Nagelsmanns klare Rollenzuweisung: Undav bleibt der Joker
Die Diskussion um Deniz Undavs Position im deutschen Fußballnationalteam scheint für Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits abgeschlossen. Nach dem 2:1-Testspielsieg gegen Ghana in der Nacht auf Dienstag stellte der Trainer unmissverständlich klar: Der VfB Stuttgart-Angreifer ist und bleibt der Joker der Mannschaft. Doch diese Festlegung wirft Fragen auf, denn Undav liefert derzeit die überzeugendsten Argumente auf der Stürmerposition.
Die Zahlen sprechen für Undav
Statistisch betrachtet wäre Undav eigentlich der logische Anwärter auf einen Stammplatz. In der laufenden Saison erzielte der 27-Jährige in 38 Pflichtspielen für den VfB Stuttgart beeindruckende 36 Scorerpunkte. Mit 23 Toren und 13 Vorlagen übertrifft er damit deutlich seine Konkurrenten im DFB-Team. Nick Woltemade kommt in zehn Spielen mehr auf lediglich 16 Scorerpunkte, während Kai Havertz aufgrund von Verletzungsproblemen in nur 14 Partien fünfmal erfolgreich war.
Dennoch beharrt Nagelsmann auf seiner Entscheidung. „Es ist das Entscheidende, dass er die Aktionen nutzen kann, wenn der Gegner ein bisschen müde ist“, erklärte der Bundestrainer seine taktische Überlegung. Gegen Ghana schien diese Strategie aufzugehen: Undav wurde zur Halbzeit eingewechselt und erzielte in der 88. Minute den entscheidenden 2:1-Siegtreffer.
Nagelsmanns Leistungsverständnis
Interessant ist Nagelsmanns Definition von Leistung in diesem Zusammenhang. Der Bundestrainer misst Erfolg nicht ausschließlich an Torerfolgen, sondern bewertet auch Aktionen auf dem Platz und die Rolle im Teamgefüge. „Wenn er vorher 70 Minuten marschiert, weiß ich nicht, ob er den so reinmacht“, gab Nagelsmann nach dem Spiel zu bedenken.
Diese öffentliche Rollenansage erfolgt nur zweieinhalb Monate vor Beginn der WM 2026 in Nordamerika und ist durchaus gewagt. Nagelsmann macht deutlich, dass selbst Undavs herausragende Torquote seine Position als dritter Stürmer im Kader nicht verändern wird. „Wir werden auch im Sommer Joker brauchen, die in der Lage sind, ein Spiel zu entscheiden. Das ist sein Auftrag“, so der Bundestrainer.
Undavs Reaktion und Perspektive
Der VfB-Angreifer zeigt sich mit dieser Festlegung nicht einverstanden. „Ich glaube, das habe ich beim VfB in jedem Spiel gezeigt, ob ich reinkomme oder über 90 Minuten spiele, dass ich immer noch kreativ sein kann und am Ende ein Tor machen kann!“, entgegnete Undav in der Mixed Zone.
Seine Karrieregeschichte erklärt vielleicht diese Haltung: Der türkeistämmige Stürmer musste sich von unterklassigen Stationen bei Havelse und Meppen bis in die Bundesliga und Nationalmannschaft hocharbeiten. Diese Durchsetzungsfähigkeit prägt ihn bis heute. Im ARD-Interview nach dem Ghana-Spiel betonte Undav: „Mit jedem Tor, das ich mache, kann sich meine Rolle verändern.“
Doch Nagelsmann konterte prompt auf der anschließenden Pressekonferenz: „Nein, eher unwahrscheinlich, weil ich die Rollengespräche ja nicht für die März-Maßnahme gemacht habe, sondern für die WM.“ Diese klare Ansage wirkte wie eine öffentliche Zurechtweisung.
Die Debatte bleibt aktuell
Obwohl Nagelsmann die Diskussion für beendet erklärt hat, dürfte das Thema weiterhin relevant bleiben. Sollte Undav in den verbleibenden sieben Bundesligaspielen und im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den SC Freiburg seine Torquote halten oder sogar steigern, wird die Frage nach seiner Rolle im DFB-Team unmittelbar vor der WM erneut aufflammen.
Die Fans positionieren sich bereits deutlich: Beim Testspiel in Stuttgart forderten sie Undav bereits nach 28 Minuten lautstark. Viele schätzen seine unangepasste Art in einem Profifußball-Zeitalter, das nach authentischen Persönlichkeiten sucht. Doch beim Bundestrainer zählen andere Kriterien.
Während sich die meisten Nationalspieler mit ihren zugewiesenen Rollen arrangieren, bleibt Undav der Einzige, der öffentlich widerspricht. Diese Haltung könnte sich als Stärke oder Schwäche erweisen, je nachdem, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt. Die WM 2026 wird zeigen, ob Nagelsmanns taktische Überlegungen oder Undavs Torinstinkt recht behalten.



