.“

Generation wächst ohne WM-Erfahrung auf

Inzwischen müssten die Italiener zu ihren Trikots mit den vier Weltmeister-Sternen noch dreifachen Trauerflor tragen. Der letzte WM-Triumph 2006 in Berlin liegt bereits 20 Jahre zurück. Abgesehen vom EM-Titel 2021 gab es seither nur Enttäuschungen. Eine ganze Generation wächst auf, die ihre Nationalmannschaft noch nie bei einer Weltmeisterschaft gesehen hat. Das letzte WM-Spiel verloren die Azzurri 2014 mit 0:1 gegen Uruguay. Nun ist man frühestens 2030 wieder dabei.

Krise betrifft auch den Vereinsfußball

Die Krise beschränkt sich nicht auf die Nationalmannschaft. Auch im Vereinsfußball läuft es international schlecht. Als letzter italienischer Club schied Atalanta Bergamo bereits im Achtelfinale der Champions League aus – mit einem blamablen Gesamtergebnis von 2:10 gegen Bayern München. Die großen Namen wie Inter Mailand, AC Mailand, Juventus Turin und AS Rom sind in europäischen Wettbewerben ebenfalls früh ausgeschieden.

Zukunft von Verbandschef und Trainer offen

Die Zukunft des nationalen Verbandschefs Gabriele Gravina ist genauso ungewiss wie die von Nationaltrainer Gattuso, der selbstkritisch von einer „Schande“ sprach. Den Stab wolle er über seine Mannschaft aber nicht brechen, denn diese habe „in den vergangenen Monaten wirklich alles gegeben“. Aktuell steht Italien in der FIFA-Rangliste noch auf Platz 12 – aber das wird nicht mehr lange so bleiben.

Bosnien-Herzegowina, jetzt auf Platz 65, darf sich nun bei der WM in der Gruppe B mit der Schweiz, Katar und Co-Gastgeber Kanada messen. Und eine große Fußballnation muss zuschauen – zum dritten Mal in Folge.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration